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"Sächsische Zähigkeit"

"Sächsische Zähigkeit"

Leipzig, Stadtgeschichtliches Museum, im Februar 2008. Peter Ruta, Maler aus New York, wurde mit einer Ausstellung gefeiert. Dem gebürtigen Sachsen, am 7. Februar 1918 in Dresden auf die Welt gekommen und für einige Jahre aufgewachsen in Leipzig, ging diese Ehrung sehr zu Herzen.

Nach Jahrzehnten der Abwesenheit von seiner einstigen Heimat war er zurückgekommen. Er tauchte im hohen Alter noch einmal ein in die Familiengeschichte.

Sein Vater, der Pelzhändler und Schriftsteller Walther Franke (1890-1958), schrieb für die satirische Zeitschrift "Der Drache" und war Mitbegründer des literarischen Kabaretts "Retorte", in dem Künstler wie Joachim Ringelnatz, Kurt Schwitters und Erich Weinert auftraten. Seine Mutter, Else Stein (1893-1985), stammte aus einer jüdischen Familie mit dem Verleger und Kunstsammler Gustav Kirstein. Dieser war in den 1920er-Jahren bis zu Hitlers Machtantritt einer der Geschäftsführer des erfolgreichen Seemann-Kunstverlags.

Lange vor 1933 emigrierte die Familie Franke nach Italien. Ruta hieß das Dorf an der Ligurischen Küste, dessen Namen künftig Peter für sich annahm. Er wanderte 1936 in die USA aus, begann seine Karriere als Maler, musste für die USA in den Krieg ziehen und fand später seine künstlerische Heimat in Italien, so im Künstlerkreis von Peggy Guggenheim in Venedig und vor allem in Positano an der Amalfiküste.

Zu Rutas intensivem Leben gehört aber auch der 11. September 2001, der Terroranschlag auf das World Trade Center. Zu seinem persönlichen Glück befand er sich an jenem Morgen nicht in seinem Atelier im 91. Stock der zum Einsturz gebrachten Bauwerke. Er überlebte, seine letzte Ansicht New Yorks wurde zerstört. Er schuf sie später noch einmal aus dem Gedächtnis.

Heute wird Peter Ruta 97 Jahre alt. Er malt noch immer und spricht von einer "sächsischen Zähigkeit", die ihn auszeichnet. So steht er fast jeden Tag vor der Staffelei in seinem Atelier in Lower Manhattan und ist zufrieden, auch in so einem Methusalem-Alter noch tätig sein zu können. Grüße aus Leipzig erfreuen ihn immer besonders: "Was war ich gerührt, als ich nach so vielen Jahren in der Humboldtstraße unser Wohnhaus und in der Tschaikowskistraße und Emil-Fuchs-Straße weitere Häuser der Familie finden konnte."

Über Jahrzehnte war für Ruta "Leipzig sehr weit weg". Bis die eigentlich nicht mehr für möglich gehaltene Rückkehr mit einer wunderbaren Ausstellung Ereignis werden konnte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.02.2015
Thomas Mayer

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