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Offensive für Inklusion: Siebtes Tanzfestival im Leipziger Lofft

Offensive für Inklusion: Siebtes Tanzfestival im Leipziger Lofft

Ein schwülwarmer Abend im Juli 2012 gab den Anstoß. Mit der Verleihung des achten Leipziger Bewegungskunstpreises an Marlen Schumann und das Tanzlabor Leipzig machte eine fünfköpfige Fachjury deutlich, dass "Mixed-Abled"-Produktionen durchaus konkurrenzfähig sind.

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Joshua Montens Tänzer vermengen in "About Strange Lands And People" Gebärdensprache mit zeitgenössischem Tanz.

Quelle: Christian Glaus

Leipzig. Warum nicht ein ganzes Festival zu diesem Thema auf die Beine stellen, dachte sich das Lofft-Team vor der Planung seiner siebten Tanzoffensive, die heute mit der neuen Tanzlabor-Inszenierung "Heimat +3" startet.

"Für uns als Theater ist das ein Pionierprojekt", sagt Lofft-Geschäftsführer Dirk Förster. Damit meint er sowohl den Festivalschwerpunkt als auch den Organisationsaufwand, der mit einem barrierefreien Tanzfestival verbunden ist. Das Theaterhaus am Lindenauer Markt birgt nicht allzu große Hürden für Rollstuhlfahrer. Aber wie sollen auch Gehörlose und Blinde an der Tanzoffensive teilnehmen können? Und wie steht es mit behindertengerechten Unterkünften in der Stadt?

Auch die Produktionen wählte das Lofft danach aus, ob sie dem Grundgedanken der Inklusion folgen. Also eine gleichberechtigte Teilhabe von Künstlern entsprechend ihrer Fähigkeiten und Einschränkungen möglich machen. "Bedingung war ein künstlerischer Ansatz, der nicht unterscheidet in behindert und nicht behindert", sagt Lofft-Öffentlichkeitsarbeiter Sebastian Göschel. Kunst also nicht als gut gemeinte Therapiemaßnahme, sondern als Feier des Anders-Seins im Gleich-Sein, ergo Mensch-Sein.

Beispiel "Heimat +3" des Tanzlabors Leipzig, das heute Abend die Tanzoffensive 2013 eröffnet: Drei Menschen erzählen drei Geschichten über die Frage nach der Bedeutung der Herkunft. Die Tänzerinnen Stefanie Berndt, Emilie Dias und Lisa Zocher sind mit und ohne Handicap. Sowohl hier als auch bei den anderen vier Stücken fällt aber auf, dass die Handlung mit dem Thema "Behinderung" nichts am Hut hat. "Die Künstler gehen selbstbewusst mit ihrem Handicap um", sagt Förster. Deshalb muss es auch nicht thematisiert werden.

Trotzdem fand es das Lofft angebracht, im Rahmen des Festivals einen Kongresstag zu den Themen "Inklusion", "Barrieren", "Kommunikation" und "Der andere Körper" zu organisieren. Experten aus Soziologie, Medienwissenschaften und Management diskutieren hier neben Tänzern und Choreografen über das neue Bild des "Behinderten" - weg von der hilfebedürftigen Person, hin zur selbstbestimmten Persönlichkeit.

Aus unterschiedlichem Bewegungsvokabular kann sogar ein ganz neuer ästhetischer Ansatz entstehen. Wie bei Joshua Monten und seiner Produktion "About Strange Lands And People". Hier prallt Gebärdensprache auf zeitgenössischen Tanz. "Beeindruckende Ausdruckskraft - auch ohne, dass man die Gebärden versteht", schwärmte die Berner Zeitung. Lucia Glass traut sich in "The Sound Of It" sogar, ein Tanzstück komplett in die Dunkelheit zu verlegen. Und zwingt damit das Publikum der Tanzoffensive, anderen Sinnen zu vertrauen: Hören und Fühlen.

Försters und Göschels Herzensproduktion ist aber eine andere. Die Künstler von DIN A 13 gelten als die Stars der "Mixed-Abled"-Tanzszene. In "Changeable Cohesion" verarbeiten die aus Deutschland und Sri Lanka stammenden Tänzer ihre Erfahrungen mit dem seit den 80er Jahren schwelenden Bürgerkrieg in Sri Lanka. Das Ergebnis ist bunt, fremdartig und explosiv. Es sei nicht leicht gewesen, die Truppe nach Leipzig zu holen, sagt Förster. Es wird ihr allererster Auftritt im Osten Deutschlands sein.

Den Schlusspunkt des Festivals setzen Roland Walter und Yuko Kaseki mit "Surnature". Wieder ein Beispiel für das Entstehen einer neuen Bildsprache, wenn "behindert" auf "normal" trifft. Walter sitzt im Rollstuhl, Kaseki tanzt Butoh. Im Lofft begegnen sie sich "auf der gleichen Ebene, um von Angesicht zu Angesicht die eigene Körperlichkeit zu überblenden und Vergangenes zum Leben zu bringen", heißt es im Programmheft. Dasselbe gilt von 1. bis 9. Juni für das Publikum der Tanzoffensive. Förster: "Habt keine Angst vor dem Fremden, lasst euch drauf ein!"

www.lofft.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.06.2013

Verena Lutter

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