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Ramsauer im Interview: „Musik birgt mehr Geheimnisse als der Bundesverkehrswegeplan“

Ramsauer im Interview: „Musik birgt mehr Geheimnisse als der Bundesverkehrswegeplan“

Leipzig. Ruhige Musik befördert entspanntes Autofahren. Deshalb spielte das Orchester der Deutschen Oper unter Leitung von Stephan Frucht mit renommierten Konzertpianisten und Verkehrsminister Peter Ramsauer die CD „Adagio im Auto“ mit ruhigen Sätzen aus Klavierkonzerten Mozarts ein.

Im Interview spricht Ramsauer über seinen Berufswunsch Konzertpianist, die Liebe zu Chopin und warum er trotzdem Politiker wurde.

LVZ

: Den Ramsauer ordnen viele Menschen als knorrigen Bayern ein, den mit der Pkw-Maut, der Helmpflicht für Radfahrer und dem Bundesverkehrswegeplan. Jetzt haben Sie neben solchen Klavier-Altmeistern wie Christoph Eschenbach und Talenten wie dem Rostocker Clemens Berg eine CD mit Mozart-Interpretationen veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Peter Ramsauer:

Die Idee stammt vom Kulturkreis des Bundesverbands der Deutschen Wirtschaft (BDI), der in diesem Jahr sein 60. Jubiläum feiert. Als Kooperationspartner kam die Logistikwirtschaft dazu. Mir hat der karitative Ansatz gefallen. Man tut ein gutes Werk beim Kauf: Ein Euro vom Kaufpreis jeder CD (sechs Euro d. R.) kommt der „Kinderunfallhilfe e.V. zugute. Das fand ich einfach eine klasse Idee. Dahinter stehen auch Erkenntnisse, dass ruhige Musik – eben Adagio, wie die CD heißt – ruhiges Autofahren befördert und Aggressionen im Straßenverkehr abbaut. Wenn wir also mit Musik dazu beitragen können, dass Autofahrer entspannter und damit rücksichtsvoller fahren, helfen wir auf schönste Art, Unfälle zu vermeiden. Das möchte ich als Verkehrsminister unterstützen. Als Musiker bin ich natürlich stolz, neben solchen Profis wie Christoph Eschenbach, Rainer Koch oder den Stenzl-Brüdern ein Mozart-Stück präsentieren zu dürfen.

Seit wann spielen Sie Klavier?

Mit neun Jahren habe ich angefangen. In meiner Familie war klar, dass jedes Kind ein Instrument lernen muss. Das Klavier stand bei uns zu Hause. Da habe ich mir gesagt: Dann lernst du halt Klavier. An manchen Tagen im Laufe der Zeit bis zu fünf Stunden am Tag.

Ganz freiwillig?

Ja, ehrlich. Wichtig war dabei, dass ich nicht nur einen Klavierlehrer hatte, sondern einen ausgesprochenen Pädagogen. Er schaffte es, meine vielfältigen Interessen als Kind so zu bündeln, dass ich immer motiviert war für das Klavier. Ich wollte das aus mir heraus. Ich weiß, das klingt unglaublich. Mit meinen Kindern machte ich da andere Erfahrungen. Entnervend, sage ich Ihnen. Aber Drill hat keinen Zweck. Es muss Freude machen. Ich hatte soviel Freude, dass mein Vater irgendwann entgeistert zu meiner Mutter sagte: „Der Bub will doch hoffentlich nicht Musiker werden.“

Diese Hoffnung hat sich ja erfüllt…

Die meines Vaters, ja. Als ich mit 18 in die Junge Union eintrat, flehte meine Mutter: „Um Gottes willen, du wirst doch nicht irgendwann einmal Politiker werden.“

Einen mussten Sie ja enttäuschen.

Wohl oder übel. Mein Vater dachte eben praktisch. Vor 50 Jahren war klar, dass der Sohn den Familienbetrieb übernimmt und nicht Musikant wird. Musikant war auch noch schlimmer als Musiker – Tingelei, von Luft und Liebe lebend.

Wollten Sie denn wirklich Musiker werden?

Ja, das konnte ich mir damals vorstellen. Da gibt es doch in der Jugend diese verbissenen Phasen. Wenn man ein komplettes Klavier-Abendprogramm spielt, dafür bis zu zehn Stunden täglich übt, dann will man mehr…

Spielten Sie nicht auch Fußball?

Als Torwart. Aber da habe ich mir die Hände kaputtgemacht. Nein, Fußball und Klavier, das vertrug sich nicht. Ich mache trotzdem Sport. Heute laufe ich, wann immer ich kann.

Hatten Sie als Teenager nur Klassik im Kopf?

Natürlich nicht. Als 16-,17-jähriger junger Mann hat man auch andere Dinge im Kopf. Aber die wiederum können auch durch das Klavierspielen profitieren…

Ich meinte eigentlich, spielten Sie nur Klassik?

Nein. Auch Scott Joplin oder Gershwin. Solche Sachen. Aber mit dem klassischen Repertoire hatte ich schon alle Hände voll zu tun.

Wen hören Sie am liebsten?

Chopin. Es gibt kein Werk Chopins, das ich nicht auf CD oder Schallplatte habe. Wahnsinn, wie die Interpretationen ein und desselben Stückes differieren. Da ist die Vielstimmigkeit des Bundestags ein Akt der Uniformität dagegen. Das fasziniert mich.

Und wen spielen Sie am liebsten auf dem Klavier?

Auch Chopin. Das eine ergibt das andere. Ich liebe aber auch die „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgski. Showstücke, das gebe ich zu. Aber egal, wen oder was ich spiele: Musik ist für mich die schönste Sprache und das ideale Rückzugsgebiet, eben eine Wohltat für mich selbst.

Wann war es eigentlich vorbei mit Ihrer Musiker-Karriere?

Als mein Professor zu mir sagte: „Ja, Herr Ramsauer, das kriegen wir alles hin mit Ihrer Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule in München. Aber: Sie werden nur ein mittelguter Konzertpianist.“ Ich war am Boden zerstört, weil ich mich schon auf halbem Wege zum Niveau meiner Stars – Swjatoslaw Richter oder Alfred Brendel – wähnte. Das war ein Schock. Der Professor hatte aber recht. Ich verzichtete auf die Aufnahmeprüfung und habe mich dann auf die Betriebswirtschaftslehre gestürzt. Da habe ich Dinge gelernt, die mir noch heute, im Amt als Minister, sehr helfen. Parallel engagierte ich mich politisch. Den Rest kennen Sie.

Bundesverkehrwegeplan…

Der ist wirklich wichtig. Die Menschen haben was davon. Aber wissen Sie was? Ein Satz aus einem Werk Chopins oder Mozarts birgt mehr Geheimnisse als der gesamte Bundesverkehrswegeplan zusammen- und der ist schon komplex genug.

Stichwort „Adagio im Auto“

:

Ruhige Musik befördert entspanntes Autofahren. Deshalb spielte das Orchester der Deutschen Oper unter Leitung von Stephan Frucht mit renommierten Konzertpianisten und Verkehrsminister Peter Ramsauer die CD „Adagio im Auto“ mit ruhigen Sätzen aus Klavierkonzerten Mozarts ein. Die Aufnahmen entstanden im Juni 2011 an einem Steinway-Flügel in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin Dahlem. Hier nahmen schon Furtwängler und Karajan auf. Herausgeber der CD ist der Kulturkreis des Bundesverbands der Deutschen Wirtschaft (BDI). Die CD kostet sechs Euro – ein Euro pro CD gehen an die Aktion „Kinderunfallhilfe e.V.“.

Thoralf Cleven

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