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Leipziger Spinnerei zeigt neue Ausstellungen eine Woche früher

Rundgang vor dem Rundgang Leipziger Spinnerei zeigt neue Ausstellungen eine Woche früher

Die Spinnerei-Galerien eröffnen bereits am Samstag ihre neuen Ausstellungen – eine Woche vor dem eigentlichen Frühjahrsrundgang. Grund sind Termin-Kollisionen mit anderen Kunstereignissen, die Gäste abziehen. Zu sehen ist unter anderem „Revolte“ der Leipziger Künstlergruppe Famed.

Objektkunst (im Vordergrund) und die Arbeit „A Circle Full of Ecstasy“ (Hintergrund) von Edgar Leciejewski in der Galerie Archiv Massiv.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ausstellungen sind wie Klassenarbeiten. Sie werden in der Regel auf den letzten Drücker fertig. Eine dieser Deadlines liegt in Leipzig rund um das erste Maiwochenende. Der Große Frühjahrsrundgang der Spinnereigalerien ist längst eines der wichtigsten Ereignisse im Kunstkalender. In diesem Jahr findet er am 29. und 30. April statt – doch die meisten Ausstellungen sind bereits an diesem Samstag (22. April) fertig und von 16–20 Uhr geöffnet. Eine Art Rundgang vor dem eigentlichen Rundgang.

Warum das? Wird das Prinzip der Vorpremieren und Previews jetzt auch auf den Rundgang übertragen? Die Vorverlegung der Eröffnungen habe mehrere Gründe, sagt ASPN-Galeristin Arne Linde. „In diesem Jahr konkurriert der traditionelle Termin gleich mit zwei wichtigen Kunstereignissen – dem Gallery Weekend in Berlin und der Art Cologne.“ Kunstinteressierte von außerhalb würden dann eher nicht nach Leipzig kommen. Für diese und auch für alle anderen gebe es jetzt den früheren Termin.

Zudem, so Arne Linde weiter, habe sich der Rundgang immer mehr zu einem Tag der Offenen Tür entwickelt, an dem nicht nur die Galerien und Ateliers, sondern alle Geschäfte und Einrichtungen in der Spinnerei aufmachen – mit plusminus 10 000 Besuchern. „Und da ist es dann oft schwierig, alle Interessen und Ansprüche, die an so einem Tag zusammenkommen, zu erfüllen. Ich kann dann nicht mal eineinhalb Stunden mit einem Sammler sprechen und gleichzeitig den Gästen erklären, was Kunst ist.“

Das Thema sei unter den Spinnereigaleristen schon länger intensiv diskutiert worden, sagt Linde. Ob nun auch beim Herbstrundgang eine Woche früher geöffnet werde, sei aber noch nicht sicher. Die Befürchtung, dass mit einer neuen Rundgangspolitik der Charme der Veranstaltung, bei der sich Gesellschaftsschichten und Generationen, internationales und lokales Publikum mischen, verloren geht, teilt sie nicht.

Künstlergruppe Famed bittet zur „Revolte“

Kommen wir zur Kunst und bleiben wir erstmal bei der Galerie ASPN, in der sich zum ersten Mal nach fünf Jahren wieder die bereits mehrfach ausgezeichnete Künstlergruppe Famed in einer Einzelausstellung präsentiert und zur „Revolte“ bittet. Ein Thema, das die Leipziger gewohnt leicht und tiefgründig zugleich durchspielen. Es gehe ihnen eigentlich immer darum, Situationen herzustellen, die den Betrachter vor die Frage stellen, ob und wie er sich darauf einlässt, sagen sie. Famed verstehen sich als Regisseure eines Stücks mit offenem Ausgang – und verschiedenen Aufständen. Eine Arbeit besteht aus einer Drehtür, die unter lautem Klack-Klack in die hinteren Räume der Galerie führt, wo auch die Ausstellung weitergeht. Kleines Problem bei der Sache: Sie dreht sich nur in eine Richtung, es gibt kein Zurück.

Falls die Besucher bei ASPN dann doch noch herauskommen, werden sie in der Galerie Archiv Massiv gleich 77 Mal begrüßt. Eine ganze Wand füllt hier Edgar Leciejewskis Arbeit „A Circle Full of Ecstasy“ mit in Presseveröffentlichungen über Jahre gesammelten und in Cyanotypien übertragenen Porträts von Politikern und anderen Würdenträgern, die den rechten Arm zum Gruß heben. Von Paul Biya, dem Präsidenten Kameruns, über Angela Merkel, Obama, der Queen bis zu Mark Rutte, dem Ministerpräsidenten der Niederlande. Grüßen sie alle gleich, die Staatenlenker? Und wer ist gemeint? Dazu zeigt Leciejewski seltsame, kopfartige Gebilde, bei denen Materialien wie Karbon, Keramik, Glas, Porzellan und Zähne recht eigentümlich zusammenfinden.

Thilo Baumgärtels „Eclipse“

Objektkunst ist diesmal recht stark vertreten – mit Fabian Lehnert in der Josef Filipp Galerie und Sebastian Neeb bei Reiter. Rein zahlenmäßig machen wie meistens Malerei und Zeichnung das Rennen: B2 zeigt Selma van Panhuis’ neue Arbeiten auf Leinwand, Gips, Papier und Galeriewand. Bei Eigen+Art ist Melora Kuhns „Drawing Room“ zu sehen, während Kleindienst in Thilo Baumgärtels „Eclipse“ entführt. Zeichnungen von Bastian Muhr sind in der Galerie Jochen Hempel, Holz-, Linolschnitt und Lithografie bei Thaler zu entdecken.

Es ist allerdings nicht alles anders: Die Gruppenausstellungen „Open the Narrative“ in der Werkschauhalle 12 und „Übersee“ mit Gegenwartskunst aus der Karibik in Halle 14 werden erst zum eigentlichen Rundgang eröffnet.

Galerieeröffnungen in der Leipziger Baumwollspinnerei (Spinnereistraße 7): 22. April von 16–20 Uhr, Frühjahrsrundgang am 29. April (11–18 Uhr) und 30. April (11–16 Uhr)

Von Jürgen Kleindienst

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