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Post-Metal und Post-Bier: Neurosis dröhnen im UT Connewitz

Konzert Post-Metal und Post-Bier: Neurosis dröhnen im UT Connewitz

Rückkopplungen haben den Tontechniker am Montagabend im UT Connewitz kalt gelassen. Und auch das Publikum im ausverkauften Saal zuckte nicht nervös, sondern saugte den Krach genießerisch ein – die Post-Metal-Ikone Neurosis ist mal wieder in ihrem ausverkauften Leipziger Lieblingsclub aufgetreten.

Dem Genre „Shoegazing“ sind Neurosis sichtlich auch nicht fern: Steve Von Till, Scott Kelly und Dave Edwardson im UT Connewitz.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Die Welt zu erschüttern und den Punk zu retten, formierte sich ab Anfang der 80er Jahre Hardcore. In Oakland, Kalifornien, schlugen ab 1984 zunächst auch Neurosis diesen Weg thrashlastig ein, bei Erscheinen ihres Debüts 1988 waren die neuralgischen Punkte der Bewegung bandtechnisch aber bereits besetzt. Neurosis entwickelten sich weiter, um fortan selbst auf anderem musikalischem Felde Pioniere zu werden. Langsamer und düsterer wurde der Sound, fand im Oberbegriff Post-Metal einen Namen, um sogleich spezifiziert zu werden mit Begriffen wie Doom, Ambient, Progressive Rock, Sludge/Tribal und Drone-Sound. Dieses Gebräu, dargeboten von den Meistern höchstselbst, konnte am Montagabend im seit Wochen ausverkauften UT Connewitz konsumiert werden.

Noch locker stehend lässt man sich zunächst von Tesa aus Riga mit brachialem Instrumental-Post-Rock bedröhnen, der für ein Trio beeindruckend dichte Soundflächen liefert. Wie später bei Neurosis mischen sich ins Handgespielte atmosphärische Samples und beabsichtigtes Rückkopplungsrauschen, welches woanders sofort den Finger des Tontechnikers nervös zucken ließe, hier aber genießerisch eingesogen wird.

Der Bassist für die ganz tiefen Grunzer

Nach Tesa füllt sich der Saal. Dafür, dass es die punktypischen Verbalausfälle gegen Hippies von Neurosis-Sänger und Gitarrist Scott Kelly bis auf Wikipedia geschafft haben, finden sich dennoch einige, denen man optisch durchaus friedliebende Spiritualität, Naturverbundenheit und Kammantipathie andichten möchte. Das liegt wohl an den, wenn auch laut verpackten, Ambient-Einflüssen. Für eine berühmte Band in ausverkauftem Haus ist der Anfang recht unprätentiös: Instrumente werden selbst eingerichtet, dann ein Wink zum Tonmann und los geht es.

Trotz brutal-harter Stromgitarrenwände liefern Neurosis eher Musik zum Stehen, zumindest vom Nacken abwärts. Brachialst entschleunigt berauschen sich viele mit geschlossenen Augen an atmosphärischem Lärm fern jeder Romantik. Die Varianzspanne der Songs ist nicht die üppigste: Atmo-Sample, langsame Melodiegitarre, die vom verzerrten Akzentbrett und laut geröhrtem Wechselgesang zwischen Kelly und Steve Von Till abgelöst wird. Für die ganz tiefen Grunzer hilft Bassist Dave Edwardson. Das Publikum begleitet alles sehr wohlwollend, aber nicht frenetisch. So lässt es sich im randvollen UT in punkto Hitze, Gedränge und olfaktorisch aushalten.

Thrash und Hardcore haben Neurosis abgelegt, für Metal aber findet sich
wiederum recht wenig Bierseligkeit im Saal. Es ist ja auch Post-Metal, und Club Mate ist dann wohl Post-Bier. Vielleicht ist aber auch Montag nicht der klassische Biertag.

Von Karsten Kriesel

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