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Per Videoschalte ins behütete Leben: „Herr der Diebe“ als Jugendtheater im Werk 2

Premiere Per Videoschalte ins behütete Leben: „Herr der Diebe“ als Jugendtheater im Werk 2

Aus einer überaus erfolgreichen Vorlage haben die jungen Schauspieler der Kulturfabrik Leipzig ihr durchaus eigenes Stück gemacht. Am Dienstagabend hatte das Jugendtheaterprojekt „Herr der Diebe“ im Werk 2 Premiere.

Pizzabande, von links: Scipio (Domenic-Tom Warschewski), Wespe (Martha Mellenetz), Bo (Anna Schreiber), Pera (Annalena Herold) und Bolla (Nea Silbermann).

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Auf dem Nachhauseweg aus dem Werk 2 offenbart sich vollends, wie sehr die eben zu Ende gegangene Vorstellung ihr überwiegend junges Premierenpublikum gefesselt hat. „Wusstet ihr schon, dass ich jetzt gern Pommes hätte?“ Der Satz dringt aus einem Zuschauerpulk hervor. „Wusstet ihr schon, dass ich keine Lust auf Schule morgen hab’?“, ist aus einer anderen Gruppe von Theatergästen zu vernehmen.

„Wusstet ihr schon ...“ – es ist der Running Gag, den Spielleiterin Susann Schreiber und Dramaturg Christian Hanisch zuvor in ihr Jugendtheaterprojekt „Herr der Diebe“ gewebt haben, eine Koproduktion von Werk 2 und Cammerspielen, deren Premiere die Gäste am Dienstagabend ausdauernd gefeiert haben. Monatelang haben die beiden Theaterpädagogen mit ihrem Ensemble aus 8- bis 16-Jährigen an einer eigenen Version von Cornelia Funkes mehrfach preisgekröntem und erfolgreich verfilmtem Jugendbuch gefeilt.

„Wusstet ihr schon, dass kalte Pizza nicht schmeckt und ungesund ist?“, besserwissert Wespe (Martha Mellenetz) aus der venezianischen Straßenkinderclique zu Beginn. „Wusstet ihr schon, dass man ein Buch, dem Seiten fehlen, überhaupt nicht mehr lesen kann?“, klagt sie bald darauf, nachdem Bo (hinreißend unbekümmert: Anna Schreiber) eine Kissenschlacht entfesselt hat. Und als Wespe einen Satz ein einziges Mal anders als sonst anfängt, ulkt Bolla (Nea Silbermann): „Wusstet ihr schon, dass Wespe Sätze auch anders als mit ,wusstet ihr schon’ beginnen kann?“

Niemand im Publikum will das Diebesgut kaufen

Die Geschichte um Scipio (Domenic-Tom Warschewski), den selbsternannten Herrn der Diebe, und seine Bande strafft die spielfreudige Gruppe auf eine knappe Stunde, ohne dass man Wesentliches aus dem Original vermisst. Lieber überzeugt das Ensemble mit feinen Regie-Ideen: Wenn Scipio heimlich sein behütetes Leben weiterlebt, dürfen ihn die Zuschauer dabei per Videoschalte beobachten. Erwachsene Figuren wie der Detektiv Getz und der geheimnisvolle Conte sind lediglich durch die sonore Stimme Johannes Gabriels präsent. Und das vermeintliche Diebesgut bieten die jungen Räuber so charmant wie erfolglos im Publikum feil.

Endgültig zu ihrem eigenen Stück machen die jungen Darsteller die Vorlage aber ganz am Schluss. Nachdem sich Scipio auf dem Karussell der Barmherzigen Schwestern in einen Erwachsenen verwandelt hat, schauen sie in ihre eigene Zukunft. Von einer teuren Villa in London, einer WG in Berlin, einem Bauernhof in Bayern, einer Kombüse im Hamburger Hafen ist da beispielsweise die Rede – wer weiß. Sicher ist indes: „Wusstet ihr schon, dass sie noch heute leben, wenn sie nicht gestorben sind?“

Weitere Aufführungen am Mittwoch, 19 Uhr, sowie am 7./8. Februar, jeweils 18 Uhr, Halle D (Werk 2, Kochstraße 132), Eintritt 9/5 Euro. Die Proben für das nächste Jugendtheaterprojekt der Kulturfabrik, „An der Arche um 8“, beginnen im Januar, Anmeldung: s.schreiber@werk-2.de.

Von Mathias Wöbking

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