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Schau in Dresden erinnert an vertriebene Künstler in NS-Zeit

Schau in Dresden erinnert an vertriebene Künstler in NS-Zeit

Unter dem Titel „Verstummte Stimmen“ erinnert von Sonntag an eine Ausstellung in Dresden an die Vertreibung von Künstlern in der NS-Zeit. Nach der Machtergreifung der Nazis hatten neben Musikern und Schauspielern auch technische Mitarbeiter die Bühne verlassen müssen.

Dresden. Ein Team um den Hamburger Historiker Hannes Heer listet 49 Vertriebene auf, betroffen waren Juden und Nichtjuden. Die Mehrzahl überlebte den Krieg in Deutschland, 14 gelang die Flucht ins Exil. Drei wurden deportiert und ermordet - die Schauspieler Jenny Schaffer und Otto Bernstein sowie der Musiker Arthur Chitz. Prominentestes Beispiel ist der Dirigent Fritz Busch, der am 7. März 1933 aus der Oper gejagt wurde. Die Ausstellung ist bis 13. Juli im Schauspielhaus und in der Oper zu sehen.

„Der Nationalsozialismus hat sehr früh über die Kunst den Weg zum Bürgertum gefunden“, sagte Semperoper-Intendantin Ulrike Hessler am Freitag bei einer Vorbesichtigung der Ausstellung. In deren Kuratorium sitzen unter anderen der Maler Gerhard Richter und die Dirigenten Christian Thielemann und Michael Gielen, dessen Vater Josef Gielen selbst zu den Vertriebenen des Schauspielhauses gehörte. Vorsitzender ist der frühere FDP-Bundesinnenminister Gerhart Baum, der als Kind mit seiner Mutter die Semperoper vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg besuchte. Nach Baums Worten kann es keinen Schlussstrich unter diese Zeit geben. Es sei wichtig zu dokumentieren, was einzelnen Menschen damals geschah.

Dresden ist nicht der erste Ort, der den „Verstummten Stimmen“ wieder einen Klang gibt. Das Projekt wurde erstmals 2006 vom „Hamburger Abendblatt“ und der Hamburgischen Staatsoper erarbeitet. Nachdem die Geschichte der Theater in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Darmstadt aufgearbeitet ist, sollen 2012 die Bayreuther Festspiele folgen. In Dresden ist ein umfangreiches Begleitprogramm geplant, das außer Filmen mehrere Vorträge enthält. Heer zufolge soll auch das zur „Entmythologisierung“ beitragen. Gerade in Dresden gebe es in diesem Zusammenhang viele Legenden. Tatsächlich hält sich bei Einheimischen hartnäckig der Mythos, wonach Dresden mit Künstlergruppen wie der „Brücke“ oder dem Ausdruckstanz stets ein Hort der Moderne war.

Erstmals bei seinen Recherchen in den Theaterarchiven fand Heer in Dresden Belege dafür, dass ausländische Zwangsarbeiter an den Bühnen beschäftigt wurden. In einem Katalog zur Ausstellung sind Schicksale Betroffener beschrieben.

dpa

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