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Ruderpartie im schattigen Sommerloch - Malerei von Undine Bandelin in Leipzig

Ruderpartie im schattigen Sommerloch - Malerei von Undine Bandelin in Leipzig

Im selben Boot zu sitzen, bedeutet nicht zwangsläufig, in die gleiche Richtung zu rudern. Sowieso kann man sich auch einfach nur treiben lassen. Varianten solch einer Schicksalsgemeinschaft spielt Undine Bandelin in einer sechsteiligen Serie von Bildern durch.

Leipzig. Es ist immer die gleiche Siebdruckvorlage, das zugrunde liegende Foto entstand in Vietnam.

Auch wenn die Bilder mehrheitlich eher entspannt wirken, stellen sich doch angesichts fast täglich einflutender medialer Berichte Assoziationen zu Flüchtlingsschiffen im Mittelmeer ein. Oder, kennt man den Herkunftsort des Fotos, auch zu den früheren Boat People in Vietnam.

"Nein, meinerseits gibt es keine politischen Aussagen in den Bildern", sagt aber die Künstlerin. Es ist ein Durchspielen von Möglichkeiten. Künstlerischen Möglichkeiten. Die Personage auf den Bildern bleibt fast gleich, interagiert aber verschieden. Auch die Farbstimmung wechselt, bis hin zum Negativ. Und einmal schiebt sich auch ein anderer Kahn in den Vordergrund, besetzt mit nicht gerade sympathisch aussehenden Gestalten.

Zur Vermutung, es könnte gesellschaftskritische Hintergründe geben, tragen die schablonierten Inschriften in vielen Bilder bei. "Am anderen Ende" kann man lesen. Oder: "die Töchter der Väter". Doch die Künstlerin betont, dass der Ursprung der Bildfindungen ganz in der Traditionslinie des Surrealismus in Traumszenen liegt oder Visionen. Dann erstaunt es aber, wie viel brachiale Gewalt aus der zierlichen Frau mit dem freundlichen Lächeln herausfließt.

Geboren wurde Undine Bandelin 1980 in Jena. Studiert hat sie zunächst an der Bauhaus-Universität Weimar, dann auf der Hallenser Burg Giebichenstein bei Ute Pleuger. Heute lebt und arbeitet sie in Leipzig. Mit Pleugers berechnender Abstraktion hat die erzählerisch-figurative Bildwelt Bandelins nichts zu tun, punktuell aber mit der Neigung zur Serie.

Trotzdem gibt es in der Ausstellung eine ganze Reihe von Malereien, die ganz für sich stehen. Schon von der Größe her fällt die Tafel auf, deren Titel "Die Gedächtnisbrücke" dem Bild einbeschrieben ist. Das Wortspiel ist offenkundig, aus der Lücke wird ein Übergang. Wohin aber, ist offen. Es passiert viel zwischen diesen Menschen und Eseln. Wieder sieht ein Objekt wie ein Boot aus. Das Zerfließen der Konturen und auch die düstere Stimmung mit giftigen Grüntönen lassen die Interpretation des mythologischen Transfers in jenseitige Gefilde zu.

Es ist verlockend, den Bildern kulturenvergleichende Ansätze zuzudichten. Sind dies Hindus beim rituellen Bad im Ganges oder Raver bei der Love Parade? Doch letztlich handelt es sich um Malerei als Eigenwert. Da darf jeder Betrachter gern seine eigenen Geschichten dazu finden, muss es aber nicht. Form, Farbe und Technik stehen für sich selbst. Besonders deutlich wird das am Bild, das der Ausstellung den saisonal so treffenden Namen "Sommerloch" gab. Der Text ist diesmal besonders ausführlich, und poetisch noch dazu: "Erschöpft und wie es weiter kroch, fand es sich im Sommerloch." Welchem Interpreten will es schon so ergehen? Zu sehen ist schließlich ein Kamel vor dem Umriss des eigenen Skeletts.

Undine Bandelin - Sommerloch; Galerie Queen Anne, Spinnereistr. 7; bis 6. September, Di-Fr 13-18 Uhr, Sa 11-18 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.07.2014

Jens Kassner

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