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Rasante Western-Rückkehr: Lone Ranger im Kino

Rasante Western-Rückkehr: Lone Ranger im Kino

Ein grandioses Stück Abenteuer-Kino mit nie zuvor gesehenen Bildern vom traumhaften Monument Valley, von Büffelherden, wilden, verwegenen Ritten und einer rasanten Eisenbahnjagd, die mit ihrer überbordenden Fantasie garantiert in die Filmgeschichte eingehen wird.

"Lone Ranger" erzählt von einem Anwalt, der den Hinterhalt einer Bande, die sechs Texas-Ranger umlegen, dank eines seltsamen Komantschen überlebt, sich eine Augenbinde wie Zorro zulegt und zum Rächer auf einem heiligen Geisterpferd wird.

Die Zutaten: klassischer Western. Die Zubereitung: ein wilder Mix aus Abenteuer und Komödie, Thriller und Romanze, gepfeffert mit einer kräftigen Prise Zitate - von "Little Big Man" bis "Es war einmal in Amerika". Da geht "Lone Ranger" ganz anders ans Genre heran als "True Grit", der kassenträchtigste Western seit "Der mit dem Wolf tanzt". "Lone Ranger" öffnet das Genre, mit dem im Grunde jede Geschichte erzählt werden kann. Der Mythos des Westen wird zur kostümierten Reiter-Legende, die karge, unendliche Landschaft des Western, immer schon Metapher für Freiheit und Ungebundenheit, zur Spielwiese ungezügelter Fantasie.

So jonglierte bereits Quentin Tarantino in "Django Unchained" mit der kruden, klassischen Italo-Western-Vorlage - und spielte allein an den US-Kassen respektable 162 Millionen Dollar ein. Das Damoklesschwert des unbedingten Erfolgs hängt nun allerdings schwer über "Lone Ranger". 250 Millionen ließ sich Disney das Abenteuer kosten, das es seit dem US-Start am 7. Juli lediglich auf 85 Millionen Dollar brachte.

Ein Misserfolg, den der so verdammt originelle, hinreißend aufgezäumte "Lone Ranger" einfach nicht verdient hat. Schon lange war das Kino nicht mehr so nah am Jahrmarkt (mit der ironischen Rahmenhandung Museums-Indianer erzählt, wie's damals wirklich war), also an seinen Wurzeln. Andererseits sind Gore Verbinski und Produzent Jerry Bruckheimer meilenweit von den drei biederen Vorgänger-Verfilmungen des "Lone Rangers" entfernt.Gerade ist die von William A. Fraker (1981) auf DVD erschienen. Im Grunde erinnert man sich nach kurzer Zeit nur noch an den Auftritt von Jason Robards als betrügerischer US-Präsident.

Sollte "Lone Ranger", der das Genre zweifellos erneuert ohne die Klassiker zu ignorieren, an der Kasse erfolglos bleiben, ist wieder mal die Zeit der Totengräber des Western gekommen. Dabei war das Genre nie tot, auch nicht in den letzten Jahren. Am 28. Juni ist in den USA "Copperhead" angelaufen, ein Bürgerkriegs-Familien-Drama, leider sehr erfolglos an der Kasse. Andere Western, auch solche die wie "Yellow Rock" zahlreiche Auszeichnungen bekamen, hatten erst gar keinen Kinostart. In Zeiten von Aliens, All-Reisen, rostigen Maschinen, Zombies und Superhelden traut man ihnen nichts zu.

Auch nicht einem der bemerkenswertesten Western der letzten Zeit: "Sweet Vengeance", ein Paranoia-Western um einen fanatischen Priester, einen wüsten Sheriff und eine Witwe in Lila, die als Rächerin in einem grauen Kaff im Nirgendwo blutig umgeht.

Nicht nur in den USA, auch in Neuseeland und Kanada lebt der Western. Mit "Good for Nothing" gelang Mike Wallis eine Geschichte um einen Entführer und eine britische Lady, die was von jenen Western hat, in dem John Wayne auf Katherine Hepburn ("Mit Dynamit und frommen Sprüchen") und Clint Eastwood auf Shirley MacLaine ("Ein Fressen für die Geier") trafen. Rabiat und rücksichtlos hingegen geht es in dem kanadischen "Lawman" (englischer Titel: "Ranger") von Wyeth Clarkson zu, wenn ein Mountie eine Stadt von allerlei Gesindel säubert.

So klassisch hält es der 150 Minuten lange, aber keine Minute langweilende "Lone Ranger" nicht. Aber Gore Verbinski verehrt John Ford, Sam Peckinpah, Arthur Penn, Sergio Leone, also die Klassiker und die Erneuerer des immer wieder totgesagten und nie tot zu kriegenden Genres. Allein dafür gehört er in den Western-Himmel.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.08.2013

Norbert Wehrstedt

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