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Ohnsorg-Legende Heidi Kabel mit 95 Jahren gestorben

Ohnsorg-Legende Heidi Kabel mit 95 Jahren gestorben

Deutschlands populäre Volksschauspielerin Heidi Kabel ist tot. Der einstige Star des Hamburger Ohnsorg-Theaters starb am Dienstag im Alter von 95 Jahren. „Sie ist heute morgen um 6.00 Uhr friedlich eingeschlafen“, sagte der Intendant des Theaters, Christian Seeler.

Hamburg. Die Schauspielerin, die an Altersdemenz litt, lebte seit einigen Jahren in einem Senioren- Wohnheim. Ihr Enkel Jan-Hinnerk Mahler erklärt: „Wir sind alle sehr traurig, aber sie hat ein sehr schönes Leben gehabt.“ Politiker und Intendanten würdigten „uns Heidi“ als großartige Schauspielerin und „Hamburger Original“.

Jahrzehntelang war sie der Star des niederdeutschen Ohnsorg- Theaters, dessen Produktionen seit 1954 bundesweit im Fernsehen zu sehen waren. In mehr als 65 Jahren stand sie in weit über 160 plattdeutschen Stücken auf der Bühne. Sie überzeugte mit Mutterwitz und Menschenkenntnis in allen großen Frauenrollen des deutschen Volkstheaters und machte das Plattdeutsche weit über den Norden hinaus theaterfähig. „Es gibt für mich nichts Schöneres, als mein Publikum zum Lachen, zum Nachdenken und zum Weinen zu bringen“, sagte sie einst über ihre Schauspielkunst.

„Es gibt nur wenige Menschen, die in ganz Deutschland quer durch alle Generationen so populär waren wie Heidi Kabel“, schrieb das Ohnsorg-Theater, das auch ein Kondolenzbuch ausgelegt hatte. „Das Ohnsorg-Theater trauert um eine großartige Schauspielerin, um eine wunderbare Kollegin und um einen einzigartigen Menschen.“ „Heidi Kabel gehörte zu Hamburg wie der Michel“, sagte Bürgermeister Ole von Beust (CDU). Mit Witz, Geradlinigkeit und Herzenswärme habe sie die Zuschauer im Sturm erobert. Sie sei in ihren Rollen wie im wahren Leben immer hanseatisch, bodenständig und ehrlich gewesen - „eben eine echte Hamburger Deern!“.

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Hamburg. Deutschlands populäre Volksschauspielerin Heidi Kabel ist tot. Der einstige Star des Hamburger Ohnsorg-Theaters starb am Dienstag im Alter von 95 Jahren. Die Schauspielerin, die an Altersdemenz litt, lebte seit einigen Jahren in einem Senioren- Wohnheim.  Politiker und Intendanten würdigten „uns Heidi“ als großartige Schauspielerin und „Hamburger Original“.

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Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) würdigte Kabel als „Hamburger Original“. „Heidi Kabel war immer authentisch. Das war ihre große Stärke. Und das hat sie so glaubwürdig und vorbildlich gemacht“, erklärte die Senatorin. Durch die intensive Beziehung zu ihren Zuschauern sei sie für viele beinahe zum Familienmitglied geworden. Fußball-Legende Uwe Seeler sagte der dpa in Südafrika: „Ich kannte sie sehr, sehr gut. Das tut mir natürlich sehr leid. Heidi war nicht nur in Hamburg eine Legende, sondern eine in ganz Deutschland. Wann immer man sie gesehen hat, war sie begeisternd. Sie wird immer im Gedächtnis bleiben.“

Heidi Kabel war zweifellos Hamburgs berühmteste „Deern“. Sie begeisterte das Fernseh- und Theaterpublikum als tratschsüchtige Nachbarsfrau, keifender Hausdrachen, bauernschlaue Mutter oder schrullige Alte. An der Seite des unvergessenen Henry Vahl garantierte die Kabel jahrelang ein volles Haus. 1937 heiratete sie Hans Mahler, der Ende der 40er Jahre Ohnsorg-Chef wurde. Tochter Heidi Mahler begann ihre Karriere in den 60er Jahren ebenfalls dort und spielte oft neben ihrer Mutter.

Nachdem Heidi Kabel 1984 nach Auseinandersetzungen mit dem damaligen Direktor Günther Siegmund als festes Ensemblemitglied aus dem Ohnsorg-Theater ausschied, war sie häufig in TV-Serien zu sehen. Dazu gehörten Filme wie „Kleinstadtbahnhof“, „Tante Tilly“ oder „Campingpark“. Ein letztes Mal stand sie 2006 gemeinsam mit ihrer Tochter Heidi Mahler in einer kleinen Rolle in dem Film „Hände weg von Mississippi“ des Regisseurs Detlev Buck vor der Kamera.

Heidi Kabel kam eigentlich fast aus Versehen zur „Niederdeutschen Bühne“, wie das Theater damals noch hieß. 1932 begleitete sie eine Freundin beim Vorsprechen bei Richard Ohnsorg. Der wurde auf sie aufmerksam und engagierte sie vom Fleck weg. Sie galt als Naturtalent, obwohl sie später noch Schauspielunterricht nahm.

Als Heidi Kabel am Abend des 23. März 1970 in der Komödie „Suuregurkentied“ auf der Bühne stand, überbrachte man ihr die Nachricht vom Tod ihres Mannes. Sie lehnte es ab, die Vorstellung abzubrechen und spielte noch den dritten und letzten Akt zu Ende. Disziplin galt als eine ihrer besonderen Eigenschaften, aber auch Dickköpfigkeit und Schlagfertigkeit.

Die Schauspielerin, die sich aktiv für Asylbewerber und Obdachlose engagierte, nahm 1998 ihren Abschied von der Bühne. Am Silvesterabend stand sie mit 84 Jahren in einer Doppelrolle in dem Lustspiel „Mein ehrlicher Tag“ ein letztes Mal vor ihrem Ohnsorg-Publikum. Einen öffentlichen Auftritt vor großem Publikum hatte sie nochmals 2004, als sie in Hamburg den Bambi für ihr Lebenswerk entgegennahm.

dpa

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