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"Politik geht jeden an" - Yoko Ono

#Pressefreiheit "Politik geht jeden an" - Yoko Ono

am 3. Mai in der Leipziger Volkszeitung

Yoko Ono zum Interantionalen Tag der Pressefreiheit: „free you, free me, free us, free them“.

Quelle: LVZ

Leipzig. Die Leipziger Volkszeitung und zahlreiche weitere Tageszeitungen erscheinen am 3. Mai in Deutschland mit einer Titelseite, die die japanisch-amerikanische Künstlerin und Kunstaktivistin Yoko Ono gestaltet hat. Sie alle wollen mit dieser vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) angestoßenen Aktion ein Zeichen zum Internationalen Tag der Pressefreiheit setzen, der am 3. Mai weltweit begangen wird. „Free you, free me, free us, free them“, lautet die Botschaft der Witwe von Beatle John Lennon.

Die Wahrheit geht manchmal unter...

Von Jan Emendörfer

In der Ausgabe vom 19./20. November 1988 erschien in der LVZ unter der Überschrift „Mitteilung der Post” eine Neun-Zeilen-Meldung, mit der das Postministerium mitteilte, dass die Zeitschrift „Sputnik” von der „Postzeitungsliste gestrichen worden” ist. Was ein wenig nach Verwaltungsakt klang, hatte klare politische Hintergründe: In einer großen Artikelfolge hatte der „Sputnik” begonnen, schonungslos die Verbrechen des Stalinismus mit seinen Millionenopfern aufzuarbeiten. Der DDR-Leser des beliebten sowjetischen Auslandsjournals sollte jedoch keinesfalls von Zweifeln am System beschlichen werden, deshalb musste der „Sputnik” weg.

Als Studenten an der Fachschule für Journalistik in Leipzig unterschrieben wir einen kleinen Protestbrief. Die Angst vor der Exmatrikulation schrieb mit. Eine Antwort kam nie und der „Sputnik” erst im Wendeherbst 1989 zurück. So funktionierte Pressefreiheit in der DDR. Daran einmal zu erinnern muss an einem Tag wie heute, dem Internationalen Tag der Pressefreiheit, gestattet sein. In unserer Zeit, da jeder im Internet alles schreiben kann, was die Welt aus seiner Sicht erfahren muss, haben wir in den demokratisch organisierten Gesellschaften ein Maß an Meinungs- und Pressefreiheit erreicht, das es so nie zuvor gegeben hat. Darauf aufmerksam zu machen, welch hohes Gut wir damit besitzen, dazu ist unsere heutige Titelseite angetan, die von der Künstlerin Yoko Ono gestaltet wurde. Diese optische Provokation soll mahnen, dass Pressefreiheit sich nicht per Verordnung von selbst vollzieht, sondern permanent neu eingefordert werden muss. Der Spielraum für Journalisten wird immer enger. Nicht nur Diktatoren, auch demokratisch gewählte Politiker und Wirtschaftslenker bringen Medien in Bedrängnis, kritisiert die Organisation Reporter ohne Grenzen. In ihrem jüngsten Bericht rangiert Deutschland auf Platz 16 im Ranking zu den Arbeitsbedingungen von Journalisten weltweit. Nicht gerade eine Spitzenposition, wie sie etwa Norwegen, Schweden und Finnland innehaben.

Deshalb sei an diesem Tag auch an den Satz von Rosa Luxemburg (1871–1919) erinnert, wonach „Freiheit immer Freiheit der Andersdenkenden” ist. Das versuchten DDR-Bürgerrechtler ebenfalls 1988 auf einer Kundgebung zu Ehren Liebknechts und Luxemburgs in Berlin plakativ herauszustellen. Doch so weit ging die Freiheit nicht. 70 Aktivisten wurden von der Stasi verhaftet.

Die „Andersdenkenden”, das sind heute vielleicht auch die LVZ-Leser, die unlängst auf fast einer ganzen Zeitungsseite die „Haltung der Bundesregierung, der Regierung Trump und der deutschen Medien” im Zusammenhang mit dem Giftgasanschlag in Syrien kritisierten. Nach wie vor ist nicht geklärt, wie es dazu kam und wer die Verantwortung dafür trägt. Das nicht herausfinden zu können zeigt auch etwas von der gelegentlichen Ohnmacht der Medien oder wahlweise von der Allmacht der Geheimdienste. Aber auch in diesem Fall dürfte am Ende das Sprichwort von der Wahrheit gelten: „Sie geht manchmal unter, aber sie ertrinkt nicht.”

Yoko Ono - Beatle-Witwe und hoch geschätzte Künstlerin

Im Grunde ist es ganz simpel. „Einfach, dass du tun kannst, was du willst“, antwortet Yoko Ono auf die Frage, was Meinungsfreiheit für sie bedeutet. Die 84-jährige weltweit hoch geschätzte Künstlerin setzt sich seit jeher für Menschenrechte, Frieden und Freiheit ein – wer also wäre besser geeignet als die Witwe von Beatle John Lennon, wenn es um ein kraftvolles Signal für die Freiheit des Journalismus geht? Die Wahl-New-Yorkerin war die Wunschkandidatin, als der Bund deutscher Zeitungsverleger (BDZV) nach einer Botschaft für seine Aktion zum Tag der Pressefreiheit zu suchen begann. „Ehrlich gesagt war es meine Idee, aber viel Hoffnung, dass das klappen würde, hatte ich zunächst nicht“, sagt BDZV-Sprecherin Anja Pasquay. Dennoch setzte sie eine Kollegin darauf an, Kontakt zu Yoko Onos Umfeld herzustellen.

Und schon kurz darauf kam die ebenso erfreuliche wie knappe Antwort: Ja, Yoko Ono sei dabei und werde einen Beitrag liefern.

Geschaffen hat sie eine Botschaft aus nur acht Wörtern, die gerade durch ihren Minimalismus enorme Kraft entfaltet. Und das umso mehr, als sie heute bundesweit auf unzähligen Titelseiten von Tageszeitungen prangt. „free you, free me, free us, free them“ steht dort – befreien wir uns selbst und dann die, die es selbst nicht können.

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