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Schauspiel Leipzig plant für kommende Spielzeit mit 23 Premieren

Besucherplus gibt Rückenwind Schauspiel Leipzig plant für kommende Spielzeit mit 23 Premieren

Mit den Roman-Adaptionen „89/90“ von Peter Richter und „Kruso“ von Lutz Seiler startet das Schauspiel Leipzig in die kommende Spielzeit. Intendant Enrico Lübbe bezeichnete die laufende Saison als die Erfolgreichste seiner Zeit in Leipzig. Das Theater will auch künftig aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen verarbeiten.

Verwaltungsdirektor Daniel Herrmann, Intendant Enrico Lübbe und Chef-Dramaturg Torsten Buß (v.l.) vom Schauspiel Leipzig.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Es läuft gut für das Schauspiel Leipzig. Schon nach der ersten Spielzeit von Intendant Enrico Lübbe, abgeschlossen mit einem deutlichen Besucherplus, geisterte der Hinweis durch das Haus, man könne nicht immer so viele Premieren auf die Beine stellen, Vorstellungen geben, sich so verausgaben. Das sollte überzogene Erwartungen dämpfen. Nötig war es nicht. Gegen Ende von Spielzeit drei verkündete Lübbe auf der gestrigen Pressekonferenz im Schauspiel: „Das wird unsere bislang erfolgreichste Saison.“

Rund 90 000 Zuschauer wurden bis Ende April gezählt, rund 12 000 mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Auslastung gemessen an eigenen Veranstaltungen im eigenen Haus lag bis April bei rund 75 Prozent. Auch auf der Einnahmenseite deutet sich ein Plus gegenüber 2014/15 an. Die verlässlichsten Zuschauermagneten sind mit jeweils rund 90 Prozent Auslastung das Weihnachtsmärchen „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ und die Komödie „Der nackte Wahnsinn“.

Neben den nackten Erfolgs-Zahlen verweist Lübbe auf die Uraufführungs-Schiene des Schauspiels, die stetig Erfolge feiert. Lübbe zitiert die Sächsiche Zeitung, die die hiesige Arbeit mit jungen Dramatikern schon als „Leipziger Autorenwunder“ feierte. Auch Festivaleinladungen bestätigen die Qualität. „Wunderland“ fährt zum Theatertreffen der Jugend nach Berlin, „Drei sind wir“ zu den Mülheimer Theatertagen. Schon die dritte Einladung zu dem renommierten Theaterfestival, das könne kein Haus vergleichbarer Größe vorweisen, sagt Lübbe. Und Stücke, die in Leipzig als Auftragswerk auf den Weg gebracht wurden, sind an großen Häusern gefragt. „Der Herzerlfresser“ etwa war schon im Deutschen Theater zu sehen und folgt in der kommenden Spielzeit am Burgtheater Wien.

Schon fast zur Grundsatzrede über die Möglichkeiten des Theaters wird die Vorstellung des kommenden Spielzeitmottos „Woher Wohin“. Klingt ein bisschen nach dem „Wieso, weshalb, warum“ der Sesamstraße. Sei aber, so Lübbe, durchaus politisch zu verstehen. „Wir stehen vor immer komplexeren gesellschaftlichen Herausforderungen.“ Das Theater müsse versuchen, einen „Diskursraum“ zu eröffnen. Die Bühne als künstlerischer Ort habe die Möglichkeit, sich mit Fragen zu beschäftigen, die über den Moment hinausweisen. Das sei wichtig in einer Zeit, in der schnelle Antworten vor komplexen Antworten den Vorzug erhielten.

Aussagen, die nicht zuletzt auf der Erfahrung mit der laufenden Inszenierung „Die Schutzflehenden / die Schutzbefohlenen“ aufbaut. Lübbe: „Es war nicht absehbar, welche Tagesaktualität sie haben würde.“

Eine Wiederaufnahme für die kommende Saison ist für den 22. Oktober geplant. Das Thema wird das Haus intensiv weiter beschäftigen. Nicht zufällig finden auch im Rahmen des derzeit laufenden Sächsischen Theatertreffens in Bautzen Debatten über die Rolle und Möglichkeiten des Theaters im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs statt.

Das Schauspiel wird seine Debattenreihe rund um die Themen Flucht, Migration und das Fremde fortsetzen. Im Oktober beziehen Gregor Gysi und der Soziologe Heinz Bude zu der Frage Stellung: „Ist der Osten anders?“.

Vor allem aber soll das Thema auf der Bühne weiter Beachtung finden. Dazu eröffnen zwei Romane die kommende Spielzeit. Peter Richters „89/90“ feiert am 16. September in der Regie von Claudia Bauer Premiere. Für Lübbe weniger ein Wenderoman, als ein Buch, das bereits Konstellationen und Probleme andeutet, die auf das viel spätere Phänomen Pegida hindeuten.

Am 1. Oktober folgt „Kruso“ von Lutz Seiler, das zur gleichen Zeit spielt. Armin Petras, schon zuvor in Leipzig als Regisseur auf dem Wunschzettel, konnte dafür verpflichtet werden.

Als Grund für den Schauspiel-Erfolg nennt Lübbe auch die städtischen Kooperationen. Die werden fortgesetzt. In einer Zusammenarbeit mit dem Gewandhausorchester kommt im März das Doppelprojekt „Die Maßnahme / Die Perser“ von Brecht und Aischylos unter Lübbes Regie auf die Bühne. Ein Brecht-Lehrstück trifft auf die Antike. Es geht um die Frage, welche Rolle individuelles Leid angesichts großer politischer Ideen spielt.

Das Weihnachtsmärchen „Der Zauber der Smaragdenstadt“ findet mit „Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten“ eine Fortsetzung. Zu Silvester feiert der moderne Komödien-Klassiker „Der Gott des Gemetzels“ Premiere. Hausregisseur Philipp Preuss zeigt im Januar „Peer Gynt“. Ebenfalls im Januar zeigt die Performance-Gruppe Gob Squad zusammen mit den Münchner Kammerspielen eine deutsch-englische Performance nach Tolstois „War and Peace“. Das Leipziger Schauspiel ist Koproduzent.

Zwei Uraufführungen stehen auf der Bühne „Diskothek“ an. Am 2. Oktober ist „Der Minusmensch“ von Till Müller-Klug zu sehen, der mit der Performance-Gruppe Interrobang schon in der Residenz zu Gast war, die am 17. September wiederkommt. Am 25. November feiert das Auftragswerk „Grand Prix de la Vision“ von Laura Naumann Premiere.

Insgesamt sind 23 Premieren für die Spielzeit vorgesehen. Zu stemmen von einem leicht vergrößerten Ensemble. Sebastian Tessenow, unter anderem als großartiger „Baal“ in Erinnerung, geht nach Düsseldorf. Ein Engagement erhalten unter anderem Brian Völkner und Andreas Dyszewski, im Anschluss an ihr Schauspiel-Studium.

 Ein Video von der Pressekonferenz finden Sie unter www.lvz.de

Von Dimo Riess

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