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Ossi, bleib bei deinen Leisten: Schwedische Band Johnossi im Leipziger Werk 2

Konzert Ossi, bleib bei deinen Leisten: Schwedische Band Johnossi im Leipziger Werk 2

Fanfarenartige Bläser und goldenes Licht. Stille und Dunkelheit. Und nochmal. Und nochmal. Und dann hat das schwedische Duo Johnossi am Mittwochabend im Leipziger Werk 2 zu dritt losgelegt.

Alles über Gitarre und Schlagzeug hinaus wirkt bei ihnen unnötig: John Engelbert (Mitte) und Ossi Bonde (rechts) mit Keyboarder Mathias Frantzén im Werk 2.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Im Hof des Werk 2 sind kurz vor acht ein starkes Dröhnen und schwere Schläge aus der Halle A zu vernehmen. Wurde die Produktion von Prüfmaschinen wieder aufgenommen? Hatte dazu was in der Zeitung gestanden? Würden all die Menschen in der Schlange hier gleich ihre Nachtschicht antreten? Nein, das schwedische Duo Johnossi hat sie am Mittwochabend ans Connewitzer Kreuz gelockt. Die Vorband Vulkano ist verantwortlich für den Industriekrach, der sich drinnen schnell als 80er-Jahre-Trommel-Pop mit quietschendem Gesang entpuppt.

Wer lange nicht mehr hier war, schaut sich danach ein bisschen in der Halle um, überlegt, wie es wäre, das Konzert aus der Kran-Kabine kurz unter der Decke zu beobachten, dabei vielleicht hin und her zu fahren. Beim nächsten Blick auf die Bühne fällt ein riesiger Berg Keyboards auf, und man ahnt: Das Pure und Direkte des vormals reinen Gitarren-Schlagzeug-Duos wird an diesem Abend einem Breitband-Sound weichen. Ob das gutgeht?

Kurz nach neun gehen erstmal Konservenmusik und Bühnenlicht aus. Fanfarenartige Bläser und goldenes Licht. Stille und Dunkelheit. Fanfarenartige Bläser und goldenes Licht. Stille und Dunkelheit. Und nochmal. Und nochmal. Das Publikum dreht durch, dabei hat die Band noch gar nicht die Bühne betreten. Aber das nahende Glück steht eben kurz bevor: John Engelbert schnappt sich eine Gitarre, Ossi Bonde setzt sich ans Schlagzeug, Mathias Frantzén bezieht Stellung am Keyboard-Berg. „Air Is Free“ beginnt mit einer Oasis-Gitarre, und erst jetzt erinnern die Bläsersätze (aus dem Keyboard) an Blur. Vielmehr kann man von einem ersten Lied kaum erwarten. Aber dann klingt es auf einmal nach Bryan Adams.

Eine Art kleines Rock-am-Ring-Festival

Es wird nicht lang gefackelt. Gitarrengewitter, ausbrechende Refrains, Mitklatschpart, Highend-Lichtshow – John­ossi spielen Stadionrock. Ob die Köpfe im Publikum absichtlich nicken oder einfach von der Druckwelle bewegt werden, bleibt unklar. Die Musik ist das, was im Oeuvre Jean-Pierre Kraemers „männermäßig“ genannt wird. Erstaunlich, dass man in „Dead End“ den kleinen Schellenkranz so gut hören kann. „Mavericks“ klingt sehr nach U2, „Freeman“ eher nach Mumford & Sons. Ein „We Will Rock You“-Schlagzeug trifft auf Blur-Gesang, und auch wenn Johnossi den Vergleich mit den White Stripes hassen: Live erinnert „18 Karat Gold“ an „The Hardest Button To Button“. Der großartige Song „Bobby“ ist auch schon fast zehn Jahre alt und lässt beste Indie-Rock-Zeiten aufleben.

Irgendwann bittet John Engelbert alle darum, bei drei einen Titelwunsch rauszuschreien. One, two, three: ein lautes, unverständliches Stimmengewirr. Er beginnt direkt „Man Must Dance“ und scheint damit den Wunsch jedes Einzelnen erraten zu haben (ganz egal, was er oder sie vorher gerufen hat). Die ganze Halle singt vergnügt die herrlich dämlichen Zeilen: „But you, and you, and you and you: / you’re just an Animal developed into / you and you and you and you. / A Monkey needs to dance so do you!“ Da ist er, der Ohrwurm des Abends. Es folgt das ruhige „Summerbreeze“, nur von der Akustikgitarre begleitet. In der ersten Reihe tut ein Smartphone, als ob es ein Feuerzeug wäre. Für „Hands“ kehrt Ossi Bonde zurück auf die Bühne, Coldplay-Chöre treffen auf Mumford & Sons.

Im Grunde genommen ist das Konzert ein kleines Rock am Ring: Man hat sehr viele große Rockbands gehört, kann sich aber an nichts Konkretes erinnern. Das liegt auch am überschaubaren dynamischen Spektrum, das von „Voll auf die Zwölf“ bis „Fünf vor Zwölf“ reicht. „Man Must Dance“ und „Bobby“ zeigen, dass Johnossi nur mit Gitarre und Schlagzeug großartige eigene Musik machen können. Alles Zusätzliche wirkt unnötig zusätzlich. Zur Zugabe klingen die Arctic Monkeys in „Party With My Pain“ an. Weitere Wünsche werden im Keim erstickt, als schon während der Verbeugung „Ordinary World“ von Duran Duran eingespielt wird. Die hatte man an diesem Abend nun wirklich noch nicht vernommen.

Von Benjamin Heine

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