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"Richtung Kunst": Spinnerei-Galerien locken bis Sonntag zum großen Herbstrundgang

"Richtung Kunst": Spinnerei-Galerien locken bis Sonntag zum großen Herbstrundgang

"Richtung Kunst" lautet das Motto, unter das rund 20 Galerien auf dem Spinnerei-Gelände im Leipziger Westen den großen Herbstrundgang gestellt haben. Das Wetter zeigte sich besser als vorhergesagt, und so genossen die Besucher die bewährte Mischung aus Event, Familienausflug und Kunst.

Leipzig. Lockere Atmosphäre, ungewöhnliche Einblicke - die Spinnerei blieb ihrem Ruf treu: Je unaufgeregter, desto schöner.

Samstag ist das Gelände bis 21 Uhr geöffnet, am Sonntag können die Gäste von 11-18 Uhr auf Ausstellungs-Expedition gehen.

Fotos vom Spinnerei-Rundgang am 17. September

Dabei erlebt Leipzig am 17. und 18. September das Kunstwochenende des Jahres: Am Freitagabend wurde im  Museum der bildenden Künste die Max-Beckmann-Ausstellung "Von Angesicht zu Angesicht eröffnet, in Spinnerei und Tapetenwerk zeigen die Galerien ihre ganze Bandbreite.

Noch Mitte der 90er gehörte zu den Abenteurern, wer auf dem Gelände der Baumwollspinnerei seine Leinwand spannte. Als Besucher nahm man die Tristesse in den Straßen ringsherum mit einer gewissen Beklommenheit wahr. An diesem Wochenende wird nun kaum ein Parkplatz frei bleiben und buntes Getümmel die Spinnerei überziehen. Nicht nur wohlbehalten, sondern gespickt mit Kunsteindrücken, gern auch mit einer Quittung für ein Art-Invest-Objekt in der Tasche, wird man das Begängnis beenden. Seit 2005 währt der Spinnerei-Boom parallel zu dem um den Markenbegriff der Neuen Leipziger Schule.

Fotos vom letzten Spinnereirundgang:

Was kann man erwarten, wenn es bei Eigen+Art um das Thema Konsum geht, wenn die Galerie Kleindienst mit Corinne von Lebusa eine Rauch-Schülerin ausstellt und wenn in der Maerzgalerie Hans Aichinger und Steffen Junghans als arrivierte Vertreter künstlerischer Fotografie und gegenständlicher Malerei im Doppelpack gezeigt werden? "Die beiden stehen jeder für sich sehr sicher in ihrem Metier", meint Galerist Torsten Reiter. Ideelle und formale Berührungspunkte seien bislang nur unter vier Augen besprochen worden. "Junghans vermag es, mit seinen Inszenierungen vor dem Objektiv Möglichkeiten von Wirklichkeit vorzuschlagen und die Verbindlichkeit des Abbildes aufzuheben. In Aichingers Werken werden die Figuren aus Schattenstufen modelliert, ihre Sichtbarkeit bestimmt das Gesetz des Lichts." Reiter spricht von einem "vorläufigen Endpunkt" einer 100 Jahre währenden "turbulenten Parallelexistenz" von Fotografie und Malerei.

Bei Eigen+Art wird ein altes Thema aufgegriffen, allerdings nicht konsumkritisch, sondern spielerisch. Christine Hills Nachbau eines Kaufmannsladens fragt nach dem Konsumverhalten an sich und nach den Lebensräumen, die kleine verschrobene Läden formieren. "Dort findet man Dinge, die es so nicht mehr gibt", beschreibt Galerist Gerd Harry Lybke diese Art Wunderkammer. "Es geht darum, die kleinen Dinge des Lebens, die man angesammelt hat, in ein Ordnungsprinzip zu bringen."

Motivisch treu geblieben ist sich Johannes Rochhausen, der in der Galerie ASPN großformatige Zeichnungen ausstellt, die die Stimmung seines Ateliers wiedergeben. Das Thema Wald findet sich sowohl in den digital bearbeiteten Collagen von Ruth Habermehl in der Galerie Filipp Rosbach als auch in den fast reliefartig gemalten Bäumen und Zweigen von Helge Hommes. Der Aachener Autodidakt und Baumfreak wird in der Galerie Queen Anne gezeigt, die vom Tapetenwerk in die Spinnerei übergesiedelt ist.

Werkschauhalle: Experimentelles rund um das Meißner Porzellan

In der Werkschauhalle ist der Versuch zu sehen, mit altehrwürdigem Material neue Wege zu beschreiten. 28 Artists in Residence rieben sich anlässlich des 300-jährigen Bestehens der Meißener Porzellan-Manufaktur an Grenzen und Möglichkeiten des Porzellans. Am frischesten wirkt dabei die Arbeit der Berlinerin Cornelia Schleime. Radierungen der Meisterklasse Rauch locken ins Atelier für Radierung Ondrej in der angrenzenden Thüringer Straße.

Auch um Grafiken, allerdings um Holzhochdruck, geht es im Tapetenwerk an der Lützner Straße. In der Ausstellung "Versus" in Halle C01 werden Arbeiten von acht Künstlern gezeigt. Nebenan bei Hoch+Partner gibt es einen Überblick über das Schaffen von Stephanie Marx und Gabriele Sperlich. Auf dem Weg zur Innenstadt kann man einen Abstecher in die Galerie Potemka in der Aurelienstraße machen, wo Johannes Tiepelmann sich malerisch selbst kopiert und sampelt. Die Galerie Irrgang zeigt in der neuen Niederlassung am Dittrichring 6 Malerei von Bianka Weiß.

Anna Kaleri

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