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"Rentner haben niemals Zeit" auf Leipziger Bühne: TV-Legenden in der Kleingarten-Sparte

"Rentner haben niemals Zeit" auf Leipziger Bühne: TV-Legenden in der Kleingarten-Sparte

Lang, lang ist's her! Sie war ein DDR-Quotenhit: die Familienserie "Rentner haben niemals Zeit". Vom 2. Dezember 1978 bis zum 14. April 1979 flimmerten jeweils sonnabends um 19 Uhr 20 Episoden à 25 Minuten über den Bildschirm.

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Rüstige Rentner im KLeingarten-Biotop: Ingeborg Krabbe und Herbert Köfer mit Christian Kühn.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Bei späteren Wiederholungen wurden dann jeweils zwei Teile vereint. Und die DVD-Sammlung verkauft sich heute noch gut.

Herbert Köfer, der den wunderbaren und hilfsbereiten Opa Paul Schmidt spielte, wurde durch den Erfolg von einst animiert, sich zu seinem eigenen 90. Geburtstag im vorletzten Jahr eine Neuauflage als Theaterstück auf den Leib schreiben zu lassen. Christian Kühn (Jahrgang 1982) erfüllte des Mimen Wunsch, der seine jahrzehntelange Bühnenerfahrung natürlich in das Werk einbrachte.

Vor zwei Jahren schließlich begannen die nie Zeit habenden Rentner in der Comödie Dresden ihr Bühnendasein. Nach Gastspielen zwischen Ostsee und Rhön sind sie nun auch in Leipzig aktiv.

Da die Originalgeschichte zu einer Zeit spielte, in der der Autor noch nicht das Licht der Welt erblickt hatte, vereinte er vergangene Kleingarten-Atmosphäre mit dem Alltag und der Medienwelt von heute. Das Resultat ist eine Melange geworden: ein bisschen Schwank, ein Anflug von Komödie, ein Hauch Lustspiel, ein bisserl Kabarett; aber doppelt so lang wie die Fernsehdoppelfolgen. Dadurch plätschert das Geschehen um den hilfsbereiten Witwer, der Gleichaltrige sowie Kinder betreut, und seine dem Amorphophallus titanum, dem übelriechenden Titanwurz, verfallene Gartennachbarin Elvira Rosendorf teils heiter, zuweilen nachdenklich, aber selten wirklich berührend dahin.

Um diese beiden sind bis auf Julia, die vermeintliche Enkelin, einige Typen gruppiert, die ihrem Affen ordentlich Zucker geben dürfen. Ja, turbulent geht es in der Kleingarten-Sparte schon zu. Und der eine oder andere Zuschauer bejaht heimlich Opa Schmidts Seufzer: "Ich habe genug von diesem Wahnsinn."

Das Publikum in der sehr gut besuchten Leipziger Theaterfabrik war beim Gastspielauftakt am Dienstagabend glücklich, gleich zwei Fernsehlegenden zum Greifen nah erleben zu dürfen: den schon erwähnten Herbert Köfer und Ingeborg Krabbe. Vital und dabei hintersinnig, melancholisch, teils überdreht, aber nie als Rampensau spielt Köfer diesen Senior, der seine schönsten Szenen immer dann hat, wenn er sich eingesteht, trotz nie erlahmender Hilfsbereitschaft seit dem Tod seiner Frau doch sehr, sehr einsam zu sein.

Die Krabbe gestaltet ihre Wandlung von der verbiesterten, die Männer rundum verachtenden Nachbarin zu einer Seniorin, die ideenreich und witzig sein kann, vor allem durch ihr sparsames Spiel und über ihre nuancenreiche Sprache.

Mit Dorit Gäbler ist eine weitere Fastlegende auf der Bühne. Die Dresdnerin - warum hat man sie nur in ein Fass gesteckt, anstatt sie ein Hildegard-Knef-Chanson trällern zu lassen? - ist immer noch ein Hingucker und eine akkurate Stichwortgeberin.

Uwe Karpa poltert als Carsten Lowitzki vor allem laut durch die Szene. Und dabei kann er mehr, als über einen Zaun steigen - oder besse: darüber rutschen. Als Julia sit Lisa Klabunde eingesprungen und gefällt vor allem durch ihr unaufdringliches leises Spiel.

Bleiben noch ein paar Sätze für Christian Kühn übrig. Er ist nicht nur der Mit-Autor des Stücks, sondern der wagemutige Direktor der Comödie Dresden (dafür Chapeau!), die diese Produktion auf die Bühne gebracht hat. Und er spielt gleich vier Rollen: Er ist der stotternde, von Bienen geplagte Briefträger, das Bondgirl 17, der schwule Friseur Locke junior und ein Schnösel von Fernsehmoderator namens Marc Schuster. Der 30-Jährige ist ein Komiker, der gern überdreht.

Regisseur Dominik Paetzholdt hätte ihn dabei ein wenig bremsen müssen. Weil manchmal etwas weniger Überdrehtheit deutlich mehr Vergnügen bereitet. Dennoch: Wer Volkstheater mag, das zwischen Ohnsorg und Komödienstadel pendelt, wird bei "Rentner haben niemals Zeit" in der Leipziger Theaterfabrik zwei unterhaltsame Stunden verbringen.

i"Rentner haben niemals Zeit" in der Theater Fabrik Sachsen, bis 12. Mai täglich außer montags.Tickets gibt's im LVZ-Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftstsellen, unter www.lvz-ticket.de und über die gebührenfreie Tickethotline 080021811050

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.05.2013

Rolf Richter

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