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Personifizierter Traumzauberbaum: der wunderbare Nils Frahm im Schauspielhaus

Personifizierter Traumzauberbaum: der wunderbare Nils Frahm im Schauspielhaus

Die modischen Socken sollten niemanden blenden: Es waren vielmehr Nils Frahms Lieder, die am Sonntagabend im ausverkauften Schauspielhaus die Zuschauer mit offenen Augen haben träumen lassen.

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Nils Frahm, wie er im Schauspielhaus die Tiefe seiner Klangwelten auch körperlich nachempfindet.

Quelle: Stefan Fischer

Nils Frahm macht es einem schon nicht leicht. Als überraschender Solokünstler am Klavier in den letzten Jahren zum Kritiker- sowie Publikumsliebling in aller Welt herangewachsen, drückt man ihm, um Erfolg und Wesen Frahms nur irgendwie erklären zu können, möglichst viele Stempel auf. Die Kategorie der Neoklassik bedient er beispielsweise, ist beinahe ein Schulbeispiel für modernen Crossover. Doch was man trotz all dieser schlau klingenden Schubladen dennoch nicht fassen kann, ist seine damit beschriebene Musik selbst. Immerhin: Ein Bild kann man sich davon machen. So wie am Sonntag. Da nämlich trat der Produzent und Komponist Frahm im Schauspiel Leipzig auf und zog jeglichen Liebhaber progressiver Klavierklänge vor die große Bühne des ausverkauften Theaters.

Das liegt auf den ersten Blick sicherlich nicht einzig in der Musik begründet. Einnehmend adrett ist er, der Mann, der an diesem Abend in modischen Socken über den Boden tapst und dessen Augen so strahlen, dass sich junge Damen wünschen, sie würden keck zwinkernd zum gemeinsamen Eis eingeladen, während die Generation der Schwiegermütter darin den eindeutigen Beweis für hübsche Enkelkinder zu entdecken meint.

Legt er allerdings seine Finger auf die Tasten eines Klaviers, erklärt sich der die Massen anziehende Zauber seines Schaffens von ganz allein. Frahm demonstriert mit seinen Arrangements eindrücklich die Vereinbarkeit von Klassik, Pop und Elektro. Aufgrund ihrer Zugänglichkeit lassen sie die Grenzen der Genres mit Leichtigkeit verschwimmen und ziehen seine Bemühungen um musikalische Feinfühligkeit selbst dann nicht ins Lächerliche, wenn Klobürsten zum Einsatz kommen, um mit Hilfe seines Sammelsuriums an Instrumenten den Tönen neue Formen zu geben. Darin geht er merklich auf und scheut keinerlei Anstrengung, um auch noch den Stempel "perfekt" einholen zu können. Da reckt er sich eben - nach dem Synthesizer fassend - wie eine nach den Sternen greifende Ballerina oder buckelt sich gleich einer Katze ein, die Tiefe seiner eigenen Klangwelten nachempfindend.

Das Ergebnis all dessen sind ätherische Lieder, die, so pathetisch das nun klingen mag, mit offenen Augen träumen lassen; so als wäre der in Berlin lebende Frahm der personifizierte Traumzauberbaum und seine Stücke die Blätter dazu. Sie sind traurige Vergangenheit. Warmer Sommerregen. Gemeinsames Lachen. Und einfach nur schön. Weil sie nicht lediglich den Raum erfüllen, sondern gleichermaßen den Geist und Körper aller, die sie hören.

Vielleicht ist es gerade diese Vielschichtigkeit der Musik Nils Frahms, die dazu verführt, in Kategorien denken zu wollen. Das, was das eigene Wesen so sehr zu verwirren vermag, will man lieber konkretisieren, bevor sich vollständig darin verloren wird. Dass das hingegen der halbe Spaß an der ganzen Sache ist, wird darüber allzu leicht vergessen und führt wiederum zu der Einsicht, dass Nils Frahm nichts anders als mit den Worten "Das ist eben Nils Frahm!" beschrieben werden sollte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.03.2014
Anne-Sophie Kretschmer

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