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Optimistischer Weltschmerz: Sarah Lesch mit neuer Platte auf Geyserhaus-Parkbühne

Konzert Optimistischer Weltschmerz: Sarah Lesch mit neuer Platte auf Geyserhaus-Parkbühne

„Da draußen“ heißt Sarah Leschs drittes Album. Das Erscheinen der Platte hat die 31-jährige Liedermacherin am Samstagabend dort gefeiert, wo es entstanden ist und wo sie mittlerweile lebt: in Leipzig – vor rund 600 Fans im Arthur-Bretschneider-Park.

Sarah Lesch, 31, im Arthur-Bretschneider-Park.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Im Herzen ist Sarah Lesch ja doch Optimistin. Gleich zu Beginn hat sie den rund 600 Zuschauern auf der Geyserhaus-Parkbühne am Samstagabend ihre zuversichtliche Lebenseinstellung vor Augen geführt. Nein, nicht unbedingt mit dem Eröffnungsstück „Einmal noch“, in dem wie so oft bei ihr ein gewisser Weltschmerz an die Oberfläche dringt: „Und trotzdem einen vor den anderen Fuß“, hat sie da im Refrain gesungen. Aber jetzt: Da strahlt sie: „Gerade, als wir angefangen haben, hat der Regen aufgehört.“

Sie sieht alle Voraussetzungen für „einen ganz besonderen Abend“ erfüllt. Am Tag zuvor ist ihr drittes Album „Da draußen“ erschienen, und um das zu feiern, erblickt sie vor sich „viele bekannte Gesichter“. In Altenburg geboren, in Schwaben aufgewachsen, lebt die 31-Jährige seit gut anderthalb Jahren in Leipzig. Die Menschen hier bereiten ihr tatsächlich ein Heimspiel – mag sich der Regen auch de facto keineswegs erledigt haben.

Zwei der bekannten Gesichter – die Musiker Lukas Meister und Martin Ebert – sichtet Sarah Lesch auf der Bühne, das dritte ruft sie dorthin: Es gehört Posaunistin Antonia Hausmann. Ihr soll gleich das Kunststück gelingen, mit ihrem Instrument „Dap-Dap-De-Dau-Deng-Deng“ anzustimmen, noch bevor die Sängerin und das Publikum die Zeile aus „Da draußen“ weitertragen. Lesch hat das Mutmachlied als Stück gegen den Regen angekündigt, was aber überhaupt nicht funktioniert: Zu „Der Kapitän“ wird sich der Himmel heftiger auf die Zuschauer ergießen. Stürmische See eben.

Als Musikerin steht Lesch zum Glück nicht dafür, vom tristen Zustand der Welt abzulenken. „Der Kapitän“ ist ein gutes Beispiel. Der Text handelt vom Normalsten: Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Und vom Absurden, das ihrem damaligen Schwiegervater passierte, nachdem er mit der Cap Anamur genau das getan hatte. Er wurde vor Gericht gestellt und mit Auszeichnungen prämiert – gleichzeitig.

Eine Art Liedermacher-Allstar-Band

Sarah Leschs Lieder handeln vom Leben, da wäre überbordender Optimismus fehl am Platz. Das gilt auch für ihren – ja, man kann es ruhig „Hit“ nennen – für „Testament“, das nächste Stück. „Ich dachte immer, Funny van Dannen hätte bereits über alle wichtigen Dinge gesungen“, sagt sie. Aber sie habe es dennoch versucht – und Millionen von Klicks belegen, dass sie mit diesem Lied für ihren Sohn tatsächlich einen Nerv trifft. Im Bret­schneider-Park ist das Außergewöhnliche, dass kein einziger Fan das Smartphone draufhält. Alle wollen diese kluge Musik im Moment genießen.

Und bei allem Weltschmerz will auch Sarah Lesch genießen. Also zieht sie aus dem weiterplätschernden Regen nur Positives. „Geehrt“ fühle sie sich, „dass ihr alle hier bleibt“. Später stellt sie „eine Woodstock-Geschichte für die Enkel“ in Aussicht, „damals im Schlamm bei der Lesch“. Am Schluss, als der Himmel endlich trocken bleibt, laufen ihr selbst die Tränen. „Danke, dass ich von der Musik leben kann, weil ihr euch die Scheiße anhört.“

Zuvor formiert sich aber nach und nach eine Art Liedermacher-Allstar-Band um die Hauptperson. Den Kollegen Max Prosa kündigt sie als ihr Vorbild an. „Als ich anfing, wünschte ich, auch so tolle Lieder zu schreiben wie er.“ Prosa singt eines davon, bevor er als Keyboarder, Gitarrist und Hintergrundsänger in der Gruppe einsteigt. Bald gesellt sich Karl-die-Große-Sängerin Wencke Wollny dazu, macht mit Bandkollegin Antonia Hausmann kurz feine Straßenmusik und wird dann zur Klarinettistin im Aufgebot. Der großartige Lukas Meister erhält ebenso seine fünfeinhalb Minuten im Rampenlicht.

Am Ende ereignet sich ein We-are-the-World-Moment der besseren Sorte, als in Leschs „Nichts“-Lied jeder mal einen Refrain singen darf. „Wir brauchen nichts grade / höchstens ein bisschen Leichtsinn und Mut / der Rest wird von alleine gut.“ Stimmt: Der Regen hat aufgehört, und für den Moment versammeln sich im Park nur Optimisten, 606 ungefähr.

Von Mathias Wöbking

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