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Regisseur Detlev Buck drehte einen Liebesfilm „Same Same But Different“ in Kambodscha

Regisseur Detlev Buck drehte einen Liebesfilm „Same Same But Different“ in Kambodscha

Detlev Buck, 47, ist seit weit über 20 Jahren im Filmgeschäft, wo er sich seine Themen kritisch aussucht. In „Same Same But Different“, am 21. Januar in die Kinos kommt, sind es die Liebe und der Tod.

Leipzig. Eine Urlaubsbekanntschaft entwickelt sich zur großen Love Story. Eine wahre Geschichte, über die er im Interview mit Claudia Nitsch spricht.

Warum erzählen Sie wieder eine Geschichte über junge Leute?

Detlev Buck: Nun, es gibt kaum welche im Kino. So etwas wie „Gangs“ finde ich nicht so spannend. Ich will mich jungen Leuten nicht an den Hals schmeißen. Aber die Verknüpfung der Länder und Kontinente, wodurch jeder weltwärts gewandt ist, fasziniert mich. Auch unsere Geschichte wäre vor 15 Jahren nicht möglich gewesen.

Außerdem wollten Sie endlich mal einen Film machen, der nur von der Liebe handelt ...

Buck: Ja, das wollte ich, und zwar für die heutige Zeit. Bei „Love Story“ erinnert sich jeder, dass die Frau Blutkrebs hatte. Doch eigentlich war der Hinderungsgrund, dass sie arm war, während er aus einer reichen Familie kam. So etwas kann ich heute nur noch in einer Soap behaupten. Laut Statistik heiraten Zahnärzte mittlerweile nicht mehr so häufig ihre Gehilfinnen, sondern wieder auf gleicher Ebene oder „nach oben“. Das ist aber kein Filmstoff.

Höchstens für eine Komödie, aber „Same Same“ ist schon wieder keine, sondern ...

... mein Versuch, eine andere Kultur zu verstehen. Zwei Menschen ziehen sich an, obwohl die Unterschiede zwischen ihnen riesig sind.

Wie die Unterschiede zwischen Kambodscha und Deutschland, den beiden Ländern, in denen der Film entstand.

Kambodscha ist nicht mit einem Element zu beschreiben und schon gar nicht in einem Satz. Es ist so vollgepackt. Ich habe in den Film meine Erlebnisse einfließen lassen, wie den schrägen Backpacker, der immer wieder auftaucht. Der stand nicht im Buch, den habe ich dort getroffen.

Der empfindet Frauen als Konsumgut und wirkt überzogen.

Dabei habe ich ihn als Figur um 50 Prozent runtergefahren. Der, den ich kannte, wäre nicht kompatibel gewesen.

Bekommen Sie bei solchen Menschen Brechreiz?

Nein, die sind einfach anders drauf. Für mich zählt, dass ich in diesem Film nicht moralisiere. Die, die beurteilen, sind nicht weg gewesen von zu Hause. Wir müssen es sehen, wie es eben ist, uns mit offenen Augen auf eine Reise einlassen.

Dieser Film hat offenbar Ihren Horizont erweitert.

Ja, hat er. Und es ist so komplex, dass man es nicht wiedergeben, sondern nur verstehen kann. Es spricht nicht eine Anekdote für das ganze Land. Man kann nur versuchen, es sinnlich zu begreifen.

Muss man Geldscheine in der Tasche haben, damit man weiterkommt?

Das ist ein Fakt. Du kannst mit zehn Dollar dort leben, eine Frau auf dem Reisfeld aber verdient einen. Der Mann sorgt für sie, ist aber nicht verlässlich. Was zur Folge hat, dass Banken den Kredit Frauen geben, denn sie sind der zuverlässige Part, der die Kinder behütet und ernährt. Das asiatische Gesellschaftsbild ist sehr viel anders als das im Westen.

Die kambodschanischen Frauen lassen sich von Touristen bezahlen.

Natürlich. Wenn ich in einer Bar bin und ein Mädchen setzt sich neben mich, sollte ich ihr, wenn ich gehe, Geld geben. Sonst hat sie keines. Wie gesagt, auf dem Reisfeld verdient sie einen Dollar. Dann kannst du auch mal zehn Dollar hinlegen, was ist da das Problem?

Dass die Frauen in einer extremen Situation leben.

Leben müssen. Und: Nein, die ist nicht extrem. Das kann man nicht mit westlichen moralischen Vorstellungen beurteilen, weil wir in unserem Kontext leben. Eine Frau ist nicht überall auf der Welt gleich. In Kambodscha sind die Frauen wie Watte, sie saugen den Dreck auf. Männer sind wie Gold, der Dreck ist abwaschbar. Man muss mal die Birne aufmachen für eine andere Gesellschaftskiste.

Aber wir gehen wieder nach Hause und haben doch immer noch unsere westlichen Vorstellungen, die uns sagen, das ist bedrückend.

Weil Sie es von hier aus sehen. Für sich sind die glücklich. Die Frau in der asiatischen Gesellschaft ist zum Teil sehr viel selbstbewusster als hier in Deutschland. Die wissen, wer sie sind, wo sie stehen und haben Ausstrahlung. Dieser Ausstrahlung sind sie sich bewusst, die haben die Hosen an. Sie leben in Großfamilien und die geht über alles, egal wie die Mutter sie behandelt.

Da romantisieren Sie ein wenig in Ihrem Film.

Ich will keine gewohnten Verhaltensweisen mehr darstellen und ihnen eine komische Ebene geben. Das ist langweilig. Wenn jemand sagt, der Film sei unmoralisch, bedanke ich mich für das Kompliment. Es ist ein deutsches Ding, alles durch unsere Maske einzuschätzen. Wir werten, analysieren - das lasse ich. Denn damit kommst du nicht weit. Dann brauchst du gar nicht verreisen, weil du eh nichts siehst. Zunächst musst du wahrnehmen, bevor du begreifst. Viele deutsche Filme sind so plakativ und unsinnlich. Wir lassen uns nicht auf eine andere Welt ein.

Bei diesem Film verwenden Sie die Musik als dramatisches Element.

Das fällt nur mehr auf, weil es so unterschiedliche Musik ist. Diesmal streife ich von Schubert über Chansons bis Rammstein eine Menge Genres. Und alle singen sie über Liebe.

Claudia Nitsch

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