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Rival Sons bieten in Leipzig eine Lehrstunde des Rock

Zeitreise durch die Musikgeschichte Rival Sons bieten in Leipzig eine Lehrstunde des Rock

Erdiger Rock statt Bombast-Show: Die US-Amerikaner Rival Sons lassen ihre Musik für sich sprechen. Beim exklusiven Gig im Leipziger Werk 2 zeigt das Quartett, dass Rock auch im 21. Jahrhundert nach wie vor quicklebendig ist.

Pure Lust am Rock’n’Roll: Rival Sons im Leipziger Werk 2.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Klassische Rock-Shows sind inzwischen durchaus Mangelware. Wie im gesamten Musikzirkus gilt auch im Gitarrengenre inzwischen allerorten das Höher-Schneller-Weiter-Prinzip. Den Beweis, dass es auch anders geht, sprich: ganz ohne bombastische Pyro- und Lichtshow, haben am Montagabend die US-Amerikaner von Rival Sons vor 450 Fans in der ausverkauften Halle D des Werk 2 angetreten.

Grandiose Show ganz ohne Bombast

Dass an diesem Abend ganz die Musik im Vordergrund steht, macht schon ein sympathisches Schild neben dem Einlass deutlich: Freundlich, aber bestimmt, weist man darauf hin, dass der Einsatz von Handys im Publikum während der Show auf ein Minimum begrenzt werden soll. Stattdessen solle man doch ganz das Konzert genießen. Eine Aufforderung, die ankommt, denn tatsächlich wird die Atmosphäre nur selten von blinkenden LED-Screens gestört.

Dass es hier und heute lohnt, sich voll und ganz auf die musikalische Darbietung zu konzentrieren, wird schon beim standesgemäß mit exakt 26 Minuten Verspätung vom Band tönenden Ennio-Morricone-Intro deutlich. Gänzlich ohne Allüren entert die Band die Bretter und fegt mit dem eröffnenden „Electric Man“ bei vom Start weg glasklarem Sound alle Bedenken weg. Hier steht breitbeiniger Rock auf dem Programm, wie er klassischer nicht gespielt werden könnte. Die Band wirkt bei der exklusiven Headliner-Show abseits der derzeit laufenden Tour als Support der britischen Altmeister von Black Sabbath sichtlich gelöst. „Es tut gut, endlich mal wieder in einem Club zu spielen“, betont Fronter Jay Buchanan gleich mehrfach im Verlauf der knapp unter zwei Stunden langen Lehrstunde.

Musikalische Vollbedienung

Überhaupt Buchanan: Der schmächtige Sänger verwandelt sich ab dem ersten Ton in ein furioses Energiebündel, säuselt in den ruhigen Momenten, legt eine angemessene Portion Soul in die Stimme und entlockt seiner schmalen Brust immer wieder eine Ehrfurcht gebietende Rock-Röhre, die sich in den besten Momenten vor Vergleichen mit Genre-Größen wie Robert Plant oder Ian Gillan nicht verstecken muss.

Seine Mitstreiter stehen dem in nichts nach. Basser Dave Beste und Tour-Keyboarder Todd E. Ögren-Brooks (mit ZZ Top-Gedächtnisbart) legen einen dichten Groove-Teppich, Drummer Mike Miley verpasst Songs wie „Secret“, „Tied Up“ oder „Thundering Voices“ den nötigen Punch. Taktgeber am heutigen Abend ist aber Gitarrist und Mastermind Scott Holilday, der seinen sechs Saiten die gesamte Genre-Bandbreite entlockt: Vom Hardrock-Riff über Slide-Soli bis zu psychedelischen Einsprengseln ist alles vertreten.

Zeitreise durch die Rock-Geschichte

Und so rattert sie dahin, die musikalische Zeitmaschine. Die Spots werden zu Discokugeln, Scheinwerfer zu Lava­lampen. Was draußen ist, interessiert nicht. Es zählt nur das Hier und Jetzt, man geht gemeinsam in der Musik auf. Kaum verwunderlich, dass im Anschluss an das vermeintlich den Abend beschließende „Keep On Swinging“ ohrenbetäubende Zugabeforderungen laut werden – die die Band mit dem bedächtigen „Where I’ve Been“ und dem furiosen „Gypsy Heart“ umgehend befriedigt.

Das Fazit fällt dann auch denkbar leicht: Zuschauerzuspruch und immer größere Bühnen hin oder her, diese Band gehört in die kleinen Clubs, in den „Kochtopf“, wie Sänger Buchanan betont, braucht die räumliche Enge, um ihre Energie mit aller Macht zu entfalten. Blickt man am Montagabend in die umstehenden Gesichter ist klar, dass wohl jeder Anwesende unumwunden zustimmen würde. Ganz, ganz stark!

Von Bastian Fischer

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