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Paradies für Fortgeschrittene: Miriam Vlaming erkundet „Eden“ in der Galerie Dukan

Ausstellung in Leipzig Paradies für Fortgeschrittene: Miriam Vlaming erkundet „Eden“ in der Galerie Dukan

Es ist immer da, wo wir nicht sind: das Paradies. Die Malerin Miriam Vlaming macht sich in der Leipziger Galerie Dukan auf die Suche nach „Eden“ und unseren oft fragwürdigen Bildern davon. Ihre Arbeiten sind wild gemalte Träume – mit verwaschenen Körpern in psychedelischen Ur-Wäldern, mit Farben und Formen, die von überall her in den Raum zu greifen scheinen.

Miriam Vlaming vor dem Bild „Initiation“ in der Ausstellung „Eden“, die bis 20. Juni in der Galerie Dukan zu sehen ist.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Mit den Paradiesen ist das so eine Sache: entweder wird man aus ihnen vertrieben oder sie verschwinden mit ihrer Entdeckung. Das Paradies ist die große Fata Morgana in einer Welt, die längst in jedem Winkel ausgeleuchtet zu sein scheint. Immer da, immer weg, nicht zu fassen. Miriam Vlaming hat sich mit diesen kollektiven Projektionen und Erinnerungen auseinandergesetzt, sie gewissermaßen neu zusammengeträumt. In der Ausstellung „Eden“ in der Leipziger Galerie Dukan sind ihre zumeist großformatigen Erkundungen zu sehen.

Und nicht nur mit dem Paradies ist das so eine Sache, sondern auch mit den Bildern, die wir uns seit Jahrhunderten von ihm machen. Das Andere, das Exotische – es ist dem Betrachter ja immer schon verfälscht, übertrieben und zurechtgestutzt entgegengetreten. Diese Überlieferungen – seien es im Internet gefundene Fotos von Ureinwohnern oder Filmausschnitte, die ja selbst schon Verfremdungen sind – verfremdet Miriam Vlaming weiter, so weit, bis sie wieder ihr Geheimnis haben. Miriam Vlamings „Eden“ ist eine Befreiung, ein wild gemalter Traum – mit verwaschenen Körpern in psychedelischen Ur-Wäldern, mit Farben und Formen, die von überall her in den Raum zu greifen scheinen. Eine Wunderwelt, die nicht in sich zusammenfällt, wenn man sich wegdreht, sondern ihre Präsenz behält. Unheimlich. Schön.

Meisterschülerin bei Arno Rink

Für die Malerin, die 1971 bei Düsseldorf geboren wurde und heute in Berlin lebt, ist Leipzig ein künstlerischer Hafen, an den sie nun mit ihrer ersten Einzelausstellung seit fast zehn Jahren zurückkehrt. An der Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte sie Malerei, bei Arno Rink war sie Meisterschülerin. Diese Prägung spürt man, in der Schule, die man die Neue Leipziger nennt, ist sie aber von Anfang an eine Überwinderin. Vlaming will ins Offene. Das Intuitive, der Prozess der Montage, die Jonglage mit den verwendeten Quellen und das malerische Vortasten sind ihren Bildern eingeschrieben.

Was sicher auch an ihrer Maltechnik liegt. Vlaming arbeitet in erster Linie mit Eitemperafarben, die sie selbst herstellt und in der halben Welt gesammelten Pigmenten. Eitempera trocknet sehr viel schneller als Öl. Und vieles lässt Vlaming dann nicht stehen, sondern wäscht es herunter, malt es neu, hinterfragt es permanent. Es entsteht eine Art Archiv vorausgegangener Arbeitsprozesse, das Malen wird gemalt.

Magisch-wuchernde Botanik

Es sind nicht immer Fundstücke wie Fotos, die Vlaming zum Ausgangspunkt für ihre Bildschöpfungen wählt. Manchmal sind es auch eigene Werke. „Brennholz“ etwa hatte sie 2008 für eine Ausstellung in New York gemalt. Das große Querformat zeigt einen Stapel ausgebleicht fluoreszierender Baumstämme vor einem ins Abstrakte verfließenden Wald. Für „Eden“ hat sie es hochgestellt und neu gemalt. „Für mich lebte das nicht mehr.“ Jetzt wuchern fantastische Pflanzen baumhoch an zarten Stengeln. Nebel wabert, unterbrochen nur durch Lichtpunkte, als lugten Augenpaare durch den Vorhang. Unten werden zwei Kinder sichtbar, halb verschluckt von dieser magisch-wuchernden Botanik. Vlaming hat das tote Holz in „Treasure Hunt“ zu neuem Leben erweckt, nebenher künstlerisch den Kreislauf des Lebens nachgestellt. Eden, könnte man meinen, ist immer wieder neu möglich.

Ein ganz anderer Neuanfang stand für Miriam Vlaming auch mit am Beginn der Arbeit für diese Ausstellung. Wie malt man eigentlich ein Porträt?, fragte sie sich und sah sich an die 100 Mal ein Youtube-Lehrvideo an. Natürlich kann sie Gesichter malen, Vlaming aber ging es um eine fast meditative Wiederannäherung an das Genre, ein kontemplatives Auf-Null-Stellen. Die aus zwölf Porträts bestehende Reihe „Human Nature“ zeigt Augen, Nase und Mund, die fast verschwimmen mit dem Hintergrund, sich nur in Nuancen und Helligkeitsstufen unterscheiden. Wo die Konturen fehlen, fehlen auch die Konzepte, Zuschreibungen, Urteile. Seht, da ist der Mensch. Und mit dem ist es ja leider auch so eine Sache.

Bis 20. Juni in der Galerie Dukan (Spinnereistraße 7), geöffnet Mi-Fr 13-18, Sa 11-16 Uhr

Von Jürgen Kleindienst

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