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Quicklebendig, aber ohne jede Überraschung: Runrigs wohl letztes Leipziger Konzert

Haus Auensee Quicklebendig, aber ohne jede Überraschung: Runrigs wohl letztes Leipziger Konzert

Das Haus Auensee kennen Runrig bestens. Sie haben hier schon häufig gespielt. Am Montag jedoch wurden sie vermutlich letztmals von ihren Fans in Leipzig gefeiert. Jedenfalls befinden sich die schottischen Folk-Rocker zurzeit erklärtermaßen auf Abschiedstour.

Das Licht besorgt die Show: Runrig im Haus Auensee.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Wir sind ja noch nicht tot, hat Bruce Guthro vor kurzem gesagt. In Hannover war das, vor gut einer Woche. Schließlich gibt es die Band, in der er singt, Runrig, seit 43 Jahren. Dass Runrig trotzdem sogar quicklebendig sind, hat ihr Konzert am Montag im Haus Auensee gezeigt. Da wummern sich die sechs Musiker stimm- und lautstark durch ihre jahrzehntelange Bandgeschichte. Das letzte Mal, angeblich, denn nach ihrer Tour ist Schluss mit der gemeinsamen Musikkarriere. Damit Deutschland auch die Gelegenheit bekommt, angemessen Tschüss zu sagen, spielen Runrig gleich zwölf Mal in der Bundesrepublik. Denn die schätzt die folk­lastige Rockmusik – oder rocklastige Folkmusik, je nachdem – ganz besonders.

So zeigt sich auch im Haus Auensee eine treue Anhängerschaft. Beginnt Sänger Guthro, gekleidet in schwarzes Hemd unter schwarzem Sakko unter schwarzem Hut – ein Lied – das Publikum kann mitsingen. Egal, ob’s ein Titel der neuen Platte „The Story“ ist – oder aber einer der Dauerbrenner. Rund ein Drittel der Lieder sind der Story vorbehalten, die übrigen zwei der Nostalgie.

Dass sie eine Anhängerschaft wie in Leipzig genießen können, ist hart erkämpft. Runrigs erstes Album „Play Gaelic“ von 1978, auf dem die Gründer auf ihrer Heimatsprache Gälisch schmetterten, fand kaum Käufer. Auch Labels ließen sich davon nicht überzeugen. Die Bandmitglieder arbeiteten daher weiter als Müllmänner, Minenarbeiter oder Lachsfischer. Erst mit „Heartland“ begannen Runrig 1985 die Karriereleiter hochzukraxeln. Sie spielten als Vorband des Schnulzkommandos U2, sogar in Ostberlin, und sicherten sich ab 1993 ein Dauerticket für die deutschen Albumcharts. Mit „The Story“ war dieses Mal Platz sechs drin.

Unzerstörbare Musik

Auch wegen der Bandbreite der Band. Von Schmonzette über Heimatballade, Fanhymne, Rockdröhner bis hin zum temporeichen Rhythmusgroover – Runring hat’s im Repertoire. Und gibt sie auch in Leipzig zum Besten. Stimmungsvolles Schunkeln bei „Every River“; Hüpfen, Klatschen und gereckte Smartphones zum meistgehörten Titel „Loch Lomond“.

Vorne stehen die Bewegungswütigen Mitsingfans, hinten schmust die Kuschel-Fraktion. Auch sie kommt auf ihre Kosten, wenn Drummer und Gründungsmitglied Calum MacDonald seine Wohlfühl-Beats zum warmen Licht der rot-gelb-blauen Scheinwerfer ertönen lässt und dazu im Hintergrund weitläufige Landschafts- oder Himmelsaufnahmen zu sehen sind.

Vielleicht wegen ihrer warmen, teils mystischen Klänge, war auch eine Runrigs-CD Fundstück in den Überresten der Explosion des Spaceshuttles Columbia 2003. Eine Astronautin hatte sie im Gepäck. Ihre Abschiedstournee nun zeigt, dass die Band fast ebenso unzerstörbar ist wie ihre Rohlinge. Wenn auch zwei Musiker die Band verließen, um im schottischen Parlament mitzumischen.

Ganz so frisch wie in den ersten Tagen ihrer Karriere ist Runrig jedoch nicht mehr. Die Musiker führen ihre Instrumente spazieren, eine Bühnenshow präsentieren sie nicht. Bei der a cappella präsentierten Zugabe „Hearts of Olden Glory“ stecken die Hände von Sänger Guthro sogar in den Hosentaschen. Vorher, bei „Skye“, sprang Rory MacDonald ein paar Mal auf und ab – aber nicht länger als ein paar Sekunden. Die Show-Einlagen müssen Sound und Licht übernehmen, die Band liefert sie nicht. Zumal ihre Performance zwar bestechend ist in Klang und Wirkung, aber nie durch Improvisationen überrascht. Die sechs spielen ihre Hitlist runter, geben routiniert ihre Zugaben, danach ist Schluss. Die Fans stört das nicht. Sie hören ihre Lieblingsband, ihren letzten Abschiedsgruß. Der ist auch ohne großes Bohei angemessen.

Von Julius Heinrichs

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