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Ohne Worte, ohne Frauen

„Mann-oh-Mann“ feiert Premiere im Krystallpalast Ohne Worte, ohne Frauen

So früh ist das Leipziger Krystallpalast-Varieté noch nie in die neue Saison gestartet und nur selten so witzig wie nun mit der Premiere von „Mann-oh-Mann – Virtuoses Varieté“.

Vor dem kollektiven Blankziehen ...

Quelle: Kempner

Leipzig. Eine richtig gute Show, die aktuelle im Leipziger Krystallpalast-Varieté zeigt es zur ausverkauften Premiere am Donnerstagabend mit Nachdruck, braucht nicht viel. Sie kommt mit einem einzigen Wort aus: „Pause“. Und ganz ohne Frauen, weswegen sie ihren Namen „Mann-oh-Mann“ völlig zu recht trägt.

Sebastian Matt führt durch den saukomischen Abend, ein stummer Comedian der kleinen Gesten mit großer Wirkung. Hier ein Augenaufschlag, da ein Schulterzucken oder eine virtuos ungelenke Verrenkung, dort ein schlimm schlechter Zaubertrick, ein Tablett mit Wasserflaschen in der Funktion eines Feigenblatts – und das Glucksen im Saal steigert sich schnell zu spitzen Schreien des Vergnügens.

Virtuos überdreht Matt die Klischees aus dem ziemlich weiten Spektrum der Männlichkeit, die diese Show als Ganzes mit Freuden bedient: Männerschweiß und Männergrazie, Männer im Anzug und Männer mit Badetuch, schwebende Männer und prügelnde, tanzende und polternde, Tuntenknickse und Kraftmeierei, Helden und Hänflinge, schwerelose Wesen aus einer anderen Welt und der ganz Kerl von nebenan – hier darf der Mann sich noch feiern. Mit einem hintersinnigen Grinsen im Gesicht.

Philipp Tigris aus Deutschland zum Beispiel. Was der mit den Hula-Hoop-Reifen anstellt, die ihn umschwirren wie Motten das Licht, derweil er immer wieder mit kühnen Kontorsionen durch sie hindurchturnt, ist vom akrobatischen Standpunkt aus betrachtet schon ziemlich beeindruckend. Zu einem der vielen Höhepunkte der Show wird seine Nummer aber erst durch die laszive Lässigkeit, die er dabei ausstrahlt in seinem zu kurzen Matrosen-Leibchen. Großes Kino.

Für große Oper sorgt dagegen Marco Noury im Glitzer-Höschen an den Strapaten. Mit der Schwerkraft hat er offenbar nichts zu schaffen, wie er sich da an in vollendeter Eleganz an den Schlaufen windet und wirbelt. Wunderbar kraftvoll ist das, dabei voll Leichtigkeit und Poesie. Was auch für sein Duett mit Domsn am Synchrontrapez gilt. Obwohl dies auf weiten Strecken ohne Synchrones auskommt.

Domsn ist Mitglied der Breakdance-Truppe Fette Moves. Mal entern sie im Gangster-Zwirn die Bühne, mal in Gangsta-Fallschirmseide, mal als Gruppe, wenn sie ihre hinreißend alberne Bollywood-Parodie abliefern, und mal solistisch, wenn Flojo mit den Hüten und Kappen die Stile wechselt. Nur die atemberaubende Kraft und Geschwindigkeit dieser sehr spezifischen Mischung aus Tanz und Akrobatik bleibt immer gleich.

Was sie mit Ihor Yakimenko verbindet, der mit seiner ausgefeilt geschmeidigen Kampfkunst ebenso beeindruckt wie an der Stange, an der er sich so selbstverständlich bewegt wie andere kaum auf ebener Erde. Oder Alexander Batuev zur Not im Koffer. Man mag kaum hinschauen, wenn der russische Konstorsionist sich die Beine hinter den Ohren verknotet und selbst auf Handtaschenformat zusammengefaltet noch ein Gelenk findet, das er verdrehen kann. So ähnlich verfährt auch Stanislav Vysotskyi aus der Ukraine: Hat er keine Hand mehr frei, jongliert er eben mit den Füßen weiter – eigentlich reicht ihm auch nur einer. Spielerisch charmant ist diese Artistik. Und dass ihm hin und wieder mal ein Ball entgleitet – geschenkt.

Die Regie hat bei „Mann-oh-Mann“ im in schlichter Petersburger Hängung sich präsentierenden Bühnenbild Joshua Tilmans wieder Urs Jäckle übernommen. Und er hat sich dieser Aufgabe so souverän entledigt, dass man sich bisweilen fragt, was er eigentlich gemacht hat. Ganz selbstverständlich hat Jäckel die Nummern wie Perlen auf Sebastian Matts Comedy-Schnur gefädelt. Hier fließt ganz geschmeidig alles ineinander, stets der Steigerungs-Dramaturgie verpflichtet, die im Publikum für helle Begeisterung sorgt.

Wenngleich in unterschiedlichen Abstufungen: Während Frauen offenhörlich nachgerade in Ekstase geraten angesichts der vielen Sixpacks und Waschbretter, der fein dosierten Anzüglichkeiten und ironisch abgefederten Blankzieherei, der Fertigkeiten dieser schönen Männer-Körper, mischt sich ins Amüsement ihrer Begleiter der blanke Neid. Was nichts daran ändert, dass auch sie einen zwar etwas kurzen (eine Nummer fehlt zur Premiere noch), aber rundum wunderbaren Abend haben. Und bestimmt liefert das Krystallpalast-Varieté für sie zeitnah ohne Worte und ohne Männer „Frau-oh-Frau“ nach und schnürt dann für Jungs ähnliche Pakete wie nun die „Mädels-Abende“ bei „Mann-oh-Mann“.

„Mann-oh-Mann“ im Krystallpalast-Varieté: bis 5. November; Karten (15 – 35 Euro, Menü 25 / 20 Euro) unter Tel. 0341  140660, www.krystallpalastvariete

 

Von Peter Korfmacher

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