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Reden ist Gold beim Literarischen Herbst

Literaturfestival Reden ist Gold beim Literarischen Herbst

Im Zentrum des 20. Leipziger Literarischen Herbstes steht das Umfeld für Literatur, für das Schreiben. Zum 300. Todestag des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz kultivieren die Veranstalter das Gespräch. Das Festival findet vom 25. Oktober bis 1. November statt.

Stellen das Programm des Leipziger Literarischen Herbstes in der Moritzbastei vor: Pressesprecherin Gundula Lasch (l), die Geschäftsführerin des Sächsischen Literaturrates Sibille Tröml (3.v.l.) sowie die Projektleiter Regine Möbius und Steffen Birnbaum.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. „Mit Gottfried Wilhelm Leibniz haben wir einen universalen Themengeber“, sagt Regine Möbius. Und nicht nur das, sie nennt den Gelehrten den „Leipziger Digitalpionier“. Weil er ein Mann der Kommunikation war und der Vernetzung. Wen soll es da stören, dass das 300 Jahre her ist. Im Gegenteil. Manche Geister der Vergangenheit können nicht oft genug mit dem Geist der Gegenwart in Verbindung gebracht werden.

Zum Glück gibt es runde Geburtstage und Jubiläen. Der Leipziger Literarische Herbst findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt, der Dichter Adel Karasholi wird im Oktober 80, Schriftsteller Werner Heiduczek feiert im November seinen 90. Geburtstag. Und vor 300 Jahren starb Gottfried Wilhelm Leibniz. Überschrieben ist dieses Literaturfestival deshalb mit dessen Zitat: „Beste aller möglichen Welten“. Mit mehreren der knapp 40 Veranstaltungen an 27 Orten der Stadt wird der in Leipzig geborene Philosoph, Mathematiker, Diplomat und Historiker geehrt, die angemessene Form dafür in vielen Fällen: das Gespräch.

Denn Gespräche prägen diesen Jahrgang, der am 25. Oktober eröffnet wird und bis 1. November auch in Lesungen, Buchpremieren, Poetry-Slams, Performances, Musik und Theateraufführungen untersucht, „wie Philosophen in den letzten 300 Jahren auf Literatur und Schriftsteller gewirkt haben“. So sagte es am Dienstag beim Pressegespräch in der Moritzbastei Steffen Birnbaum, gemeinsam mit Regine Möbius Projektleiter des Festivals. Auf dem Podium saß auch Sibille Tröml, Geschäftsführerin des Sächsischen Literaturrats e.V., der sein 20-jähriges Bestehen feiert und für den 29. Oktober zum Literaturmarkt ins Haus des Buches lädt – dann lesen Autoren wie David Wagner, Angela Krauß und Thomas Rosenlöcher, Verlage stellen ihre Neuerscheinungen vor.

Ins Gespräch kommen kann unter dem Dach des Literarischen Herbstes zum einen das Publikum mit den Autoren. Im Zentrum steht aber auch das Gespräch auf der Bühne, die Diskussion als Kulturform. Zum Auftakt, der feierlichen Eröffnung im Alten Rathaus, sind Jan Philipp Albrecht, André Wilkens und Eva Leipprand zu Gast, um über Wilkens’ Buch „Analog ist das neue Bio“ zu diskutieren. Dabei gehen sie aus von dem Umstand, dass Digitalisierung Gefahren birgt, und der Frage nach: „Gibt es Wege zu einer menschlichen digitalen Welt, und welche Schritte müsste man gehen?“ Moderator des Abends ist Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates.

Nach dieser gesellschaftspolitischen Runde kommen am zweiten Abend die Philosophen zu Wort: Raul Zelik und Peter Engelmann treffen auf die Schriftsteller Ingo Schulze und Thomas von Steinaecker und gemeinsam auf die Frage: „Wie viel Utopie braucht die Literatur?“ Ausgangspunkt ist von Steinaeckers Roman-Dystopie „Die Verteidigung des Paradieses“. Um Begegnung im Gedicht geht es am 28. Oktober in der Lyriklesung „So fremd, so nah“ mit Aref Hamza, Khder Alagha, Peter Gosse und Adel Karasholi in der Stadtbibliothek.

Geredet wird im Thomasius-Club seit zehn Jahren – natürlich auch aus diesem Anlass. Am 28. Oktober liefern sich Leibniz (Kurt Mondaugen) und Christian Thomasius (Ulrich Johannes Schneider) einen Schaukampf zu den Aufgaben der Philosophie, zum Wesen der Welt und zur Diagnose der Gegenwart. Von Albertina-Chef Schneider gibt es am 31. Oktober zudem einen Vortrag über „Leibniz in seine Werke“. Über das Werk Werner Heiduczeks sprechen Kollegen und Verleger am 29. Oktober in einem Ehrenkolloquium in der Stadtbibliothek.

Zum Leipziger Literarischen Herbst gehören traditionell die Abende mit den aktuellen Friedenspreisträgern des deutschen Buchhandels. Diesmal ist es die Publizistin Carolin Emcke; Stephan Detjen spricht am 27. Oktober mit ihr über ihr neuestes Buch „Über den Hass“, über ihr Leben und über den Friedenspreis. Und vielleicht auch über eine beste aller möglichen Welten.

20. Leipziger Literarische Herbst: 25. Oktober bis 1. November; das Programmheft erscheint am 26. September, Programm und Infos: www.leipziger-literarischer-herbst.de

Von Janina Fleischer

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