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Ruhig, sanft und friedlich: "Deutsches Requiem" im Gewandhaus

Ruhig, sanft und friedlich: "Deutsches Requiem" im Gewandhaus

Hätte der 33-jährige Brahms gewusst, wie bekannt und beliebt sein Deutsches Requiem einmal werden würde, hätte er wohl weniger an sich und seinen Kompositionen gezweifelt.

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Dirigentin Marin Alsop

Quelle: MDR

Clara Schumann, der er vorab einige Sätze schickte, war sofort von ihnen begeistert und selbst der sonst so launische Musikkritiker Eduard Hanslick lobte die Komposition nach der Uraufführung hymnisch.

"Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden." Dieser Satz bildet die Kernaussage des Werkes, und so stellt Brahms ihn nicht umsonst an den Anfang seines Requiems. Nicht der Verlust und die Trauer um die Toten, sondern der Gedanke an Tröstung und Auferstehung sollen seine Komposition für Chor, Solisten und Orchester dominieren.

Zum Matineekonzert am Sonntag heimst der MDR Chor zu Recht viel und herzlichen Applaus ein. Wenn auch die Frauenstimmen im ersten der sieben Sätze noch zu leise sind, findet das Ensemble doch schnell zur gewohnten Balance. Ob düstere Visionen, liebliche Tröstung, freudige Erwartung oder donnernde Schlussfugen - der Chor liefert jeden Charakter punktgenau.

Diese Änderungen des musikalischen Ausdrucks setzt Brahms auch innerhalb der Sätze sehr bewusst ein sobald sich die Bibelstelle ändert, aus der er seinen Text bezieht. Er nutzt für seine Textauswahl aber nicht die lateinische Liturgie der Totenmesse sondern bevorzugt eine freiere Zusammenstellung in deutscher Sprache. Die ist beim MDR Chor (Einstudierung Nicolas Fink) immer gut verständlich. Schön fügt sich auch die zurückgenommene Begleitung als Hintergrund in das Sopran-Solo ("Ihr habt nun Traurigkeit"), bei dem der Chor auf der Orgelempore ausnahmsweise sitzen bleibt. Dieser fünfte Satz war für Brahms vermutlich eng mit dem Tod seiner Mutter verbunden, aber auch der Tod seines verehrten Mentors Schumann mag im Requiem nachwirken.

Sopranistin Anna Lucia Richter gestaltet ihren Part über Traurigkeit und Trost äußerst sensibel und mit schlanker Tongebung. Bariton Stephan Genz, der weniger geschmeidig phrasiert, sorgt zuverlässig für die nötige Dramatik: "Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbige plötzlich, in einem Augenblick, zu der Zeit der letzten Posaune."

Hier entfesselt Dirigentin Marin Alsop die nötige Energie im Chor und im MDR Sinfonieorchester, das im Gewandhaus inklusive zweier Harfen und Orgel angetreten ist. An dieser Stelle ist auch das allzu getragene Tempo des ersten Satzes vergessen, das aber wiederum Sinn ergibt, wenn sich mit dem melodisch verwandten letzten Satz der Kreis schließt - sehr ruhig, sanft und friedlich. Anja Jaskowski

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.04.2013

Anja Jaskowski

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