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Rainbow-Rausch im Schlamm

Ritchie Blackmore bei „Monsters of Rock“ Rainbow-Rausch im Schlamm

Vor rund 20 Jahren beendete Ritchie Blackmore, Mitbegründer von Deep Purple, seine Rocker-Karriere und machte fortan Renaissance-Folklore mit seiner Frau Candice unter dem Namen „Blackmore’s Night“. Für wenige Konzerte machte der Meistergitarrist jetzt eine Ausnahme. Ein Bericht vom fulminanten Konzert auf der Loreley.

Grandioses "Monsters of Rock"-Konzert auf der Loreley: Ritchie Blackmore (r.), vorn Sänger Ronnie Romero.

Quelle: Christoph Hümmeler

St. Goarshausen. Er leuchtet wieder, der Regenbogen. Rund zwei Jahrzehnte lang hat Ritchie Blackmore liebestrunkener Weise die Mittelalter-Klampfe mit der Stromgitarre verwechselt, jetzt setzt die mit seiner Frau Candice Night im Renaissance-Gedudel versumpfte Legende kurz aus, um sich auf den Hardrock zu besinnen: Freitag auf der Loreley feierten beim Festival „Monsters of Rock“ 15 000 Fans die Auferstehung von Rainbow, am Samstag folgte die Show in Bietigheim.

Die Nachricht von der Rückkehr des Mitbegründers von Deep Purple ist so sensationell wie der Ort. Auf dem sagenumrankten Schieferfelsen im Mittelrheintal vollzieht sich ein Brimborium, das kein Dramaturg klischeereicher hinbekommt: Kurz vor den Supports von Thin Lizzy mit dem starken Frontmann Ricky Warwick und Manfred Mann’s spielfreudiger Earthband hat der Himmel eine Halbjahres-Ladung ausgekippt und die Erde auf dem abschüssigen Areal in quaksend weichen Schlamm verwandelt. Woodstockiger Rutsch’n’Roll, der filigranste Balance von Bierholern verlangt, mehrheitlich Jeans- und Lederkutten-Träger, dekoriert mit Aufnähern wie Zutrittsberechtigungen aus Textil.

Punkt 21.24 Uhr tönt das rituelle Intro aus „Der Zauberer von Oz“, Dorothys „We must be over the rainbow“. Purples „Highway Star“ eröffnet eine knapp zweistündige Show, in der sie endlich wieder live zu hören ist, die einzigartige Gitarren-Stimme des 71-jährigen Meisters in Schwarz, die man aus Tausenden heraushört. Mit dem für ihn typischen Bewegungsreichtum einer Stehlampe zaubert Blackmore auf seinem Werkzeug, verzieht kaum eine Miene und überlässt die Show dem Frontmann, den er aufgetrieben hat: Ronnie Romero, optisch eine Option für 90er-Jahre-Boygroups, liefert Gesang zum Niederknien, das man sich nur wegen des moddrigen Untergrunds erspart.

Der Chilene moduliert sein Organ je nach Titel, klingt bei „Since You’ve Been Gone“ wie Bonnet, röhrt „Mistreated“ im Coverdale-Stil und kraftmeiert „Man On The Silver Mountain“, dass man Dio aus dem Jenseits zu powern glaubt. Selbst das schwierige, von Ian Gillan längst gemiedene „Child In Time“ erklimmt Romero meisterhaft auf allen tückischen Höhen. Einziges Stück aus der Ära mit Joe Lynn Turner als Rainbow-Sänger bleibt „Spotlight Kid“.

Stoisch liefert Blackmore neben den Kollegen Bob Nouveau (Bass), Keyboarder Jens Johansson und David Keith (Drums) seine Läufe und Riffs. Das Instrumentalstück „Difficult To Cure“ – ein Gottesdienst der Musik: Unter Ritchies Saiten zersplittern die Klänge wie spitzes, berstendes Glas, er zelebriert Beethovens Ode an die Freude, Johansson bettet Bachs Toccata und Fuge in d-Moll dazwischen. Auch „Stargazer“ wird ein Fest. Rainbow anno 2016 kosten das Monumentalwerk aus, während Scheinwerfer-Kegel sich fast bis zum Mond hinauftasten. Es passt einfach alles hier und jetzt. „Smoke On The Water“ mündet dank Feuerwerk in einem Fire In The Sky.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz liebt man den Matsch als Teil eines magischen Abends. Fortsetzungen dringend erforderlich. Misses Blackmore, Candice Night, stand übrigens im Background-Chor. Vielleicht hat sie was gemerkt.

Trotzdem mittelaltert Blackmore’s Night erstmal wieder; am 16. Juli auch auf Leipzigs Parkbühne. Karten unter www.lvz-ticket.de.

Von Mark Daniel

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