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Platter Fürst: Armin Rohde als ausgebrannter Bürgermeister in einer lauen ARD-Tragikomödie

Platter Fürst: Armin Rohde als ausgebrannter Bürgermeister in einer lauen ARD-Tragikomödie

Mit 50 plus kann sich ein Mann schon einmal eine Lebenskrise gönnen. Früher nannte man das Midlife-Crisis, heute ist gleich von Burnout die Rede. Richtig ausgebrannt ist im ARD-Film „Unverschämtes Glück“ der bullige Johannes Größt (Armin Rohde), seines Zeichens Oberbürgermeister, der zunehmend erschöpft und lustlos seinen Job in einer mittelgroßen Stadt verrichtet und am liebsten alles hinwerfen würde.

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Armin Rohde spielt Oberbürgermeister Johannes Größt.

Quelle: Britta Pedersen (Archivfoto)

Doch als Vollblutpolitiker kommt für ihn, der sich zudem aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet hat, so etwas nicht infrage. Das wäre ja Fahnenflucht, vor allem so kurz vor den anstehenden Neuwahlen, die er gegen einen jüngeren Gegenkandidaten zu verlieren droht. Zudem hat Größt einen windigen Fraktionsvorsitzenden im Nacken, eine Art Provinz-Mephistopheles, den Alexander Held so wunderbar verkörpert, dass an dieser Darstellung Herbert Wehner seine Freude gehabt hätte. Und auch privat läuft bei ihm nicht alles bestens. Seine Frau (Katja Flint) ist es langsam leid, immer nur auf ihre Repräsentationspflichten als OB-Gattin reduziert zu werden und dabei auch noch irgendwelche karitativen Aufgaben zu übernehmen, beispielsweise die Unterhaltungsdame für einsame alte Männer im Altenheim zu spielen. Für Männer, die in Wirklichkeit echte Stinkstiefel sind und bei ihren regelmäßigen Besuchen in Wahrheit lieber weiter fernsehen.

Überhaupt fällt die Bilanz ihrer Ehe verheerend aus. So hat sie darüber im letzten halben Jahre heimlich Buch geführt – mit dem Ergebnis, dass sie in 180 Tagen 170 Oberhemden gewaschen und gebügelt, an zig Veranstaltungen ihres Mannes teilgenommen und in dieser Zeit nicht einmal Sex mit ihm gehabt hat. Stattdessen wird sie inzwischen von nervigen Allergien geplagt und ist einfach nur noch schrecklich frustriert.

Das alles klingt natürlich sehr ernüchternd und nach einem mittelschweren Drama, das sich so oder so ähnlich im realen Leben leider wohl nicht nur im Politikbetrieb abspielen könnte. Aber da Größt und seine Frau von zwei sehr guten Akteuren verkörpert werden, taugt diese allzu menschlich tragische Geschichte durchaus für einen interessanten Film. Obwohl hier vielleicht doch zu viele Themen gleichzeitig angesprochen werden. Aber das ist leider nicht die größte Schwäche dieses von Hartmut Schoen inszenierten und geschriebenen Dramas. Sie liegt in der vermutlich beabsichtigten satirischen Überspitzung einzelner Szenen und Vorfälle, die dem Film dann aber nicht nur die nötige Glaubwürdigkeit raubt, sondern auch ziemlich witz- und mutlos daherkommt. Das geschieht besonders im zweiten Teil, in dem fleischgewordene Karikaturen auftreten. Wie beispielsweise eine Praktikantin (Lore Richter) des Bürgermeisters, die ihrem Chef im kürzesten Röckchen sexsüchtig oder karrieregeil nachstellt und dabei ziemlichen Unsinn von sich gibt.

Genauso albern und unglaubhaft agiert in dem Film eine Gruppe von Tierschützern, die zornig gegen geplante „Hühnerfabriken“ demonstriert und dabei stümperhaft wie eine schlechte Laienschauspielschar auftritt. Und selbst ein schlimmer Verkehrsunfall, der fast Größts Karriere beendet, sieht aus wie aus einem billigen Actionfilm.

So weiß man oft beim Zuschauen nicht, ob die Geschichte wirklich ernst gemeint ist. Was angesichts der sehenswerten Leistung des überwiegend guten Ensembles und auch angesichts des eigentlich interessanten Themas des Films jammerschade ist.

Ernst Corinth

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