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Premiere der Leipziger Filmgroteske „Der schwarze Nazi“ in den Passage-Kinos

Low-Budget-Produktion Premiere der Leipziger Filmgroteske „Der schwarze Nazi“ in den Passage-Kinos

Am Freitag ist es endlich soweit: Der Spielfilm „Der schwarze Nazi“ feiert in den Passage-Kinos seine offizielle Premiere. Im Februar gab es schon zwei gut besuchte Vorführungen für das Team und die vielen Unterstützer des Langzeitprojekts.

Dreh in Leipzig: Filmemacher Tilmann (mit Kamera) und Karl-Friedrich König (mit gespitzter Zunge) mit Crew und Hauptdarsteller Aloysius Itoka (rechts).

Quelle: 2Könige Film GbR

Leipzig. Vor zehn Jahren haben Tilman und Karl-Friedrich König die Groteske um den Kongolesen Sikomoya, der sich in einen Nazi verwandelt, bereits einmal als rauen Nobudget-Kurzspielfilm auf die Leinwand gebracht. Damals noch mit ihrer studentischen Filmgruppe Cinemabstruso, jetzt unter dem Label 2Könige und mit einer zumindest teilweise professionellen Crew und echten Schauspielern wie Aloysius Itoka (Sikumoya) oder Bernd-Michael Baier vom Ensemble des Leipziger Schauspielhauses, der den Anführer der Nazi-Partei NPO gibt. Auch die Reality-TV-Skandalnudel Melanie Müller hat einen Gastauftritt als blonde Nazibraut.

Für einen anderthalbstündigen Kinofilm ist das Budget mit weniger als 100 000 Euro immer noch lächerlich gering. Ohne eine große Menge freiwilliger Helfer, Praktikanten und Komparsen wäre die Produktion nicht möglich gewesen, berichtet der 33-jährige Karl-Friedrich König. Nach den Dreharbeiten im August 2014 sowie mehreren Nachdrehs im September und Dezember haben die König-Brüder viel Zeit mit dem Schnitt zugebracht. Das letzte halbe Jahr hat vor allem die Audiomischung und die Fertigstellung der Filmmusik in Anspruch genommen.

Als das Filmteam im Sommer 2014 auf dem Lindenauer Markt eine Kundgebung der NPO inszenierte, befand sich unweit davon in der Odermannstraße noch das Leipziger Büro der echten NPD. Diese Partei ist mittlerweile mehr oder weniger in der Bedeutungslosigkeit versunken, dafür hat die „Alternative für Deutschland“ bei Landtagswahlen einen beispiellosen Siegeszug angetreten. Regelmäßig gehen zudem in Dresden, Leipzig und anderen sächsischen Städten „Asylkritiker“ unter dem Pegida- und Legida-Label auf die Straße.

Besorgte Bürger am Wutmikrophon

Überholt ist der Film dadurch aber bei weitem nicht. Zwar spielt die Nazi-Clique, die den schwarzen Integrationsbeauftragten Sikumoya für einen Imagewandel einsetzen will und dabei ihr blaues Wunder erlebt, eine wichtige Rolle. Aber auch die „besorgten Bürger“ haben schon einen Auftritt am „Wutmikrophon“ – wenn auch nicht in solchen Größenordnungen wie mittlerweile an Montagen üblich. Eine bemühte Imagekampagne mit dem Titel „Sachsen International“ erinnert an die gerade hoch umstrittene „So geht sächsisch“-Initiative der Staatsregierung. Und die Fragen nach der Bedeutung von Integration und deutscher Identität, mit denen sich der Film auseinandersetzt, sind inzwischen wahrscheinlich noch aktueller als vor zwei Jahren. „Wir waren schon 2014 sehr nah dran an der heutigen Situation“, meint Drehbuchautor und Regisseur König.

Das sieht offenbar auch der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse so. Der SPD-Politiker hat die Schirmherrschaft für den Film übernommen. Die beiden Könige erhoffen sich dadurch insbesondere eine rege Beteiligung von Bundes- und Landespolitikern bei den im Rahmen der nicht-kommerziellen Aufführungen in soziokulturellen Zentren und Schulen geplanten Diskussionsrunden. Zunächst stehen aber die Kinopremieren in Leipzig, Dresden (am kommenden Pegida-Montag) und in Berlin (am 12. April) an. Dabei werden die Macher und die Hauptdarsteller jeweils vor Ort sein. In Leipzig folgen noch weitere Termine in verschiedenen kleineren Lichtspielhäusern.

Budget per Crowdfunding

Den Vertrieb des Films haben die König-Brüder in bewährter Weise selbst organisiert. Zwar gab es auch ein Angebot von einem kommerziellen Verleih. „Aber wir wollen selbst in der Hand haben, wo und wie der Film gezeigt wird“, so Karl-Friedrich König. Dabei können sie auf die Unterstützung einer treuen Gefolgschaft zählen. Der Ticketverkauf läuft teilweise über eine Crowd­funding-Kampagne. Bereits ein Teil des Budgets für die Dreharbeiten war auf diese Weise zusammengekommen. Für die Vorstellung heute gibt es nur noch wenige Restkarten an der Abendkasse.

„Der schwarze Nazi“, Premiere Freitag, 20 Uhr, Passage-Kinos (Hainstraße 19a). Weitere Termine: Sonntag, 17 Uhr, Dienstag, 19 Uhr (Passage), Mittwoch, 20 Uhr (Luru-Kino, Spinnereistraße 7), Donnerstag, 22 Uhr (Cineding, Karl-Heine-Straße 83); www.derschwarzenazi.de; www.visionbakery.com/schwarzernazi-Kino

Von Frank Schubert

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