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Penishüllen und Schillers Schrank: Ausstellung zum Tabuthema Scham

Deutsches Hygienemuseum Dresden Penishüllen und Schillers Schrank: Ausstellung zum Tabuthema Scham

Ob in Alltag, Beruf oder Politik - Scham ist allgegenwärtig. Darüber geredet aber wird kaum. Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden will das ändern - und hat das komplexe Thema durchleuchten lassen.

«Loolaboo - The terra preta toilet», in der Ausstellung «Scham. 100 Gründe rot zu werden» im Deutschen Hygiene-Museum. Bis 5. Juni 2017 widmet sich das Museum einem intimen und öffentlichen, alten und aktuellen Tabu. Rund 250 Objekte aus Medizin, Naturwissenschaft, Ethnologie oder Kunst beleuchten Aspekte der Scham - von kultureller Verschiedenheit über Stolz und Identität bis zur Schamlosigkeit.

Quelle: dpa

Dresden. Achselschweiß, Nacktheit, Voyerismus: „Die Anlässe, sich zu schämen, sind zahllos“, sagt der Berliner Philosoph Daniel Tyradellis. Für die Ausstellung „Scham. 100 Grunde rot zu werden“ im Deutschen Hygiene-Museum hat der Kurator rund 250 Objekte arrangiert, die das komplexe Thema beleuchten. In einer Vitrine, die sich durch drei Räume zieht und mit dem Beobachten und Beobachtet-Werden spielt, zeugen Medizinisches, Ethnologisches und Historisches, Rituelles sowie Kunstwerke von den vielfältigen Aspekten der Scham - von kultureller Verschiedenheit über Stolz und Identität bis zu Schamlosigkeit.

Bis zum 5. Juni 2017 widmet sich das Hygiene-Museum einem intimen und öffentlichen, alten und aktuellen Tabu. Rund 250 Objekte aus Medizin, Naturwissenschaft, Ethnologie oder Kunst beleuchten Aspekte der Scham - von kultureller Verschiedenheit über Stolz und Identität bis zur Schamlosigkeit.

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„Scham ist ein Thema zwischen Natur und Kultur, Körper und Gesellschaft“, sagte Direktor Klaus Vogel am Freitag vor der Vernissage. Es gehe um das Schämen, sich schämen, beschämt sein und fremdschämen. Der Rundgang reicht von Moulagen von Körperteilen, die von Anomalien wie den Auswirkungen von Geschlechtskrankheiten zeugen, bis zu einem Aquarium mit einer Schamkrabbe, die sich ihre großen Scheren vor die Augen hält.

Die Besucher können im Miniaturmodell des Wiener Behandlungszimmers von Sigmund Freud Geschichten des Schweizer Psychoanalytikers Léon Wurmser lauschen, das Video einer zu Punkmusik wild tanzende Muslima betrachten oder sich selbst zum Affen machen. Dabei beobachten sie und werden zugleich beobachtet, erklärte Tyradellis. Beim Eintritt in ein Spiegelkabinett etwa werden sie gewogen und das Ergebnis erscheint, sichtbar für die auf dem Rückweg befindlichen Betrachter.

„Auch rot zu werden ist ein Grund, sich zu schämen“, sagt Tyradellis, der mit der Schau keine Antwort auf die Frage gibt, warum der Mensch errötet. „Man schämt sich, weil man rot wird und umgekehrt wird man rot, weil man sich schämt.“ Die Gründe, die man angeben kann, bildeten das Netz, in dem sich eine Gesellschaft bewegt und über das sie sich definiert. „Der Begriff Scham ist negativ belegt, keiner schämt sich gern.“ Zugleich aber werden „schamlose Zeiten“ beklagt, in denen es keine Norm mehr gebe, an denen man sich ausrichten kann.

Penisbekleidungen aus Afrika, Sado-Maso- und Henkersmasken oder italienische Schwedenpornos sollen ebenso zur Beschäftigung mit dem Tabuthema anregen wie ein Rückblick auf die Prüderie vergangener Jahrhunderte und Kulturen. Dabei ist auch Befremdliches und Skurriles versammelt wie eine Skulptur mit ausgeschlagenem Genitalbereich, der von steinewerfenden Pilgern verstümmelte Torso einer Venus oder die Merkzettelsammlung eines an Demenz erkrankten Mannes.

Der Schrank von Dichterfürst Friedrich Schiller vereint laut Tyradellis die Frage von Stolz und Scham, sagte Tyradellis. „Er wurde von KZ-Häftlingen nachgebaut und austauscht, weil die Nazis Angst hatten um das Möbel.“

Simona Block

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