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Road Movie durchs Dorfidyll: Leipziger Autor Boris Koch mit „Die Mondschatzjäger“

Jugendbuch Road Movie durchs Dorfidyll: Leipziger Autor Boris Koch mit „Die Mondschatzjäger“

Viel Witz, viel Tempo: Der Leipziger Jugendbuchautor Boris Koch hat mit „Die Mondschatzjäger“ einen Roman geschrieben, der junge und nicht mehr ganz so junge Leser gleichsam in Atem halten dürfte.

Lebt seit 2015 in Leipzig: Fantasy- und Jugendbuchautor Boris Koch, 43.

Quelle: privat

Leipzig. Eine rasante Schnitzeljagd mit Slapstick-Faktor. Ein bayerisches Dorf, über dessen Dächern Papageien auf die Bewohner schimpfen. Selbstgerechte Erwachsene mit dem Hang, sich lächerlich zu machen. Eine Porzellanprinzessin, die immer gewinnt. Und ein kleiner Bruder, der sich als wahrlich unkaputtbar herausstellt. Der Neuleipziger Schriftsteller Boris Koch hat einen Abenteuerroman mit viel Witz und Tempo geschrieben, der junge und nicht mehr ganz so junge Leser gleichsam in Atem halten dürfte.

„Die Mondschatzjäger“ heißt das Buch. Der Titel bezeichnet den zehnjährigen Ich-Erzähler Hagen, seinen besten Freund Robbie und Hagens kleinen Bruder Axel. Am ersten Tag der Sommerferien veröffentlicht die Dorfzeitung das Testament des alten Ringler, der sein Vermögen, so steht es da, zum Mond schießt. Ein erster von vielen Hinweisen, für die es den erwachsenen Figuren einfach an Fantasie fehlt.

Koch, vor 43 Jahren geboren und in der Nähe von Augsburg aufgewachsen, lebt nach Jahren in Berlin mittlerweile mit der Schriftstellerkollegin Kathleen Weise und ihrer gemeinsamen Tochter in Leipzig. Für seinen Jugendkrimi „Feuer im Blut“ erhielt er 2008 den Hansjörg-Martin-Preis, 2013 zeichnete die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur seinen Roman „Vier Beutel Asche“ aus. Bevor Koch seine Schaffenskraft in erster Linie auf Jugendliteratur legte, hatte er sich mit Vorliebe im fantastischen Genre umgetrieben. Er ist unter anderem Autor der mehrteiligen und ziemlich erfolgreichen „Drachenflüsterer“-Saga. Mit Christian von Aster, dem langjährigen Leipziger Fachmann für poetische Düsterkeit, und anderen Kollegen formierte er bis vor zwei Jahren die Lesebühne „Stirnhirnhinterzimmer“.

Fettnäpfchen von der Hundekacke bis zum Arena-Stier

Ein wenig von dieser Vorliebe fürs Übersinnliche färbt auch auf Kochs Mondschatzjäger ab. Die „Wandelnden Geister“ nennen Hagen, Robbie und ihre kleinen Brüder Axel und Oskar (der aber mit Fieber im Bett liegt) ihre Gang. Die moralischen Grundsätze borgt sich die Bande von der 80 Jahre alten Comicserie „Phantom“. Auf ihrer Schatzsuche ergeben sich viele Fragen, die so klug sind, dass nur ein Kind sie stellt. Werwölfe sind ohne Vollmond normale Menschen, Vampire liegen bei Sonnenschein im Sarg, klar. Aber „wo sind Geister bei schönem Wetter?“ Und wie ist das mit der Ehre, wenn man um sie in einen Wettbewerb tritt? Man verliert die Ehre ja paradoxerweise nur, wenn man sie gar nicht aufs Spiel setzt.

Je mehr sich die Schnitzeljagd zu einem Road Movie durchs Dorfidyll weitet, desto weniger bleibt dem Trio jedoch der Atem für solche Überlegungen. Immer irrwitziger muten die Fettnäpfchen an, in die Tollpatsch Axel stolpert. Robbt er zu Beginn eher harmlos durch Hundekacke, jagt ihn später ein ausgewachsener früherer Stierkampf-Champion über eine Kuhweide. Wie gut, dass die Hauptsorge der Mutter bei ihren fortwährenden Handy-Anrufen der Frage gilt, ob sich die Jungs ausreichend mit Sonnenmilch eingecremt haben. Und wie gut, dass Koch als Schöpfer des Ganzen auf Nachfrage bestätigt, dass sein eigener, zwei Jahre jüngerer Bruder Alex, dem das Buch gewidmet ist, zwar ebenfalls keiner sei, „der groß jammert“, dass er aber in seiner Kindheit weitgehend von Blessuren verschont geblieben sei.

Die wahllos schimpfenden Papageien, die der alte Ringler offenbar vor seinem Tod noch schnell freiließ, tragen das Ihrige nicht nur zur Piratenschatz-Atmosphäre, sondern auch zum herrlich überdrehten Spaß bei, den man als Leser an der Geschichte hat. Als junge Leserin vielleicht nicht ganz so sehr. Robbies Cousine Eleanor, die ebenso nach Ringlers Schatz sucht, taugt jedenfalls nicht unbedingt zur Identifikationsfigur. „Die Mondschatzjäger“ ist ein Jungsbuch und hält an der klassischen Rollenverteilung fest. „Prinzessinnen nervten in allen Geschichten am meisten“, stellt Ich-Erzähler Hagen einmal fest. In Boris Kochs nächsten Jugendromanen könnte sich das freilich ganz anders gestalten. Wenn seine kleine Tochter erstmal im Lesealter ist ...

Boris Koch: Die Mondschatzjäger. Roman, Verlag „Heyne fliegt“, München 2016, 304 Seiten, 12,99 Euro

Von Mathias Wöbking

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