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Power, Beauty, Riot: Neue Leipziger Band Shed Ballet stellt sich im Conne Island vor

Debüt-EP Power, Beauty, Riot: Neue Leipziger Band Shed Ballet stellt sich im Conne Island vor

Gut zwei Jahre haben sie sich im Proberaum Zeit gegeben. Jetzt haben Shed Ballet mit Produzent Joe Haege von White Wine ihr Debüt-Album aufgenommen – und präsentieren es am Donnerstag live im Conne Island, bevor dort auch White Wine und Skeletons eine neue Platte feiern.

Man kennt sie aus Gruppen wie Make New Maps und L.A. Love: Hannah Becker, Kerstin Peupelmann und Doris Riedel von Shed Ballet.

Quelle: Klaus Nauber

Leipzig. Hübsch haben es die drei Musikerinnen von Shed Ballet. Zum Interview bitten sie in einen üppig bewachsenen Hof hinter einem unsanierten Altbau. Tisch und Gartenmöbel sind etwas in die Jahre gekommen, der Korb mit verschiedenen Weinen und Bier sieht aus wie aus einem französischen Film geborgt. Vollkommener Charme des Unperfekten.

Stimmung ist den dreien wichtig. Dafür muss sie keiner befragen, das erzählen die sechs Songs der Debüt-EP selbst. Gleich im Opener „Distance“ geht’s um Liebe und Abstand, „I keep my distance from you“ im Reim mit „I’m so in love with you“. Aus solchen Zeilen entsteht großer Pop – oder peinlicher Schlager. Sängerin Hannah Becker ist sich „tatsächlich beim Einsingen im Studio unsicher.“ Joe Haege sitzt an den Reglern und empfiehlt mit Nachdruck, das Stück genauso zu singen wie geplant – mit Mut zu Melodie und Melancholie.

Recht so, denn vor dem Kitsch bewahrt sich das Trio schon durch die Besetzung. Gitarre, Orgel, Schlagzeug – und Letzteres ohne Bleche. Kerstin Peupelmann mag eigentlich nur den Sound der Hi-Hats nicht. Sie lässt probeweise auch die Becken weg, und ihr gefällt’s: „Zu unserer Musik passen diese Beats, die eher in die Marschrichtung gehen.“ Not und Tugend: Denn Peupelmann hat als versierte Gitarristen in verschiedenen Bands gespielt und die Saiten extra für Shed Ballet gegen die Töpfe mit Fellen getauscht.

Nix mehr mit LalaLiebe

So was braucht Zeit – in diesem Fall gut zwei Jahre im Proberaum. Nun spielt sie diesen eigentümlichen Drum-Stil, eine Kreuzung aus monotonen Beats wie beim Techno und wilden Figuren aus dem Psycho-Rock. Das gibt den Songs eine Schwere. Ständig steigen Spannungsbögen bis zum Anschlag, nie löst sich eine Nummer in klaren Rock ’n’ Roll auf.

In drei Tagen spielt die Band ihre EP im Studio ein. Lange Tage mit viel Rotwein, bis in die Nacht. Denn Joe Haege nimmt sich die Zeit für die technischen Feinheiten. Bei „Power And Beauty“ sitzt jedes Gitarren-Feedback, Trommeln und Orgel wuchten die Mainstream-Pop-Melodie von Hannah Becker zurück zur Erde. Hier ist auch nix mehr mit LalaLiebe. „Call me riot“, ruft die Sängerin. Und das ist erst Track 2. Die Mammut-Nummer „Summer Went By“ klingt über 6:22 Minuten Laufzeit wie eine fein produzierte Live-Orgie. Doris Riedel startet mit dem Gesang – wiederholt über 40 Sekunden einen Vierzeiler. Die angedeutete Hook singen Riedel/Becker in einer Art Kanon. Ein eindringliches Stück Minimal-Avantgarde-Pop.

Kaum sind die sechs Songs im Kasten, folgt die Leere. „Plötzlich fühlt sich das an wie in Stein gemeißelt“, sagt Kerstin Peupelmann. Dann die Fragen: Ist das gut? Soll das nach draußen oder doch lieber im Proberaum bleiben? Oder in gemütlichen Clubs? „Das war nicht einfach, hat weh getan“, sagt die Drummerin.

Raus aus der Komfortzone

Vielleicht liegt das daran, dass bei den früheren Projekten der drei (die Musikerinnen spielten unter anderem bei der Artrock-Band Make New Maps) regelmäßig andere prägende Persönlichkeiten im Vordergrund standen. Nun entscheiden sie selbst. Gemeinsam. Das bringt viele Diskussionen – oft mahnen die drei sich gegenseitig, weniger zu spielen. Und es dauert, aber offenbar macht’s glücklich. Eines ist klar für Shed Ballet: „Wir bleiben zu dritt.“ Allerhöchstens würden die drei sich einen Männerchor für den Background einladen – und natürlich klar sagen, wo es musikalisch langgeht. Doch das ist Zukunftsmusik.

Jetzt geht’s erstmal raus. Aus dem Proberaum, aus der Komfortzone der Hinterhof-Idylle. Das Konzert am Donnerstag ist schon vorab eine Zäsur – die große Bühne im Conne Island, die Präsenz in Ticketportalen (wo Shed Ballet ziemlich schräg als „fesche Mädels“ angekündigt werden) und die Aufmerksamkeit durch internationale Bands (White Wine, Skeletons) im Hauptprogramm. Das ist der Anfang. In zwei Wochen folgt ein Termin in Ilses Erika, ab Herbst geht’s übers Land.

Shed Ballet mit neuer EP Donnerstag, 21 Uhr, im Conne Island (Koburger Straße 3) zum Record-Release der Sekeltons mit White Wine und am 1. Juli, 22 Uhr, mit Kikagaku Moyo im Tanzcafé Ilses Erika (Bermhard-Göring-Straße 154)

Von Uwe Schimunek

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