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Schauspiel Leipzig zeigt Fritz Langs „Metropolis“ als Live-Comic

Stummfilmklassiker Schauspiel Leipzig zeigt Fritz Langs „Metropolis“ als Live-Comic

Das Schauspiel Leipzig hat sich mit „Metropolis“ an eine Ikone der Filmgeschichte gewagt. Regisseurin Claudia Bauer lässt es auf der Bühne ziemlich krachen.

Metropolis im Schauspiel Leipzig.

Quelle: dpa-Zentralbild

Leipzig. Stummfilmklassiker, Kult, Ikone - „Metropolis“ ist ein schwerer Brocken. Das Schauspiel Leipzig hat sich daran versucht, den 20er-Jahre-Film von Fritz Lang und das zugrundeliegende Buch von Thea von Harbou auf die Theaterbühne zu heben. Und dafür am Freitagabend bei der Premiere viel Applaus vom Publikum bekommen.

Inszeniert hat das Stück Leipzigs Hausregisseurin Claudia Bauer. Zwei Stunden lang nimmt sie die Zuschauer mit in die Ober- und Unterstadt von Metropolis. Oben der abgeschottete Luxus, unten die geknechteten Arbeiter, die für den Herrscher Joh Fredersen (Michael Pempelforth) schuften müssen. Bauer nutzt ausgiebig Video- und Filmsequenzen und eine Graphic-Novel-Ästhetik, um Metropolis vor den Augen des Publikums entstehen zu lassen. Sie habe versucht, den Stoff „extrem ins Heute zu übersetzen“, sagte Bauer.

Und so finden sich aktuelle Bezüge zuhauf: zu Flüchtlingen, zu Kindern, die in von Europa weit entfernten Teilen der Welt unter erbärmlichen Bedingungen ausgediente Computer ausweiden. Metropolis ist bei Bauer nicht nur eine gigantische Stadt, sondern die ganze Welt. Wer rettet die Welt - die Frage flimmert mehrfach über die Videoleinwand.

Die Antwort des Originals trägt Bauer nicht mit. Lang/von Harbou lassen den in Maria aus der Unterstadt verliebten Sohn des Herrschers, Freder Fredersen (Florian Steffens), zum Mittler zwischen den Welten werden. Das Herz überwindet alle Klassenschranken. Für dieses schwülstige Ende, das dem Zeitgeist der 1920er entsprach, ist der Film vielfach kritisiert worden. Bei Bauer gibt es kein Happy End, sondern Flammen. Und den Hauch eines anderen Lösungsvorschlags.

Natürlich sei es ein Wagnis, den düsteren, bildgewaltigen Stummfilm „Metropolis“ auf die Bühne holen zu wollen, sagte Bauer. Sie hält bunt und opulent dagegen, Einblendungen im Comic-Stil - „WHOM“, „PHOMP“, „RATTA“, „KRACK“ - bringen Tempo schon in die ersten 25 Minuten, in denen auf der Bühne tatsächlich niemand spricht.

Auch Maria und die Mensch-Maschine Futura, im Film die unterkühlte Schönheit gespielt von Brigitte Helm, ist im Schauspiel eine eher schrille Person. Julia Preuß im blauen Lackkleidchen wiegelt die Arbeiter der Unterstadt furios zum Aufstand auf: „Die Welt braucht ihren Kollaps“, „Jeder versteht die Sprache des Terrors!“ Das Zwei-Stunden-Stück ohne Pause geht kurzweilig um.

Die Schauspieler werden vom Publikum beklatscht, für Bauer gibt es sogar etwas Jubel. Schauspiel-Intendant Enrico Lübbe sagte, die 50-Jährige sei für ihn „die Regisseurin der unspielbaren Stücke“. Mit „Metropolis“ macht sie diesem Titel einmal mehr Ehre.

Von Birgit Zimmermann

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