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Rock im Technoschuppen: Landgraf mit neuem Album in der Distillery

Rock im Technoschuppen: Landgraf mit neuem Album in der Distillery

So sehr rockt in der Distillery selten eine Band geradeaus wie Donnerstagabend Landgraf. Die hochkarätig besetzte Leipziger Gitarrenband feiert das Erscheinen ihres Albums "Mindfield" beim Label "Cäsar Music".

Wahrscheinlich haben noch nicht so viele von der Leipziger Band Landgraf gehört. Obwohl es die Kapelle schon seit 2009 gibt. Noch viel länger sind die einzelnen Musiker dieses an jeder Position in Bestbesetzung spielenden Teams aktiv. Für den Bandnamen konnte sich der Gründer, Songschreiber und Frontmann praktischerweise gleich beim eigenen bedienen: Enrico Landgrafs jetzt veröffentliche Songs sind zum Teil sehr lange und gründlich erprobt, das Album ist ein Art "Best Of" der Kompositionen aus den letzten Jahren. Landgraf lässt sich einfach die Zeit, die es braucht für eine runde Veröffentlichung: "Die Band existiert schon seit so vielen Jahren, und erst jetzt ist die musikalische Konstellation die richtige, um unsere Songs zu verewigen".

Die erwähnte Konstellation hat es tatsächlich in sich. Über den segensreichen Einfluss von Musikern mit Migrationshintergrund auf die hiesige Szene ist schon berichtet worden: Bei Landgraf sorgt der Brite Michael Hull an der Gitarre für Druck - der Mann hat schon bei Godflesh und The Mission gespielt! Den Bass bedient Felix Richter, einigen vielleicht noch bekannt von der Kultcombo Letzte Instanz aus Dresden. Hinterm Schlagzeug wirbelt Torsten Wolf, der einst bei den Schkeuditzer True-Metallern Factory Of Art begeisterte und viele Jahre mit Art Of Voices ordentlich im Geschäft war. Auch die Riege der Gastmusiker enthält bekannte Namen, erwähnt sei Till Uhlmann an der Violine.

Auf dieser Basis lässt sich eine Menge aufbauen. Landgraf verzichtet jedoch auf jede Effekthascherei. Er setzt auf schwer gitarrenorientierten Geradeausrock mit allerlei Überraschungen und persönlichen, durchdachten Texten. Auf die Frage nach musikalischen Anknüpfungspunkten nennt er Namen wie Foo Fighters oder Counting Crows. Textlich ist schon der Name des Albums Ausdruck für den Hintersinn seiner Aussagen. "Minefield" heißt das titelgebende Stück - die Platte selbst dann allerdings "Mindfield": "Da es in den Texten viel um die Gedanken im Kopf geht, jenes Kopfkino, was man mit sich herumträgt und das einen teilweise ausbremst, fand ich 'Gedankenfeld' gar nicht so unpassend -", erläutert Landgraf: "So ein Mindfield ist manchmal gar nicht so weit weg von einem Minefield!"

Veröffentlicht wird das Ganze übrigens bei "Cäsar Music", jenem Label, das die Partnerin der verstorbenen Musiker-Legende Peter "Cäsar" Gläser in dessen Geist weiter führt. Enrico Landgraf und Peter Gläser haben sich gut gekannt, Cäsar hat zwei Kompositionen von ihm veröffentlicht. Das vorliegende Album hätte dem Schöpfer von "Wer die Rose ehrt" ganz sicher auch gut gefallen.

Wie gewagt-gewitzt Landgraf um die Ecke denkt, zeigt auch die Wahl des Ortes für die heutige Record-Release-Party: "Ich wollte das nicht in den altbekannten und abgelaufenen Blues- und Rockläden machen, wo irgendwie von vorne herein schon alles klar ist. Statt dessen fand ich den Gedanken gut, mal in einem Technoschuppen Rock zu spielen. In der Distillery wird es sowohl für mich als auch für den Laden eine besondere Veranstaltung. Nebenbei hat das den Vorteil, dass niemand eine Rock-Messlatte anlegt. Steffen Kache von der Distillery, den ich gut kenne, hatte auch Bock darauf. Ob das alles am Ende eine gute Idee war, werden wir sehen."

In der Tat eine Herausforderung: An einem Wochentag um eine für die Szene unglaublich frühe Uhrzeit eine erkleckliche Anzahl harter Tille-Stammis in den Laden zu locken, wäre bereits ein großer Erfolg. Dass Landgraf sie dann weich rocken wird, darf dagegen prophezeit werden. Lars Schmidt

Landgraf, Record-Release-Party, Donnerstag, 20 Uhr, Distillery (Kurt-Eisner-Straße 108a). Die CD "Mindfield" kann man für 15 Euro bei Cäsar Music bestellen: office@caesar-music.de; 0341 2118425.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.03.2014
Lars Schmidt

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