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Puppenspieler Nikolaus Habjan mit vier Stücken bei der Leipziger Euro-Scene

Ausnahmekünstler aus Österreich Puppenspieler Nikolaus Habjan mit vier Stücken bei der Leipziger Euro-Scene

Er ist Puppenbauer und -spieler, Regisseur, Darsteller – und Kunstpfeifer: Vom jungen österreichischen Künstler Nikolaus Habjan werden gleich vier Stücke bei der Leipziger Euro-Scene gezeigt. Insgesamt sind bei dem Tanz- und Theater-Festival vom 8. bis zum 13. November 13 Gastspiele aus 10 Ländern zu erleben.

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Von der Compagnia Zappalà Danza aus Sizilien ist „I am beautiful“ zu sehen.

Quelle: Giuseppe Distefano

Leipzig. 29 Jahre ist er erst alt, gefeiert von Feuilleton und Publikum, zudem mit Preisen dekoriert. Es ist nicht einfach, Nikolaus Habjan zu bekommen, der zuletzt vier große Bühnen in Wien bespielt hat. Ann-Elisabeth Wolff, Direktorin der Euro Scene, ist es gelungen. Man habe ihn in einer Phase für das Leipziger Tanz- und Theater-Festival verpflichtet, als er noch auf dem Sprung war, sagte sie am Mittwoch bei der Vorstellung des Programms. Ein Volltreffer. Nun wird bei dem vom 8. bis zum 13. November stattfindenden Festival eine Werkschau mit vier Stücken des Ausnahmekünstlers zu sehen sein. Insgesamt sechs Mal tritt er auf. „Der darf nicht krank werden“, stellt Wolff dazu fest.

Habjan ist Puppenbauer und -spieler, Regisseur, Darsteller – und Kunstpfeifer, was er in einem Porträtabend unter Beweis stellen wird. Die Stücke des Österreichers erschüttern, schmerzen, ziehen magisch an. Der Österreicher arbeitet mit lebensgroßen Klappmaulpuppen, die Schauspieler auf der Bühne führen. Ein Verfremdungseffekt, der merkwürdigerweise nicht Distanz, sondern noch mehr Nähe erzeugt. Die 26. Euro-Scene wird eröffnet mit seinem Stück „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“, das Euthanasie-Verbrechen in Wien thematisiert. Zu sehen ist außerdem das von Habjan inszenierte Camus-Drama „Das Missverständnis“, ein Gastspiel des Volkstheaters Wien, dann das Puppentheaterstück „Schlag sie tot“, mit Liedern von Georg Kreisler und schließlich Habjans Musiktheaterstück „Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus“. Der Titel, eine Textzeile aus einem von Franz Schubert vertonten Gedicht Gabriel Seidls, gibt nebenher das Motto des diesjährigen Festivals ab.

Suche, Wanderung, Verlust von Heimat – um diese Themen kreisen, mal näher, mal weiter, die 13 Gastspiele aus 10 Ländern. Auf dem Programm stehen insgesamt 22 Vorstellungen in 8 Spielstätten, darunter sind 6 Deutschlandpremieren. Das Spektrum umfasst Tanz-, Sprech- und Figurentheater, Performances und zwei Stücke für Kinder.

Fast alles neu

Während beim Jubiläumsjahrgang noch einmal jene Gäste zu erleben waren, die das Festival in 25 Jahren prägten, ist diesmal fast alles neu. Bis auf den flämischen Choreografen Jan Martens, der zwei Tanzsoli zeigt und einen Workshop gibt, sind nur Compagnien zu Gast, die erstmals in Leipzig auftreten. Im Bereich des Tanzes sind unter anderem das den Körper feiernde und in Frage stellende „I am beautiful“ der sizilianischen Compagnia Zappalà Danza und Tanzstücke von Ferenc Fehér aus Budapest zu erleben.

Ein Performance-Projekt des Theaters tanzSpeicher aus Würzburg setzt so ziemliche alle Konventionen im Verhältnis zwischen Darstellern und Zuschauern außer Kraft. Beim Stück „room service®“ finden in Zimmern des Inter City Hotels Leipzig Aufführungen für jeweils ein bis zwei Zuschauer statt. „Kosovo for Dummies“ von Jeton Neziraj aus Prishtina mit der Schweizer Compagnie forever productions beschäftigt sich mit dem Thema Migration – „überaus humorvoll“, wie die Festivaldirektorin betont.

Ein Stück, das keiner mag, hat auch diesmal im Vorfeld stattgefunden: das mühsame Zusammenbringen des Budgets, das 2016 bei 592 000 Euro liegt. Den Hauptanteil steuert seit dem Ausstieg des Hauptsponsors BMW mit 300 000 Euro die Stadt Leipzig bei, „verlässlich“, wie Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke betont. 180 000 Euro kommen von der Kulturstiftung des Freistaats. „Das ist nicht kongruent“, sagt Jennicke. Ein Satz, in dem sich sie Information versteckt, dass das gerne ein bisschen mehr sein darf.

26. Euro-Scene vom 8.-13. November, Karten ab 1. Oktober u.a. unter Tel. 0341 9800284; www.euro-scene.de

Von Jürgen Kleindienst

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