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Purple Schulz vor Leipziger Konzert: „Wer singen will, muss den Mund aufmachen“

Interview Purple Schulz vor Leipziger Konzert: „Wer singen will, muss den Mund aufmachen“

Purple Schulz ist eine Legende. Schon in der Band Neue Heimat hat er mit „Sehnsucht“ ein wahres Volkslied geschaffen. Schließlich schrie er es einem ganzen Volk aus der Seele. Am Sonntag ist der Mann wieder in Leipzig, in der Peterskirche. Um ganz besondere Momente zu kreieren. Ein Telefonanruf bei dem 60-Jährigen vorab.

Am Freitag erscheint sein neues Album, am Sonntag lässt er die Peterskirche leuchten: Musiker Purple Schulz, 60.

Quelle: Bettina Koch

Leipzig. Purple Schulz ist eine Legende. Schon mit der Band „Neue Heimat“, unter der Produzentenhand von Wolf Maahn, hat er mit „Sehnsucht“ ein wahres Volkslied geschaffen. Schließlich schrie er es einem ganzen Volk aus der Seele. Am Sonntag ist der Mann wieder in Leipzig, in der Peterskirche. Um ganz besondere Momente zu kreieren. Ein Telefonanruf bei dem 60-Jährigen vorab.

Guten Tag, Purple Schulz. Am Sonntag sind Sie mit dem Programm „Lichtblicke“ zu Gast in der Leipziger Peterskirche. Das Konzert findet im Rahmen der Nacht der erleuchteten Kirche statt. Was ist das denn konkret?

Das ist ein wunderbares Projekt eines befreundeten Veranstalters, der eine speziell auf meine Songs abgestimmte Multimedia-Inszenierung aus Licht, Projektionen und stimmungsvollen Lasereffekten in die Kirchen zaubert. Es wird eine spannende „Reise durchs Leben“ mit vielen Songs vom neuen Album, aber natürlich auch einigen Hits von damals. Und außerdem bietet mir der kirchliche Rahmen die Möglichkeit, vielleicht jemandem mal eine Predigt zu halten (lacht). Parallel zur regulären Tour „Der Sing des Lebens“ werde ich dieses Jahr in fünf Kirchen das Programm „Lichtblicke“ spielen. Diese Events sind etwas ganz Besonderes.

Sie sprechen von einer „Reise durchs Leben“ – darum ging es ja auch in Ihrem Buch. Wie muss ich mir denn Ihren Abend „Lichtblicke“ vorstellen? Kommen da, wie bei Heesters dazumal, all Ihre Wegbegleiter auf die Bühne? Das wäre ja ein Auflauf. Oder machen Sie es alleine?

Na, ich denke, das würde etwas teuer werden. Ich mache das natürlich nur mit meinem Gitarristen, und wenn Sie das neue Album gehört haben, werden Sie die Reise durchs Leben verstehen.

„Liebe ist das Allerwichtigste“

Ihre neue CD erscheint am Freitag und heißt „Der Sing des Lebens“. Ein Wortspiel? Oder ein Schreibfehler, den Sie einfach mal so gelassen haben, weil Sie mittlerweile gelassen sind?

Der Titel des neuen Albums ist bei mir Programm. Ich habe ja schon immer über die Themen gesungen, die unser Leben bestimmen, und dabei keine Tabus ausgeklammert. Ich will unterhalten, aber mit Haltung. Es freut mich immer wieder, wenn ich meinem Publikum Denkanstöße mit nach Hause geben kann.

Wenn ich mir Ihr Schaffen der letzten Jahrzehnte so anschaue, von „Sehnsucht“ bis „Fragezeichen“ bis „Ich habe Feuer gemacht“ wurden Sie immer lebensbejahender. Was macht Sie stärker als all die Wütenden?

Wahrscheinlich ist das mein Humor (lacht). Ich hoffe, der verlässt mich nicht, denn den werde ich noch brauchen. Wie es aussieht, kommen da nämlich noch sehr unspaßige Zeiten auf uns zu. Aber so befreiend es auch oft sein kann, hilft uns das Lachen alleine auch nicht immer weiter. Ich glaube, dass die Liebe das Allerwichtigste ist. Sie alleine gibt einem wirklich die Kraft, das auszuhalten, was so unaushaltbar scheint.

„Diesem irrsinnigen Rechtstrend entgegenwirken“

H. P. Baxxter sagte vor Kurzem in einer TV-Show „Umso weiter der Horizont, umso kleiner der Himmel.“ Sie und Ihre Lieder strafen diese Aussage ja Lügen. Und das, obwohl die Schicksalsschläge nah und tief gingen. Sind auf dem neuen Album neue Lieder, die in die alte Kerbe hauen, oder um was geht es auf der Scheibe?

Das vergangene Jahr sitzt uns doch allen noch in den Knochen. Ich denke, es ist an der Zeit, mal zu hinterfragen, ob wir unseren Lebensstil so uferlos fortführen können, als gäbe es kein Morgen. Ich habe mittlerweile vier Enkel, da denkt man sogar an übermorgen. Ich finde, jeder Mensch kann dazu beitragen, dass diese Welt ein bisschen besser wird. Und gerade wir Künstler sollten das tun und klare Positionen beziehen. Wir können nicht einfach tatenlos zusehen, wie Europa nach und nach zerbröselt, wir müssen diesem irrsinnigen Rechtstrend entgegenwirken. Ich sag immer: Wer singen will, muss den Mund aufmachen. Wenn ich zusammen mit meiner Frau Eri die Texte für unsere Songs schreibe, überlegen wir sehr genau, was wir sagen wollen. Wir möchten Dinge in Gang setzen, das ist unsere Antriebsfeder. Und das neue Album ist besonders nah am Puls der Zeit.

Die Premiere des Programm fand, wie Sie sagen „traditionell“ bereits am Aschermittwoch in der Psychiatrie in Köln-Merheim statt. Wieso dort und warum ist das traditionell?

Ich spiele dort sehr gerne, denn dieses Publikum ist so grundehrlich und die Reaktionen auf meine Songs berühren mich oft ganz tief. Außerdem haben sie kein Problem damit, wenn ich sage, dass da drinnen die Zahl der Bekloppten außerordentlich überschaubar ist – im Gegensatz zu draußen (lacht). Für mich sind diese Auftritte mittlerweile nicht mehr nur Tradition, sondern wie wir Kölner sagen „Brauchtum“.

Purple Schulz, Sonntag, 18 Uhr, Peterskirche (Schletterstraße 5), Vorverkauf 38 Euro

Von Volly Tanner

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