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Oper feiert mit "Charleys Tante" Premiere im Spiegelzelt

Termine Oper feiert mit "Charleys Tante" Premiere im Spiegelzelt

"Unterhaltungsmusik", sagt Ulf Schirmer, in Personalunion Generalmusikdirektor und Intendant der Oper Leipzig, "muss man höchstklassig besetzen. Nur dann kommt das Genre in die Schwebe, balancieren sich Künstlichkeit und Natürlichkeit gegenseitig aus".

Die inszenierende Operndirektorin Franziska Severin und der dirigierende Intendant Ulf Schirmer auf der Bühne des Spiegelzeltes "Victoria".

Quelle: André Kempner

Leipzig. "Unterhaltungsmusik", sagt Ulf Schirmer, in Personalunion Generalmusikdirektor und Intendant der Oper Leipzig, "muss man höchstklassig besetzen. Nur dann kommt das Genre in die Schwebe, balancieren sich Künstlichkeit und Natürlichkeit gegenseitig aus".

Dabei glänzen seine Augen, und ein befriedigtes Grinsen kann er sich auch nicht verkneifen am gestrigen Nachmittag bei der Vorstellung des Spiegelzelt-Programmes auf dem Augustusplatz. Offenkundig ist er zufrieden mit dem, was die zwölfköpfige Salon-Abordnung des Gewandhausorchesters ihm bis jetzt in den Proben angeboten hat an Musik zu "Charleys Tante".

Die Vorlage ist ein hinreißend schräges und temporeiches Boulevard-Stück von Brandon Thomas und als charmante, aber ein wenig betuliche Verfilmung mit Peter Alexander in der Titelrolle generationenübergreifend bekannt. Ihr Spiegelzelt eröffnet die Oper Leipzig am Freitag mit einer Einrichtung von Frank Wilgenbus, der sich um die Texte kümmerte, und Alexander Krampe, der Klavier- und Instrumentalwerke des Film- und Radiokomponisten Ernst Fischer (1910-1975) arrangierte. Die Inszenierung besorgte Operndirektorin Franziska Severin, die also endlich einmal wieder auf dem Regiestuhl Platz nahm.

"Charleys Tante", befindet sie, "bietet viele Vorlagen, um völlig sinnfrei zu tanzen und zu singen - und das machen wir dann auch". Der leichte Zauber des Varietés solle durchs herrliche Spiegelzelt aus Belgien namens "Victoria" wehen, das der Technische Direktor Oliver Gerds mit seiner Mannschaft in den letzten Tagen fürs Musiktheater tauglich gemacht hat. Mit Verstärker- und Dirigentenanlage, üppigem Licht, Heizung, Catering, Garderobe - allem mithin, was knapp 500 Menschen im Publikum und die Akteure auf der Bühne so brauchen für einen gelungenen und schönen Abend. Bisher offenkundig recht erfolgreich. "Die Atmosphäre", sagt Schirmer, und wieder funkeln seine Augen vergnügt, "ist die eines geistigen Betriebsausflugs. Erstaunlich, welche Kreativität freigesetzt wird, wenn man mal an einen anderen Ort wechselt."

Und, bliebe hinzuzufügen, wenn man das Personal mal durchmischt. Denn bei den Produktionen, die in den kommenden Wochen bis zum Opernball am 31. Oktober, wenn das derzeit wegen Reparatur- und Modernisierungsarbeiten an der Drehbühne und der Hebetechnik blockierte Opernhaus wieder öffnet, gibt es keine Trennung zwischen MuKo und Oper. Bei "Charleys Tante" beispielsweise steht in der Titelrolle, als Tante alias Lord Babberley, MuKo-Ensemble-Mitglied Patrick Rohbeck auf der Bühne, der im "Cage aux folles" bereits bewiesen hat, dass er Frauenkleider tragen und auf Stöckelschuhen laufen kann. Auch Mirjam Neururer kommt aus Lindenau und Jeffery Krueger als Charley.

Vom großen Haus sind Martin Petzold und Jürgen Kurth dabei, beide ebenfalls bestens beleumundet im brüllend komischen Fach. Gute Voraussetzungen, dass Schirmers Rechnung aufgeht und das Publikum seiner Oper ins Spiegelzelt folgt. Nicht nur zu "Charleys" Tante, sondern auch zu den anderen Produktionen, die im Zweiwochen-Rhythmus folgen bis zum 25. Oktober. Dazwischen präsentiert Alessandro Zuppardos Opernchor sechs Konzerte mit drei Programmen, es gibt Lounges, Partys und von Richard Strauss das gut abgehangene Melodram "Enoch Arden", das einst Riesenhallen füllte und mittlerweile beinahe völlig vergessen ist.

"Wenn es mit dem Publikum einigermaßen funktioniert", sagt Schirmer, "spielen wir die Zeltmiete locker wieder ein. Ich gehe mal davon aus, dass unter dem Strich auch noch etwas übrig bleibt." Die Chancen dafür stehen gut. Die Hälfte der Karten sei bereits weg.

11. September, 20 Uhr: Charleys Tante; Musikalische Leitung: Ulf Schirmer, Regie: Franziska Severin; Vorstellungen: 12., 13., 16., 18., 19., 20. September

13. September/4. Oktober, 11 Uhr: Passeggiata, Chorkonzert, Musikalische Leitung: Alessandro Zuppardo

17. September, 21 Uhr: Late Night: Fräuleinwunder - Sandra Janke and Friends
20. September, 18. Oktober, 11 Uhr: Wanderung, Chorkonzert, Musikalische Leitung: Alessandro Zuppardo

24. September, 20 Uhr: Trouble in Tahiti; Musikalische Leitung: Anthony Bramall, Regie: Patrick Bialdyga, Vorstellungen: 25., 26., 27. September, 1., 2., 3., 4. Oktober

27. September/25. Oktober, 11 Uhr: Promenade, Chorkonzert, Musikalische Leitung: Alessandro Zuppardo

10. Oktober, 20 Uhr: Die Nachtschwalbe; Musikalische Leitung: Christoph Gedschold; Inszenierung: Kristof Spiewok; Vorstellungen: 11., 16., 17., 18. Oktober

11. Oktober, 11 Uhr: Enoch Arden, Melodram von Richard Strauss, Martin Petzold, Ulf Schirmer

15. Oktober, 21 Uhr: Late Night: Good Girls / Bad Girls - Jennifer Portos Ladies' Night

22. Oktober, 20 Uhr: Französische Chansons; Choreographien von Bruno Bouché, Martin Chaix, Jean-Phhilippe Dury; Vorstellungen: 23., 24., 25. Oktober

Nach allen Vorstellungen: Barmusik mit Maria und Michael Hinze
Karten für alle Veranstaltungen im Spiegelzelt an der Kasse im Opernhaus, unter Tel: 03411261261 oder unter www.oper-leipzig.de

Die inszenierende Operndirektorin Franziska Severin und der dirigierende Intendant Ulf Schirmer auf der Bühne des Spiegelzeltes "Victoria". Foto: André Kempner

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