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Ohne Räume mit viel Raum

Dessauer Bauhaus Ohne Räume mit viel Raum

Das Bauhaus Dessau ist kein Baumarkt. Das weltweit bekannte Gebäude mit seiner gläsernen Fassade gilt als Ikone der Moderne. Seit einem Jahr ist die vom Bauhausgründer entworfene Meisterhaussiedlung wieder komplett anzusehen - und sorgt für Pro und Contra.

Das Meisterhaus von Walter Gropius (1883-1969), aufgenommen in der Meisterhaussiedlung in Dessau-Roßlau.

Quelle: dpa

Dessau-Roßlau. „Das Haus ist sehr schön, nur die Räume fehlen mir“, schreibt Magret (7) in das Besucherbuch der Dessauer Meisterhäuser. Das Kind gehört zu den jüngsten Besuchern des wiederhergestellten und zugleich neu konzipierten Gebäudeensembles. Doch mit dieser Meinung steht es nicht allein. Manch Besucher hofft, in den neuen Meisterhäusern durch originalgetreu rekonstruierte Wohnräume von Bauhausgründer Walter Gropius (1883-1969) zu schlendern, es sich in einem der berühmten Bauhaus-Schwingstühle oder Sessel bequem machen zu können - und wird dann enttäuscht.

Die neue Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, Claudia Perren, betont gerade das Neue „Die neuen Meisterhäuser sind nicht nur ein Beitrag, um uns an Vergangenes zu erinnern.“ Sie seien in ihrem Modellcharakter auch Ausgangspunkt für kommende Debatten und Gestaltungsansätze, Details und Geschichten. Rund 4,2 Millionen Euro wurden laut Stiftung in den Wiederaufbau des Gropius-Hauses und die Doppelhaushälfte des Bauhausmeisters László Moholy-Nagy (1895-1946) vom Bund, dem Land Sachsen-Anhalt und der EU investiert. Beide Häuser waren 1945 durch Bomben aus der Luft zerstört worden.

70 Jahre nach der Zerstörung des Meisterhausensembles erstrahlt die einstige avantgardistische Künstlerkolonie in ganz neuem Licht. Dafür sorgen auch und vor allem die Fenster, je nach Tageszeit unterschiedlich. Die Scheiben wirken auf den ersten Blick wie Milchglas, sind es aber nicht. Sie gelten wie die Häuser als Kunstwerk selbst. „Die Gebäude leuchten von innen heraus“, erfahren drei Touristinnen aus Ungarn bei einem geführten Rundgang. Die drei Frauen hatten sich eigens auf den Weg nach Dessau-Roßlau gemacht, um auf den Spuren berühmter Bauhäusler wie des gebürtigen Ungars László Moholy-Nagy zu machen. Die sogenannten Neuen Meisterhäuser wurden im Mai 2014 von Bundespräsident Joachim Gauck im Beisein von Angehörigen und Nachkommen von Bauhäuslern übergeben.

Rund 48.000 Besucher kamen 2014, 20.000 mehr als im Jahr zuvor, als die einstige avantgardistische Künstlerkolonie noch nicht wieder völlig komplett als bauliches Ensemble wiedererrichtet war, wie ein Sprecher der Stiftung Bauhaus Dessau sagte. „Besucher des Moma in New York kamen zu uns, aus Japan, Israel, Frankreich, Korea, oder auch 500 Schülergruppen“. Die zwei wiederaufgebauten Häuser und die Siedlung an sich mit ihren grünen Oasen stehen für das von den Architekten des Büros Bruno Fioretti Marquez verwirklichte Prinzip der „präzisen Unschärfe“. Der Künstler Olaf Nicolai hat im Innern des Gropius-Hauses etwa Wände geschaffen mit Rechtecken und Quadraten in unterschiedlichsten Techniken. Je nach Lichteinfall ermöglichen sie dem Betrachter unterschiedlichen Einblick in das Innenleben des Hauses. Es vermittelt zudem - wie die anderen Häuser - mit Ausstellungen, Veranstaltungen und bei Schülerprojekten das Bauhauserbe.

Die im Zweiten Weltkrieg nicht zerstörten zweieinhalb Doppelhäuser - das sind fünf Doppelhaushälften - der Meisterhaussiedlung waren zum Großteil nach 1990 saniert worden. Zu deren „Bewohnern“ gehört das Kurt Weill Zentrum. Es widmet sich der Pflege des Erbes des in Dessau geborenen deutsch-amerikanischen Komponisten. Nach den Meisterhäusern ist die Belebung der Bauhausgeschichte noch nicht zu Ende. Nun folgt das Bauhausmuseum. Es soll für 25 Millionen Euro im Dessauer Stadtpark entstehen.

Nach Berlin hat Dessau laut Stiftung mit 40.000 Stücken die zweitgrößte Bauhaussammlung der Welt. Perrens Vorgänger Philipp Oswalt musste 2014 seinen Platz an der weltberühmten Kunst- und Designschmiede räumen. Er wollte das künftige Museum viel näher am Bauhaus gelegen. #

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