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Rod Stewart und der Pophustensaft für die Seele

Arena Leipzig Rod Stewart und der Pophustensaft für die Seele

Die Stimmung ist gut, der Sound manchmal scheppernd, die Show nicht ohne Witz – beim Konzert mit Rod Stewart und Band schnurrt in der Arena Leipzig ein Hit-Mixtape. Ein wenig vom wilden Feger ist auch noch zu sehen.

Wuselndes Wiesel im glitzernden Jackett und schwingender Hüfte: Rod Stewart in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Wenn man ihn heute so hört und sieht, kann man kaum glauben, was der Rod Stewart mal für ein wilder Feger war. Und das meint jetzt nicht nur seine Frisur. Aber egal. Inzwischen wähnt sich der 71-Jährige erklärtermaßen im Herbst seiner Kariere, und da lässt man es halt ruhiger angehen und routinierter sowieso. So auch am Sonntag in der ausverkauften Arena Leipzig, wo Stewart im Rahmen seiner „From Gasoline Alley to Another Country-Hits Tour“ gastierte.

Er liefert ein Konzert ab, das so zügig über die Bühne geht, als wären die Dekaden vom 70er Album „Gasoline“ bis zum letztjährigen „Another Country“ ein Katzensprung und als wäre eine der Prioritäten jene, wirklich allerspätestens um 22 Uhr im Bett zu liegen. Was dann auch bequem zu schaffen war.

Superpünktlich beginnt Stewart seine Show. Und die bietet erst einmal sechs ausgesprochen attraktive Ladies. Backgroundsängerinnen, Geigerinnen, Harfenistin. Sieben Herren decken das restliche Instrumentarium ab; womit insgesamt eine Truppe auf der Bühne steht, die mit der handwerklichen Souveränität gestandener Profis tut, was eben zu tun ist.

Und dann ist da natürlich noch der Rod, der Schotte mit der Reibeisenstimme, ein wuselndes Wiesel im glitzernden Jackett und schwingender Hüfte und zuckendem Hintern. Und immer wieder mit jenem Grinsen, das auch einem älteren Herren etwas wahrhaft jungenhaftes verleiht. Was durchaus an der Wirkkraft einer Songzeile wie „Young hearts be free tonight“ liegen mag, die recht schnell erklingt im Konzert – wie eine Beschwörungsformel für ein Publikum im ja vornehmlich gehobenen Alter. Das darauf tatsächlich anspringt.

Die Stimmung also ist gut in der Arena. Der Sound manchmal scheppernd, meistens passabel, die Show ganz entspannte Routine. Und dabei nicht ohne Witz. Da ballert Fußballfan Stewart etwa (während er das starke „Stay With Me“ aus Faces-Zeiten singt) mit der Begeisterung eines Jungen mehrere Bälle in die Tiefe des Raums der Konzerthalle. Einem Zuschauer in Las Vegas soll die Show-Einlage einen Nasenbeinbruch beschert haben, was Mr. Stewart aber nicht weiter umzutreiben scheint. Ein wenig vom wilden Feger ist eben doch noch da. Gut so!

Ansonsten schnurrt vorrangig das Hit-Mixtape einen Song nach dem anderen. „Can’t Stop Me Now“ erklingt als musikalischer Gruß des Sängers an seinen toten Vater, mit dezent melancholischer Note hinter schottischem Traditionsbewusstsein. Das von Tom Waits gecoverte „Downtown Train“ schrammelt erst nervig mit allzu wummerndem Rhythmus und Geigen, die nicht zu hören sind, um dann doch noch zu beglücken mit einem Saxofon-Solo, das erst funky funkelt und dann jazzig ausklingt.

Ruck-zuck ist der erste Teil vorbei, und sympathischer Weise wird sich auch mit der Pause nicht allzu lange aufgehalten. Das Saal-Licht ist noch an, manches Bier gerade erst gekauft, da gibt es schon einen fetten Blues auf die Lauscher und Bildprojektionen von B.B. King, John Lee Hooker, T-Bone Walker oder Muddy Waters zu sehen. Dessen „Rollin’ and Tumblin’“ wird noch einmal geboten, schön laut und schnörkellos. „Kennt ihr Muddy Waters?“, fragt Stewart danach, und es klingt ein wenig wie die Hoffnung, die zuletzt stirbt. Aber das Publikum, das auf diese Frage mit einem lauten Ja antworten dürfte, hat Stewart wohl lange schon verloren.

Und das nicht ohne Grund, wie das „Akustik Set“ mit Songs wie Cat Stevens „The First Cut Is the Deepest“ oder dem 80er-Hit „Baby Jane“ zeigt. Es ist das Erfolgsrezept Stewarts: Mit kratziger Stimme wird ein Pophustensaft verabreicht, der etwas klebrig süß sein mag, aber bestens geeignet ist gegen Herzschmerz und für die gefühligeren fünf Alltagsminuten sowieso. Und natürlich ist „Sailing“ die Krönung, mit der auch dieses Konzert vollendet wird.

Wobei: Es gibt ja noch eine Zugabe. Ein Lied aus den wirklich wilden Feger-Tagen, als Rod Stewart eben im R&B und Disco-Funk wilderte und dabei diesen wirklich großartigen Song mit der freilich nur rein rhetorischen Frage fabrizierte: „Da Ya Think I’m Sexy?“ erschallt da zum Schluss in der Arena – und auch das könnte eine Beschwörungsformel sein. Schließlich ist es erst kurz nach 21 Uhr. Die Nacht ist also noch jung genug, und die Herzen sind sowieso, auch die Wirkkraft dieser Songzeile mal wieder zu testen.

Von Steffen Georgi

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