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Reise nach Auschwitz: Ausstellung in Leipzig macht Berührung mit dem Horror sichtbar

Reise nach Auschwitz: Ausstellung in Leipzig macht Berührung mit dem Horror sichtbar

"Es war eine schöne Reise. Und eine sehr traurige", sagten Tim Jungnickel und Philip Schuster, als diese Woche in der Leipziger Regionalstelle der Sächsischen Bildungsagentur eine Ausstellung eröffnet wurde, deren Überschrift für die zwei Jugendlichen und vier ihrer Mitschüler wahrhaftig Programm war: "Berührung wird sichtbar".

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Philip, Rita Becker, Michelle, Friedrich Magirius, Thomas, Tim, Kunstlehrer Thomas Schramm und Roman Schulz (Bildungsagentur, v.l.) mit ihrer Schau.

Quelle: André Kempner

Die Schau in der vierten Etage des Behördenbaus Nonnenstraße 17a zeigt berührende, druckkünstlerische Arbeiten, versehen mit kleinen Texten, die Motivation und Gefühle widerspiegeln: Tief ins Gedächtnis eingeprägte Momentaufnahmen, die die Zehntklässler des "Wladimir Filatow"-Förderzentrums für Blinde und Sehbehinderte in den Konzentrationslagern Auschwitz/Birkenau aufsogen: Gleise, auf denen Häftlinge in den Tod rollten. Kinderschuhe. Rauch aus den Schloten eines Krematoriums. Zahllos von Bäumen fallende Blätter, gleichsam für vielfach ausgelöschtes Leben -

Die Bilder sind das Ergebnis eines deutsch-polnischen Kunstworkshops für blinde und sehbehinderte Jugendliche. "Im Frühjahr vorigen Jahres sprach uns das polnische Honorarkonsulat an, ob wir uns an solch einer Projektwoche mit sechs Jugendlichen der Sehbehindertenschule Krakau beteiligen würden", erzählte Filatow-Schulleiterin Rita Becker. "Im November dann kamen wir alle für eine Woche in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oswiecim-Auschwitz zusammen." Gemeinsam wurde die Auseinandersetzung mit der ganz besonderen Geschichte von Auschwitz und Birkenau gesucht.

An den ersten beiden Tagen gab es für die jungen Leute zunächst eine Studienführung durch die ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager. Und anschließend dann setzten sie unter Leitung ihrer Kunstlehrer das Erlebte in druckgrafische Arbeiten um, geleitet von den Fragen: "Was habe ich gesehen? Was habe ich gehört? Was möchte ich weitergeben?" Dass sich beim kollektiven Schaffensprozess beiläufig Freundschaften anbahnten, wie Tim und Philip erwähnten, wurde als Zugewinn empfunden. Schulleiterin Becker gar wird bereits Ende April nochmal nach Krakau reisen. "Wir peilen jetzt eine Schulpartnerschaft mit der dortigen Sehbehindertenschule an", verriet sie.

All das macht auch Leipzigs Ex-Stadtpräsident Friedrich Magirius glücklich. Der Krakauer Ehrenbürger ließ sich die Schüler-Vernissage in der Bildungsagentur nicht nehmen. "Ich freue mich, dass eure Generation in Polen heute so toll aufgenommen wird. Dass ihr nicht nur als Touristen in dem Vernichtungslager wart, sondern euch auch so intensiv mit dieser schmerzlichen Geschichte aus- einandergesetzt habt. Das ist immerhin eine Voraussetzung dafür, dass so etwas nie wieder passiert", zollte er Tim, Philip und Co. Respekt.

"Ihr demonstriert schon ein Stück den Zusammenhalt des heutigen neuen Europas", fand Bernd Karwen vom hiesigen Polnischen Institut und versprach, die Ausstellung auch mal dahin zu bugsieren. Markus Kopp, Chef der Mitteldeutschen Flughafen AG, kann sie sich unterdessen auch gut in den Hallen der Flughäfen Leipzig-Halle und Dresden vorstellen. Für ihn sei es an diesem Beispiel einfach schön zu sehen, wie sich Generationen nach dem Krieg, in dem Deutsche so viel Leid angerichtet haben, wieder Normalität im Miteinander herausgebildet hat, so Kopp, der zugleich Honorarkonsul der Republik Polen in Sachsen ist und bei der Vernissage den Lions Club Cosmopolitan Leipzig repräsentierte. Vor allem Lions und Deutsch-Polnische Gesellschaft seien es auch gewesen, die das Kunstprojekt finanziell ermöglicht hätten, hieß es.

Bis zum Sommer ist die Schau in der Sächsischen Bildungsagentur Leipzig, Nonnenstraße 17a, während der Öffnungszeiten zu sehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.04.2015

Angelika Raulien

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