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Schauspiel Leipzig: Zoff um künftigen Verwaltungschef

Kultur Schauspiel Leipzig: Zoff um künftigen Verwaltungschef

Eigentlich sollte es nur noch eine Formsache werden, die Wahl von Daniel Herrmann im Dezember zum Verwaltungschef des Leipziger Schauspiels. Doch nun kündigt die CDU an, die Berufung des 42-jährigen Juristen abzulehnen und eröffnet erneut die Strukturdebatte zur städtischen Hochkultur.

Das Schauspielhaus in Leipzig.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Um die Besetzung des Verwaltungschef-Postens im Schauspielhaus bahnt sich ein Streit an. Die CDU will im Stadtrat gegen die Bestellung von Daniel Herrmann als zweiten Betriebsleiter des kulturellen Eigenbetriebes stimmen. Eine Auswahlkommission von Verwaltung und Stadtrat hatte sich mehrheitlich auf die Nominierung des 42-jährigen Juristen verständigt.

Herrmann wird bereits seit längerem von der städtischen Beratungsfirma BBVL als Interimsverwaltungsleiter an den Eigenbetrieb verliehen. In der Beschussvorlage an den Stadtrat, der am 16. Dezember den zweiten Betriebsleiter – so die offizielle Stellenbezeichnung – für die Zeit vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Juli 2018 (Bruttojahresgehalt: 92 000 Euro) wählen soll, werden denn auch seine „bisher erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen“ hervorgehoben, die ihn „als den geeignetsten Bewerber“ für die Stelle prädestinierten.

 Insgesamt hatten sich zwölf Kandidaten um den Posten beworben, darunter vier Frauen und ein schwerbehinderter Mann. Letzterer, zwei Juristinnen und Herrmann, der seit 2010 als Seniorberater für die BBVL tätig ist und seit einem Jahr bereits an zwei Tagen pro Woche für das Schauspiel arbeitet, wurden schließlich zum Bewerbungsgespräch im Oktober eingeladen.

CDU-Stadtrat Ansbert Maciejewski hegt starke Zweifel an dem Auswahlverfahren. „Es war ganz klar auf Herrn Herrmann zugeschnitten“, ist er überzeugt. An oberster Stelle der Bewerbungsvoraussetzungen habe ein Abschluss in Rechtswissenschaften gestanden. Erfahrungen beim Aufstellen eines Wirtschaftsplanes habe nur Herrmann vorweisen können, was ihn von seinen Juristen-Mitbewerberinnen abhob. Auch die Frage „Was macht Leipzig als Kulturstadt für Sie aus?“, betrachtet Maciejewski als „merkwürdig“. Denn die Vergabe von Punkten auf derlei Fragen sei subjektiv und willkürlich.

Die CDU-Fraktion, kündigte er an, werde bei der Wahl im Dezember mit Nein stimmen. „Im letzten Jahr ging es schließlich auch mit einer Halbtagskraft ganz gut“, so Maciejewski.

Die Qualität des Auswahlverfahrens dürfte jedoch nicht der alleinige Grund für die Ablehnung des Kandidaten sein. Vielmehr versucht die CDU auf diese Weise den Weg zu einer Strukturreform in den städtischen Kulturbetrieben nicht zu verbauen. Sie hat jetzt eine Neufassung eines entsprechenden Antrages aus dem Jahr 2010 ins Verfahren gebracht. Darin schlägt sie die Verschmelzung von Oper, Musikalischer Komödie und Schauspiel zu einem Eigenbetrieb „Städtische Bühnen der Stadt Leipzig“ bis Ende 2016 vor. Die künstlerische Eigenständigkeit der Häuser soll durch die bestehenden drei Intendanten gewährleistet bleiben, die Verwaltung jedoch in eine Hand gelegt werden. Das Theater der Jungen Welt, vor fünf Jahren ebenfalls als Teil der städtischen Bühnen vorgesehen, bleibt jetzt bei der Betrachtung außen vor.

Außerdem schlägt die CDU die Umwandlung des Gewandhauses vom kommunalen Eigenbetrieb zur Stiftung des Privatrechts ebenfalls bis Ende 2016 vor. Dies soll die Finanzierung des weltbekannten Orchesters auf eine breitere Basis stellen und den Klangkörper weniger abhängig von der öffentlichen Kassenlage machen. Zudem bekäme das Gewandhaus auf diese Weise mehr Autonomie als ihm das sächsische Eigenbetriebsgesetz biete. „Das Verfahren zur Wahl und Ernennung eines neuen Gewandhauskapellmeisters hat einmal mehr gezeigt, dass die Rechtsform eines unselbstständigen Eigenbetriebes diesem so renommierten und hochrangigen Orchester nicht gerecht werden kann“, begründet die Union ihren Vorstoß.

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hält von derlei Ideen nichts. Er hatte im vorigen Jahr erklärt: „Die Betriebe sind besser aufgestellt, als viele meinen.“ In seiner Amtszeit werde es deshalb keine Neustrukturierung geben. Jung ist bis 2020 gewählt.

Von Klaus Staeubert

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