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Schauspiel-Defizit: Stadt Leipzig prüft Schadensersatz – Hartmann wittert Betrug

Schauspiel-Defizit: Stadt Leipzig prüft Schadensersatz – Hartmann wittert Betrug

Das Drama um das Minus nach der Intendanz Sebastian Hartmanns am Leipziger Schauspiel nimmt immer groteskere Züge an. Die Stadtverwaltung prüft nach dem von externen Wirtschaftsprüfern bestätigten Defizit von knapp einer halben Million Euro Schadensersatzansprüche gegen den 46-Jährigen.

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Wurden die Bilanzzahlen des Leipziger Schauspiels manipuliert? Ex-Intendant Sebastian Hartmann widerspricht den Ergebnissen der erneuten Finanzprüfung. Die Stadt prüft dagegen Schadensersatzansprüche gegen den 46-Jährigen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Hartmann selbst reagierte am Montag dagegen mit Erstaunen auf die neuen Vorwürfe. Er beharrt weiter darauf, seine Intendanz Ende Juli 2013 mit einem Überschuss beendet zu haben.

Mit 476.000 Euro hätten unabhängige Wirtschaftsprüfer das Minus beziffert, ließ die Stadt am Freitag in einer knappen Mitteilung verlauten. Einen Verlust in Höhe von 167.000 Euro und einen nicht erzielten Überschuss von 309.000 Euro lastet die Verwaltung Hartmann an. „Der Intendant ist seiner Gesamtbudgetverantwortung nicht nachgekommen“, betonte Stadtsprecher Matthias Hasberg am Montag. Wodurch das Defizit entstanden sei, wollte er auf Anfrage nicht näher erörtern. „Wir halten es nicht für hilfreich, jetzt auf einzelne Veranstaltungen mit dem Finger zu zeigen.“ Das Gutachten selbst verursachte nach Informationen von LVZ-Online Kosten in Höhe von mehreren tausend Euro.

Hartmann: „Bilanzen müssen verschoben worden sein“

Der Ex-Centraltheater-Intendant fühlt sich von der Stadt hintergangen. Gegenüber LVZ-Online sprach Hartmann von „großer Verwunderung“ über das Prüfergebnis und bemängelte die fehlende Transparenz. „Zu keiner Zeit existierte eine Vereinbarung zwischen mir, der Stadt und Herrn Lübbe, einen Planüberschuss von 309.000 Euro für meinen Nachfolger zu hinterlassen“, betonte er. Dass unterm Strich ein Defizit von 167.000 Euro entstanden sein soll, schiebt er auf eine Manipulation durch Dritte. „Irgendwo müssen Bilanzen zu meinen Ungunsten und zugunsten von Herrn Lübbe verschoben worden sein“, so Hartmann.

Der 46-jährige Ex-Intendant hatte bereits im Dezember Strafanzeige wegen Verleumdung gegen seinen Nachfolger Enrico Lübbe und Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) gestellt. Er ist der Meinung, dass kurz vor Ende seiner Amtszeit im Juni 2013 ein Plus in Höhe von 56.000 Euro zu Buche stand. „Bei Herrn Lübbe waren es plötzlich 250.000 Euro Minus“, so Hartmann. Stadtsprecher Hasberg widerspricht diesen Behauptungen vehement. Es habe sehr wohl ein Defizit gegeben, dessen Verantwortung Hartmann zu tragen habe. Auch eine Vereinbarung zum Planüberschuss habe existiert, „wie in den Vorjahren auch“, so Hasberg.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Jung und Lübbe

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Muss das Defizit seines Vorgängers ausgleichen: Neu-Intendant Enrico Lübbe.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Das neue Bilanzgutachten liegt zwar Hartmann noch nicht vor, wohl aber der Leipziger Staatsanwaltschaft. „Der Bericht wird derzeit geprüft“, sagte Sprecher Ricardo Schulz. Inwieweit die Ergebnisse die Verleumdungs-Vorwürfe Hartmanns entkräften, dazu wollte der Oberstaatsanwalt keine Bewertung abgeben. Der Ex-Intendant hatte im Dezember auch Anzeige gegen Unbekannt gestellt, weil die Daten bewusst zu seinem Nachteil manipuliert worden sein sollen. Auch hier laufe noch die Prüfung, erklärte Schulz. Ein Abschluss des Ermittlungsverfahrens sei derzeit noch nicht abzusehen, so Sprecher.

Der beurlaubte Verwaltungsdirektor des Centraltheaters, Volker Ballweg, stellt die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfer ebenso wie Hartmann in Frage. „Die Vorwürfe vom Ende letzten Jahres werden hier neu aufgewärmt“, sagte er auf Anfrage von LVZ-Online. Bereits im Dezember war eine Prüfung der städtischen Beratungsgesellschaft BBVL auf ein Defizit von mehr als 400.000 Euro gestoßen. „Ich gehe weiter davon aus, dass die Intendanz Hartmann mit einem positiven Gesamtergebnis abgeschlossen hat“, behauptet Ballweg, der zwar offiziell noch bis 30. Juni 2014 im Amt, jedoch nicht mehr mit der Buchführung betraut ist. Mit Lübbes Übernahme war er beurlaubt worden.

Minus durch Instandhaltungs-Arbeiten?

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Von 2008 bis 2013 war Hartmann Intendant des Leipziger Centraltheaters.

Quelle: André Kempner

Aus Ballwegs Sicht werde von der Stadt eine „vermeintliche Planabweichung“ in einen Verlust umgedeutet. Mit dem Oberbürgermeister sei vereinbart worden, die städtischen Zuschüsse 2013 von rund 13 Millionen Euro der Dauer der Intendanz entsprechend auf 7/12 (Hartmann) und 5/12 (Lübbe) zu verteilen. „Daran haben wir uns gehalten und ein ausgeglichenes Ergebnis hinterlassen“, betonte Ballweg. Den Grund für den angeblichen Verlust vermutet er darin, dass im ersten Halbjahr angefallene Instandhaltungs-Arbeiten in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro einseitig der Intendanz Hartmanns angelastet worden seien. „Dabei hat das gesamte Haus davon profitiert.“ Im Umkehrschluss hieße das aber auch: Hartmann und Ballweg verfügten möglicherweise über Geld, das ihnen zu diesem Zeitpunkt nicht zustand.

Hartmanns Abschiedsparty auf Schloss Beesenstedt bei Halle, die 100.000 Euro verschlungen haben soll, sei vom künstlerischen Etat ebenso gedeckt gewesen wie der Umbau des Theaters in eine Festspielarena, betonen sowohl Ballweg als auch Hartmann. „Die Arena hat zudem deutlich geringer Kosten verursacht als ein normaler Theaterbetrieb mit aufwändigen Inszenierungen“, so der Verwaltungsdirektor.

 

Hartmann, der zwischen 2008 und 2013 am Leipziger Schauspielhaus tätig war und dessen Vertrag nicht verlängert wurde, hat die Hoffnung auf eine Beilegung des Streits noch nicht aufgegeben. „Ich gehe davon aus, dass es irgendwann an einem Punkt X so viel Transparenz gibt, dass sich auch die Öffentlichkeit ein Bild machen kann.“ Im Rathaus wird dagegen inzwischen ein juristisches Vorgehen gegen ihn nicht mehr ausgeschlossen. „Sowohl dienstrechtliche Schritte als auch Schadensersatzforderungen werden derzeit geprüft“, sagte Stadtsprecher Hasberg. Der nächste Akt des Dramas spielt damit möglicherweise vor Gericht.

Robert Nößler

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