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Schaubühne Lindenfels widmet den September Bertolt Brecht

Schaubühne Lindenfels widmet den September Bertolt Brecht

Der September in der Schaubühne Lindenfels gehört Bertolt Brecht. Höhepunkt ist die Inszenierung "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" am 30. September. Doch schon vorher zeigt das Haus viel über und von dem 1898 in Augsburg geborenen Literaten.

Leipzig. Filme, Vorträge und Ausstellungen greifen Themen des Theaterstücks und Aspekte aus dem Leben und Werk Brechts auf.

Den Anfang macht "Die Dreigroschenoper" am 1. September um 19 Uhr. Die Spielfilmfassung aus dem Jahr 1962 taucht, Brechts und Kurt Weills parodistisch-musikalischer Komödie folgend, ins Londoner Unterweltmilieu um den Gangster Mackie Messer ein.

Am selben Tag um 20 Uhr erzählt der Film "Abschied – Brechts letzter Sommer" von Jan Schütte in ruhigen, melancholischen Bildern über den letzten Ferientag, den Brecht (Josef Bierbichler) in einem brandenburgischen Sommerhaus mit den Frauen seines Lebens verbringt: Ehefrau Helene Weigel (Monica Bleibtreu) und Tochter Barbara sowie Assistentin Elisabeth Hauptmann, die alte Geliebte Ruth Berlau und die junge Schauspielerin Käthe Reichel sind an dem Tag im Jahr 1956 dabei, der einer der letzten von Brechts Leben sein wird.

Dsiga Vertows Dokumentarfilm "Der Mann mit der Kamera" dokumentiert den Tagesabablauf einer großen sowjetischen Stadt. Der Regisseur experimentierte und verzichtete auf narrative und inszenierende Elemente, setzte stattdessen auf die Wirkung der Montage: Filme sollten das Leben seiner Überzeugung nach ausnahmslos so zeigen, wie es ist. Ein ähnlicher Ansatz, wie ihn Brecht in seinem Theaterschaffen verfolgte, indem er alles Desillusionierende aus seinen Stücken verbannen wollte, um eine klare Unterscheidung von Theater und Realität zu schaffen. Dsiga Vertows Film ist am 8. und 9. September um 19 Uhr im Treppenkino des Hauses zu sehen.

Auch heute noch ein Thema

Mit dem Proletariat setzt sich Michael Glawogger in seinem Film "Workingman's Death" aus dem Jahr 2005 auseinander. Eine Thematik, mit der sich auch Brecht beschäftigte und die mehr als 50 Jahre nach dessen Tod noch immer aktuell ist, auch wenn Glawoggers Ansatz die Frage ist, ob die Arbeiterklasse eventuell ausstirbt. Zu sehen am 18. September um 19 Uhr im Treppenkino der Schaubühne.

Den krönenden des Brecht-Monats bereitet das Ensemble/Phoenix5 am 30. September um 20.30 Uhr mit der Uraufführung des Theaterstücks "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe".

"Turbokapitalismus", "Börsenspekulation" und "Wirtschaftskrise" sind momentan häufig gebrauchte Begriffe, doch die Probleme des Kapitalismus bestehen seit Jahrzehnten. Schon vor 80 Jahren schrieb Brecht "Die heilige Johanna der Schlachthöfe", thematisch könnte es auch heute spielen.

Im Chicago zu Zeiten der "Großen Depression" gelingt es dem gerissenen Spekulanten Pierpont Mauler, seine Vorteile aus der Krise am Fleischmarkt zu ziehen. Johanna Dark glaubt an das Gute im Menschen und will den entlassenen Arbeitern helfen. Je mehr sie Mauler jedoch mit ihrer Moral zu beeindrucken scheint, desto erfolgreicher läuft dessen Spiel. Als Johanna diesen Mechanismus durchschaut, wird sie für das System zur Gefahr.

Parallelen in der Jetztzeit

Der gesamte Monat, dem die Veranstalter den Beinamen "b. b. – brecht boni" gegeben haben, wird von einer Ausstellung  mit Arbeiten der Dresdner Künstlerin Stefanie Busch im gerahmt. Unter dem Titel "The Good Times Are Killing Me" zeigt sie die Entwicklung des urbanen Raums in Detroit: Mit seinem  verödeten Stadtzentrum steht Ort für die Auswirkungen der Finanzkrise in den USA. Eio weiteres Beispiel für die Aktualität der Probleme des Kapitalismus, die ercht bereits vor Jahrzehnten kritisierte.

Während eines dreimonatigen Stipendienaufenthalts in Amerika sammelte Busch ihr Material. Aus Dokumenten und Fotografien entstand die Arbeit "The Good Times Are Kiling Me", die vom 9. September bis  3. Oktober im Untergeschoss der Schaubühne zu sehen sein wird.

"Die heilige Johanna der Schlachthöfe" wird auch am 1. und 2. Oktober, jeweils um 20.30 Uhr, gespielt. Alle Beiträge des Filmprogramms werden mehrfach gezeigt. Die Startzeiten und weitere viele Programmpunkte der umfangreichen Hommage an den Literaten finden Sie hier.

Holger Günther

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