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Ohrwürmer-Füllhorn: Albert Hammond und Leipziger Symphonieorchester im Konzert

Haus Auensee Ohrwürmer-Füllhorn: Albert Hammond und Leipziger Symphonieorchester im Konzert

Das Projekt „In Symphony“, das Albert Hammond am Dienstagabend mit dem Leipziger Symphonieorchester, Band und Chor im Haus Auensee aufgeführt hat, zieht seine Faszination daraus, dass der liebenswürdige 72-jährige Gibraltese in den vergangenen 50 Jahren all diese große Musik komponiert hat. Selbst wenn nicht alles gelingt.

Chor, Symphonieorchester, Band: Albert Hammond mit großem Ensemble im Haus Auensee.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Es ist ein kleiner Mann, der da in der Bühnenmitte steht. Und große Musik, die aus den Lautsprechern tönt. Das Projekt „In Symphony“, das Albert Hammond am Dienstagabend mit dem Leipziger Symphonieorchester, Band und Chor im Haus Auensee aufgeführt hat, zieht seine Faszination daraus, dass der liebenswürdige 72-jährige Gibraltese in den vergangenen 50 Jahren all diese große Musik komponiert hat. Hits, Hits, Hits, für sich selbst als Sänger und für singende Kollegen: The Hollies, Diana Ross, Joe Cocker, Julio Iglesias, Willie Nelson und viele andere. Ein beeindruckendes Lebenswerk wird in den kommenden zwei Stunden erklingen (und längst nicht vollständig abgearbeitet sein).

Schon die konzertante Ouvertüre setzt den 700 Zuschauern prominente Marksteine. Nur peitscht Schlagzeuger Dave Stewart leider gleich die eröffnenden Takte von Starships „Nothing’s Gonna Stop Us Now“ so eilig nach vorn, dass die Streicher kaum mitkommen. Eine knappe Minute später, als das Ensemble „When I Need You“ anspielt, stimmt alles. Doch bei „I’m A Train“ hinkt auf einmal das Schlagzeug hinterher. Es ist ein Problem vieler symphonischer Pop-Projekte, wenn sich ihre Macher nicht so klar fürs Orchester entscheiden, dass sie auf die herkömmliche Rockband verzichten: Beides passt nicht automatisch zusammen. Und das Haus Auensee – akustisch mehr Halle als klassischer Konzertsaal – verkleinert die klangtechnische Herausforderung nicht gerade.

Als Hammond nach dem Intro mit all seinem Charme auf die Bühne tänzelt, sind die Unstimmigkeiten jedoch erstmal vergessen. „Give A Little Love“ bleibt ein Gute-Laune-Lied. Selbst wenn sich klanglich irgendeine Rassel grotesk in den Vordergrund drängt, man aber den Chor leider kaum hört. Hingegen harmoniert der Klangkörper, sobald Orchester, Band und Sänger einen deutlichen Schwerpunkt setzen. Der kann bei der Band liegen – wie in „Name, Tags, Numbers, and Labels“, später bei „Mary Hot Lips Arizona“ und am Ende bei „It Never Rains In Southern California“; das Orchester hat dann im Prinzip nur die Aufgabe, die ursprüngliche Pop-Version hübsch zu untermalen. Oder aber die gut 60 klassisch geschulten Instrumentalisten werden doch mal als das eingesetzt, was sie sind: als sehr gutes Symphonieorchester mit dem hochrespektierten Wolfgang Rögner am Dirigentenpult, weitgehend ohne störende Band und ganz ohne Viervierteltakt-Schlagzeug.

Wie ein vermeintliches Symphoniekonzert zur ausgelassenen Party wird

„World of Love“ ragt in dieser Hinsicht mit bezaubernden Bläser- und Streicher-Arrangements hervor, und sogar der sechsköpfige Chor darf endlich hörbar mehrstimmig singen. Auch bei Hammonds wunderbaren Schnulzen wie „Alejate“ oder „To All The Girls I’ve Loved Before“ ergibt die Sache mit dem Orchester sehr wohl Sinn.

Wobei so eine Albert-Hammond-Show ohnehin bei aller Kritik schlicht unterhaltsam ist. Das liegt, klar, an Hammonds Ohrwürmer-Füllhorn. Aber auch an seinen Entertainer-Qualitäten: Natürlich darf das Publikum mitsingen und macht das bei „Down By The River“ und „Good Old Days“ sehr zum Gefallen der Hauptfigur, die sich revanchiert, indem sie zu den Reihen pilgert und eifrig Hände schüttelt. Dass Hammond bei „One Moment In Time“ stimmlich nicht mit Whitney Houston mithält – geschenkt. Auch als das Ensemble ein zweites Mal zu „99 Miles From L.A.“ ansetzen muss, hat der Chef die Lacher auf seiner Seite. „Ich weigere mich, eine Brille zu tragen“, gesteht er. Daher sei er auf der Setlist verrutscht und habe das falsche Lied angekündigt.

Zu „When You Tell Me That You Love Me“ überreicht ihm eine Zuschauerin eine rote Rose, und Hammond lächelt glücklich wie ein Kind am Geburtstagsgeschenketisch. Im furiosen Finale mit „A Train“, „The Air That I Breathe“, „When I Need You“, „Southern California“, „Free Electric Band“ und „Nothing’s Gonna Stop Us Now“ wird das vermeintliche Symphoniekonzert vollends zur ausgelassenen Party. „Ihr liebt mich, ich liebe euch, ich werde nach Leipzig zurückkehren“, verspricht Hammond noch. Gerne doch.

Am Sonntag überträgt der Fernsehsender Arte das Berliner Hammond-Konzert ab 19 Uhr live im Internet: concert.arte.tv/de/berlin-live

Von Mathias Wöbking

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