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«Roxanne» in der Arena - Sting gastiert mit «Symphonicity»-Tour in Leipzig

«Roxanne» in der Arena - Sting gastiert mit «Symphonicity»-Tour in Leipzig

Es gibt Maler wie den jüngst verstorbenen Bernhard Heisig, für die ein Bild nie fertig ist, die selbst im Museum noch heimlich weiter pinseln. Sting ist auch so ein Typ, mit dem Unterschied, dass er seine musikalischen Übermalungen und Revisionen öffentlich zelebriert.

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Mit seinen zahlreichen Hits begeisterte Sting am Donnerstagabend seine Fans in der Arena Leipzig.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Ein überbordendes Video-und Kompilations-Oevre kündet davon. Vor  knapp einem Jahr legte er das mit dem Londoner Royal Philharmonic Orchestra eingespielte Album „Symphonicities“ vor. Ein Prinzip, das er nun auf gut 20 Songs, aus rauen Police- wie aus flauschigen Solo-Zeiten, übertragen hat.

Der 59-Jährige ist ein viel zu feiner Arrangeur, um sich auf eine platte Pop- trifft-Klassik-Nummer einzulassen. Zumal er ja selbst längst ein Klassiker ist. Drahtig-fit, mit schwarzem Sakko samt Rose im Knopfloch kommt er auf die Bühne, lehnt lässig am Mikroständer, haut auf einen Schellenkranz, der vielleicht deswegen dort angebracht ist, weil er gar nicht weiß, wohin mit sich und seiner Energie.

Den Mut, ganz ohne vertraute Musiker wie den langjährigem Gitarristen Dominic Miller aufzutreten, seine Songs wirklich neu zu formulieren, hat er nicht. Nur phasenweise sind es die 46 Bochumer Symphoniker, die die Grammatik dieses Konzerts bestimmen. Spaß macht dieses Treffen dennoch von Anfang an. Die Police-Nummer „Every Little Thing She Does Is Magic“ von 1981 ist gleich ein Höhepunkt. „Magic, magic, magic“, singt er, was auch für den Rhythmus gilt, den die Streicher hier erzeugen. Traumhaft.

Die ersten Bilder vom Konzert:

Kurz darauf lässt Sting seinen „Englishman In New York“ spazieren. Von dem Stück gibt es Dutzende Cover-Versionen, unter anderem aus Japan, der Türkei und Nigeria. Doch niemand covert Sting hier so gut wie Sting, wenn er in der Arena auch nah bei seiner lässig-jazzigen Originalversion bleibt. Vielleicht, weil die wirklich nicht mehr grundlegend übermalt werden muss. Die Halle klatscht dazu mit, der Meister wirft Luftküsschen zurück. Schon bei „If I Ever Loose My Faith In You“ hat er zur Mundharmonika gegriffen. „Ich weiß sehr wohl, dass ich hier in der Stadt bin, in der Johann Sebastian Bach gewirkt hat“, sagt er zwischendurch. Der Mann weiß, was er tut und wo, doch das Lockere, das Lässige, es wirkt ein bisschen behauptet an diesem Abend. Gordon Matthew Sumner aus Newcastle spielt Sting, die Weltmarke des Crossover.

„Roxanne“, diese bei Police so metallisch-hart klingende Liebeserklärung an eine Prostituierte, bekommt fast Operettenglanz in die Augen, Nicht dass das noch André Rieu übernimmt... Ganz anders „Next To You“ vom gleichen Album, das die Aggressivität des Originals rasant übersetzt. Die Streicher rasen, jagen den Song vor sich her. Doch, doch, das ist Rock! Auch wenn Sting das nicht hören will. Schon 1983 sagte er dem Stern: „Die ganze Rockmusik von 1940 bis 1980 langweilt mich zu Tode.“ Da höre er doch lieber den Schweinen beim Liebesspiel zu.

Sprüche und Widersprüche, auch das ist Sting. Der erklärte Sozialist und Regenwaldaktivist besitzt ein Landgut bei London, ein Apartment am New Yorker Madison Square Garden und betreibt – wenn er denn Zeit dafür findet – Öko-Landbau auf seinem Gut in der Toskana. Ein Hochsicherheitstrakt ist sein Feriendomizil im kalifornischen Malibu. Bei Yoga, Makrobitiotik und Fitness will der Meister nicht gestört werden. Die Welt, die er doch bessern will, soll draußen bleiben.

Hier soll sie es nicht. Hier wird aus allem, was draußen auseinanderfällt, immer gerade dann ein Ganzes, wenn er sich auf die Symphoniker verlässt, wenn das Schlagzeug schweigt und eine einsame Trompete das Ende von „Russians“ ankündigt, dazu Geigen flirren und mit einem Rrrumms der Vorhang fällt. Oder wenn er nach einer 20-Minuten-Pause im Trenchcoat zu „Moon Over Bourbon Street“ eine Geschichte erzählt, das Orchester dazu einen mal dramatischen, mal irren Taumel inszeniert.

Die Fans, in der Mehrheit zwischen 30 bis 50, manche tragen Arschgeweih oder Cowboystiefel, andere kommen im Existenzialisten-Schwarz, feiern ihren Meister so oder so. Spätestens ab „Every Breath You Take“ ist das kein Sitzkonzert mehr. Die Massen zieht es zur Bühne. Mehrere Zugaben gibt es. Als vorletztes Lied das mahnende „Fragile“, schließlich, nur mit Gitarre, „Message In A Bottle“.

Flaschenpost angekommen. Die Botschaft: Schöne Musik!

Jürgen Kleindienst

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