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Schauspiel Leipzig zeigt „Zauberer der Smaragdenstadt“ als Weihnachtsmärchen

Theater-Premiere Schauspiel Leipzig zeigt „Zauberer der Smaragdenstadt“ als Weihnachtsmärchen

Ein Kinderbuch-Klassiker der DDR hat es auf die Bühne des Schauspiels Leipzig geschafft. Am Samstag feierte die Bühnenadaption von „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ mit aufwendigem Bühnenbild und Musik Premiere. Das Mädchen Elli muss mit drei Gefährten einige Abenteuer bestehen, um nach Hause zurückkehren zu dürfen.

Elli (Sina Martens) und ihre Freunde unterwegs in der Smaragdenstadt.

Quelle: Rolf Arnold / Schauspiel

Leipzig. „Ihr verfluchten Menschen“, ruft die Hexe, die als Projektion Gestalt annimmt, wie aus einem Tintenklecks erwachsen. Zunächst noch klein wie ein Mensch, füllt sie bald schon die Höhe der Bühne. „Wie ich euch hasse“, brüllt sie und entfacht Sturm, um die Menschheit vom Globus zu fegen. Nur ein Tag nach den hasserfüllten Gräueltaten von Paris erhält die Eingangssequenz einen unangenehmen Beigeschmack. Im Märchen freilich gehen die Dinge gut aus, siegt Gut über Böse. So auch bei der Premiere des „Zauberers der Smaragdenstadt“ am Samstagnachmittag im Schauspiel Leipzig.

Erneut hat das Schauspiel – nach den beiden Jahren mit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ – für sein Weihnachtsmärchen auf einen DDR-Klassiker zurückgegriffen. Das Kinderbuch von Alexander Wolkow wurde zum Renner in der DDR. Ein Stoff übrigens, der in Leipzig in diesem Jahr schon in den Cammerspielen und auf dem Feinkost-Hof zu erleben war.

Das Schauspiel hat für seine ungleich opulentere Version jenes Team eingeladen, das dem Theater im Sommer 2014 das furiose Dschungelbuch-Musical im Zoo bescherte. Stephan Beer führt erneut Regie und ist zusammen mit Georg Burger für die Textfassung verantwortlich. Jan S. Beyer und Jörg Wockenfuß haben die Songs komponiert und mischen wieder als mitspielende Musiker mit, die sich irgendwann sogar von Bastinda, der Hexe des Violetten Reiches, aus dem Saal werfen lassen müssen.

Bastinda (Julia Berke) mit ihren Zauberkräften und einer Armee der geflügelten Affen ist nur eine der vielen Prüfungen, der sich Elli (Sina Martens) unterziehen muss. Das Mädchen wird im Wirbelsturm mitsamt Haus aus dem heimischen Kansas fortgeweht, hinein ins Land der Käuer. Wo sie sogleich Heldenstatus erlangt, weil ihr Häuschen bei der Landung die böse Hexe Gingema erschlägt. Freiheit für die Käuer. Elli aber steht der weite Weg zur Smaragdenstadt bevor, in der Hoffnung, dass der Zauberer Goodwin sie zu den Eltern zurückbringt.

Außerdem muss sie drei Wesen bei der Erfüllung ihrer Wünsche helfen. Scheuch (augenrollend und schön wackelig auf den Beinen: Tilo Krügel), die Vogelscheuche ohne Hirn, hätte gern Verstand. Der Eiserne Holzfäller (Dirk Lange mit mechanischem Gang) möchte ein Herz. Und der feige Löwe (Gastschauspieler Marcus Kaloff im Aufblasanzug) wünscht sich den Mut, den alle von ihm erwarten. Zu viert trotzen sie Menschenfressern, Säbelzahntigern, Zauberkräften und, was ihm wahren Leben ja doch häufiger vorkommt, der großen finalen Enttäuschung.

Es ist die typische Heldenreise, die sich abspult. Ein Mädchen, vom Schicksal ins Abenteuer gestoßen, wächst an seiner Aufgabe. Und lernt mit ihren unfertigen Kameraden viel über das Wesen des Menschen und über das, was wirklich zählt. Dass Mut nicht heißt, keine Angst zu haben, sondern sie zu überwinden. Dass Verstand ein jeder bereits hat, selbst der Scheuch, ihn aber auch gebrauchen muss. Und der Blechmann, der da immer jammert, ihm fehle das Herz, offenbart längst schon Gefühle, als er noch glaubt, keine zu haben.

Beer führt die Handlung eng und sehr klar am Buch entlang. Die Botschaft kommt rüber. Die kleinen Sprachfehler des Scheuchs funktionieren als Gagmaschine für das junge Publikum. Video (Kai Schadeberg), Licht (Veit-Rüdiger Griess) und Kostüme (Kristina Böcher) sorgen auf der Bühne (Georg Burger) mit ständig wechselnden Szenerien für Schauwert, dass die meisten Kinder gern die Blicke vom Smartphone heben. Da leuchten die Augen der bedrohlichen Säbelzahntiger auf den dunklen Stämmen im Wald. Die fliegenden Affen werden als Projektion auf dem luziden Vorhang lebendig. Die Hexe Bastinda schließlich löst sich im Nebel in Luft auf. Ein ordentliches Bild- und Effektfeuerwerk, bis ins Detail fortgeführt, wenn die Musiker vor der Bühne mit Kostümwechseln in die jeweilige Situation passen.

Richtig poetisch, wie etwa die Traumsequenz mit roten Riesenballons, wird es aber selten. Die musikalische Umsetzung fließt munter und passend, wiederholt erkennbar ihr Thema, entwickelt aber nicht die mitreißende Ohrwurmqualität, wie noch beim „Dschungelbuch“. Und Elli bleibt, selbst wenn sie gerade erst knapp dem Kannibalen-Topf entronnen ist, eigenartig unbeeindruckt. Spannend für das junge Publikum und über die fast zwei Stunden durchgehend unterhaltsam ist es dennoch. Jubel mischt sich in den Premierenapplaus.

Weitere Aufführungen ab 23. November
(Altersempfehlung des Schauspiels: ab 6 Jahren), Kartentel: 0341 1268168; alle Termine unter www.schauspiel-leipzig.de

Von Dimo Riess

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