Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 13 ° Regen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Paul Panzer in Jute-Unterwäsche - und vor 4000 Zuschauern in der Arena Leipzig

Paul Panzer in Jute-Unterwäsche - und vor 4000 Zuschauern in der Arena Leipzig

Wer behauptet, Comedians seien im Vergleich zu Kabarettisten gut gelaunt und optimistisch, hat nie Paul Panzers Lamento ertragen. Vor allem die Jugend, klagt der Mann, dessen Schöpfer Dieter Tappert 41 Jahre alt ist, frei nach Sokrates, sei respektlos und scheue die Arbeit.

Voriger Artikel
Frau Luna in der Musikalischen Komödie Slapstick mit Straffungsbedarf
Nächster Artikel
Neue Austellung des Grafikers, Malers und Bildhauers Reinhard Minkewitz

Im gleichen Hemd wie vor einem Jahr: Dieter Tappert als Paul Panzer in der Arena.

Quelle: André Kempner

Immerhin weiß Panzer, der am Freitag mit dem "Hart Backbord"-Programm in die Arena Leipzig zurückgekehrt ist und nach seinem Gastspiel dort vor gut einem Jahr erneut 4000 Menschen erfreute, wer Schuld trägt an der Verderbtheit des Nachwuchses: der "Dachlattenmann".

Eines Nachts lauere der seinen Opfern zwischen 13 und 17 auf. Einen Schlag später habe sich das süße Kind in ein o-beinig humpelndes, die Hand im Schritt haltendes Ich-schick-deine-Mudder-Monster verwandelt. Nur fragt sich Panzer ratlos: "Wohin will er meine Mutter denn schicken?" Eine gehörige Portion Ahnungslosigkeit gehört freilich zu jeder Comedy-Figur, die halbwegs komisch sein will. Im Falle Paul Panzers wirkt die Naivität, die sein Erfinder und Alter Ego Tappert in Form mehrerer penetranter Sprachfehler und falscher Betonungen mit Zaunpfählen auf die Bühne herbeiwinkt, aber nicht recht stimmig.

Die Figur schlussfolgert aus ihren Beobachtungen einfach häufig viel zu klug, manchmal übrigens sehr pathetisch. Angesichts einer Werbemaschinerie, die Bedürfnisse für absurde Produkte wie eine Heckenschere mit Teleskopgriff wecke, moniert Panzer beispielsweise, dass die Menschen verlernt hätten, "nein" zu sagen. Und die Finanzkrise habe er zwar nicht verstanden, das Geschäftsmodell einer Investmentbank kann er aber sehr wohl griffig umschreiben: "Wenn ich mir 1000 Euro leihe, um eine Kuh zu kaufen, die jedoch über Nacht stirbt, dann verteilt die Bank am nächsten Morgen auf die tote Kuh für je zwei Euro 500 Lose."

Panzer hat seinem "grotzartigen" Publikum zwar gleich zu Beginn versichert, dass er nicht prüfe, ob jeder im Saal denn auch Jute-Unterwäsche trage, wie es anscheinend Kabarettisten tun. Dennoch ist Panzer fürs Spaß-Genre, das sich sonst gern so unpolitisch wie politisch unkorrekt gibt, angenehm menschenfreundlich. Mag auch die Botschaft des Untertitels "Noch ist die Welt zu retten!" kaum eine Rolle spielen, so wirkt seine Sorge um Dachlattenmann-geschädigte Nachkömmlinge, deretwegen die Erde bewahrt bleiben solle, am Ende sympathisch aufrichtig. Selbst wenn die nicht arbeiten, sondern "alle ins gehobene Management" wollten, "müssen wir auf unserer Kinder und Jugendliche aufpassen", gibt er nach zwei Show-Stunden mit auf den Weg. Andernfalls gingen die "K.I.D.S." ("kein Interesse, du Sau") in "virtzuellen" Welten verloren, in der "World of Warcraft" oder im "Fatzebock".

Ärgerlich ist nur, dass Tappert die eh raren spontanen Momente allzu offensichtlich simuliert und wenig Mühe darauf verwendet, die Witze einigermaßen aktuell zu halten. Kaum zu glauben, dass er hierzulande auf Zuschauerzuruf über "Platztik in den Flützen" jammert und auf die Frage: "Wie heißt das bei euch?" wieder von "Platztik" sprachfehlert, statt von "Platzte" (oder so) zu sprechen. Mit der Zeitrechnung, dass er "vor anderthalb Jahren" einen PVC-Boden im Garten verbrannt habe, woraufhin von einem Vulkanausbruch auf Island die Rede gewesen sei, ist er zudem im Herbst 2011 stecken geblieben. Und wie alt sollen die K.I.D.S. gewesen sein, als sie sich vom Hollywood-Streifen "Spiderman" verblöden ließen (der 2002 lief)? Süße vier oder doch schon sechse?

Mit seinem kommenden Programm "Alles auf Anfang" tritt Paul Panzer am 17. Mai 2014 auf der Messe Halle und am 24. Mai 2014 in der Arena Leipzig auf. Karten für rund 30 Euro im LVZ-Media Store (Höfe am Brühl), in den LVZ-Geschäftsstellen, unter www.lvz-ticket.de und der gebührenfreien Hotline 0800 2181050.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.06.2013

Mathias Wöbking

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Titanic-Panorama im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lädt vom 20. Juli bis 16. August 2017 zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz. Alle Infos zum Programm und Ticketverkauf... mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2016/2017 im Schauspiel Leipzig mehr

  • Farbspiele
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2018 farbenfrohe Fotos

    Fotografieren Sie Ihre buntesten Momente in Leipzig und der Region und nehmen Sie am Fotowettbewerb der Sparkasse Leipzig teil. Die schönsten Bilde... mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Der erste Direktor und Mitbegründer der Leipziger Zeichen-Akademie prägte 40 Jahre lang die Künstlerszene in Sachsen - unter anderem als Goethes Zeichenlehrer. Eine Ausstellung im Schillerhaus Leipzig ehrt Adam Friedrich Oesers. Zur Schau des Monats! mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr