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Premiere geplatzt: Leipziger Schauspiel-Chef Lübbe gegen Schweine-Zerteilung

Premiere geplatzt: Leipziger Schauspiel-Chef Lübbe gegen Schweine-Zerteilung

Wenn das Schauspiel Leipzig zum Heimatabend unter dem Titel „Welcome to Germany“ lädt, kann man davon ausgehen, dass das nicht nur gemütlich wird. Die Berliner Performance-Künstler von Monster Truck inszenierten als Gastspiel Folklore mit grausamer Kehrseite.

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Folklore à la Monster Truck: "Welcome to Germany" im Schauspiel Leipzig.

Quelle: Rolf Arnold Schauspiel Leipzig

Leipzig. Sie wollten dabei ein Schwein auf offener Bühne zerlegen. Intendant Enrico Lübbe verschob vergangene Woche die Premiere auf den 29. April – und ließ sie jetzt endgültig platzen.

Am Dienstagabend gab es ein Krisengespräch mit den Monster Truckern. Eine Woche sollten die Berliner nutzen, um ihr Stück umzubauen. Die Zeit war knapp, weil das Ensemble zwischendurch noch beim Münchner Festival „Radikal Jung“ mit einer anderen Produktion auf Tour waren. Dienstag war für Lübbe klar: So geht es nicht, Kadaver auf der Bühne findet er inakzeptabel.

Nach Informationen von LVZ-Online gab es zwar Überlegungen, die Inszenierung ohne die Schweine-Sequenz zu zeigen – dafür 20 Minuten Leerlauf im Stück plus Erklärung, warum die Zerteilung nicht gezeigt wird. Doch das wurde offenbar genauso verworfen wie die Idee, dass sich das Schauspiel Leipzig mit Aufstellern von der Kooperation zur Inszenierung distanziert.  Die für Mittwoch geplante Premiere ist endgültig abgesagt, insgesamt fünf „Heimatabende“ fallen aus. Bereits gekaufte Karten werden an der Theaterkasse erstattet, teilte das Schauspiel mit.

Bierzeltatmosphäre und Gewalt

Die Entscheidung bahnte sich bereits in der Generalprobe am vergangenen Dienstag an. Alles schien bereit für die Premiere am 23. April: Monster Truck arbeitete in der Spielstätte Residenz auf dem Gelände der Baumwollspinnerei in Leipzig-Plagwitz an der Aufführung von „Welcome to Germany“. Das Stück ist in der ehemaligen „Colonia Dignidad“ in Chile angesiedelt. Bierzeltatmosphäre sollte die Zuschauer empfangen. Doch die volkstümliche Idylle in der „Villa Baviera“ ist nur dünn über die Menschenrechtsverletzungen, Fremdenfeindlichkeit und Kindesmissbrauch getüncht. Die Verstrickungen ins Pinochet-Regime wirken nach.

„Schwierige Bildsprache“

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Leipzigs Schauspiel-Intendant Enrico Lübbe.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Viel Zündstoff, mitunter wenig Worte: In einer mehr als halbstündigen Sequenz wurde das Zerteilen eines Schweines schweigend zelebriert. „Ich halte diese Bildsprache für schwierig“, sagte Lübbe am Dienstag gegenüber LVZ-Online. Vielleicht spielt dabei auch eine Rolle, dass das Schauspiel schlechte Erfahrungen gemacht hat. Zum Ende der Hartmann-Ära schob das Veterinäramt der Verwendung von Tierteilen in Hermann Nitschs blutigem Mysterien-Gastspiel einen Riegel vor. Doch die Vergleiche zu Hartmann hat Lübbe satt. „Das hat mit Lübbe oder Hartmann nichts zu tun“, sagt er.

Tatsächlich habe der Theaterchef in der Generalprobe zum ersten Mal die Kadaver zu sehen bekommen. „In dieser Form hatte die Performance noch nicht stattgefunden. Man muss sich das bei den Performance-Gruppen wie Monster Truck so vorstellen: Es gibt sehr viel ‚Work in Progress’“, so der Intendant. „Und gerade über diese Szene hatte die Gruppe auch diskutiert, wie wir dann erfahren haben.“ Dass er grundsätzlich dem Leipziger Publikum solche Szenen auf der Bühne nicht zumuten will, lässt Lübbe nicht stehen: „Das ist eine sehr theoretische Frage“, sagt er.

Evelyn ter Vehn

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