Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 10 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Orgel-Soli für die Unendlichkeit: Zum Tod des Doors-Keyboarders Ray Manzarek

Orgel-Soli für die Unendlichkeit: Zum Tod des Doors-Keyboarders Ray Manzarek

Ohne ihn und dieses Orgel-Intro hätte das Feuer wohl nie geleuchtet: "Light My Fire" war der überirdische Song einer überdischen Band. Organist Ray Manzarek und Jim Morrison hatten sie 1965 am Strand von Venice Beach gegründet.

Voriger Artikel
Leipzig, Tribschen, Bayreuth, Venedig: Die Richard-Wagner-Orte im Überblick
Nächster Artikel
Promis auf Rotem Teppich in Leipzig: Lagerfeld, Berben und Mueller-Stahl erhalten Kulturpreise

Ray Manzarek vor einem Foto des früh verstorbenen Jim Morrison.

Quelle: dpa

Wenig später gabelten sie Robby Krieger (Gitarre) und John Densmore (Schlagzeug) bei einem Kurs für Transzendentale Meditation auf. "The Doors" nannte man sich, nach einem Essay von Aldous Huxley, der wiederum auf ein Zitat von William Blake zurückgegriffen hatte: "Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, würde den Menschen alles so erscheinen, wie es in Wirklichkeit ist: unendlich."

"Light My Fire", geschrieben von Robbie Krieger, war der erste Hit vom Debütalbums von 1967, das nur den Bandnamen trug. Der Song wurde zum Soundtrack des Summer of Love, der nach außen von Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, nach innen von freier Liebe und Drogenexperimenten geprägt war. Weitere Titel des Albums wie "The End", "Break On Through" oder "The Crystal Ship" waren faszinierende Expeditionen ins Unbekannte, ins Dunkle. In diese Spiralnebel leuchtete Ray Manzarek mit seinem zitternden, nervösen Spiel. Nur sechs Jahre hatten die Doors Zeit, um sich für alle Zeiten in den Rock-Olymp zu spielen und bis heute immer wieder Jugendliche zu faszinieren. Über 100 Millonen Doors-Alben wurden bislang weltweit verkauft.

Natürlich war es vor allem der Beau Jim Morrison, der mit rätselhaften (und etwas überschätzen) Texten, narzisstischer Bühnenshow und frühem Ableben zum Inbegriff eines Popstars wurde. Doch Manzarek, 1939 als Sohn polnisch-stämmiger Einwanderer geboren, prägte auf seiner Elektro-Orgel Vox Continental den Sound der Band entscheidend. Weil ein Bassist fehlte, übernahm der Keyboarder den Job, bediente mit der linken Hand ein Bassklavier. Auf diesem Fundament kletterte, schrie und flehte der Offizierssohn Morrison, der 1971 im Alter von 27 Jahren in Paris starb. Sein Grab ist eine Pilgerstätte.

Über 40 Jahre später ist ihm Ray Manzarek gefolgt - hinter die Tür, auf die andere Seite, jene Welt, um die es den Doors immer ging. In der Nacht zu gestern ist er in einer Klinik im bayrischen Rosenheim gestorben. Manzarek, der lange gegen eine Krebserkrankung der Gallenwege gekämpft hatte, wurde 74 Jahre alt. Seine Frau und seine Brüder seien bei ihm gewesen, hieß es in einer Mitteilung.

Das Projekt "Doors" war bereits mit dem Tod des Sängers Geschichte, dennoch veröffentlichten die verbliebenen Musiker weitere Platten, hinkten damit dem früheren Erfolg erwartungsgemäß hinterher. Zwei Jahre später löste sich die Band auf. Nur selten standen Krieger, Densmore und Manzarek noch gemeinsam auf der Bühne, etwa 1993, als die Band in die "Rock and Roll Hall of Fame" aufgenommen wurde. Unter dem alten Band-Namen mit dem Zusatz Doors of the 21st Century machten Manzarek und Krieger ab 2002 wieder gemeinsame Sache. Mit Densmore, der selbst nicht mitspielte, gab es Krach. Er verklagte sie wegen Vertragsbruch, um ihnen die Benutzung des alten Namens zu verbieten.

Mit dem neuen Frontmann Ian Astbury rockten Manzarek und Krieger 2004 in Brüssel vor einer neuen Generation von Musikfans. "Vor allem vermitteln die Doors ein Gefühl der Hoffnung, aber auch eine gehörige Portion Kraft und eine Leidenschaft für die Kunst", sagte Mansarek damals. Und, bereits 1997: "Die Gegenwart ist doch entsetzlich. Wir leben in genau dem zynischen Alptraum, vor dem wir in den 60ern immer gewarnt hatten."

Nun ist die Hälfte der Doors auf der anderen Seite, auf die sie immer gelockt hatten. "Try To Set The Night On Fire." Jürgen Kleindienst

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.05.2013

Jürgen Kleindienst

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2016/2017 im Schauspiel Leipzig mehr

  • Auf dem Lutherweg

    Spannende Entdeckungsreise mit Martin Luther: Die LVZ pilgert zum Jubiläumsjahr der Reformation 2017 auf dem Lutherweg. mehr

  • Farbspiele
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2018 farbenfrohe Fotos

    Die Sparkasse Leipzig sucht für ihren Kalender 2018 die 12 besten Motive aus hunderten Einsendungen. Die Entscheidung fällt in einem Voting. Hier k... mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Titanic-Panorama im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Im Kindermuseum Leipzig dürfen sich Kids nach Lust und Laune ausprobieren, in historische Kostüme schlüpfen und erleben, wie es früher in Leipzig zuging. Das Abenteuer Zeitreise ist die Schau! des Monats Mai. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr