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Schauspiel, Show und Selbsterlebtes: "Das große Vorsprechen" im Theater Fact

Schauspiel, Show und Selbsterlebtes: "Das große Vorsprechen" im Theater Fact

Mit seinem neuen Showformat "Das große Vorsprechen" gewährt das Theater Fact diese Woche einen Einblick in die Hinterräume der Bühnenwelt. Premiere war am Freitag.

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Moderiert das Theaterritual namens Vorsprechen: Musiker Ron Uhlig.

Quelle: Theater Fact

Es ist ein Theaterritual, das die Eintrittkarte lösen kann für Ausbildung und Beruf, aber viele, ja die meisten müssen regelmäßig draußen bleiben: das Vorsprechen. Es ist die letzte Hürde für Schauspieler, die sie nehmen müssen, um dabei sein zu können - immer und immer wieder, denn jeder Film, jeder Theaterregisseur, jede Intendanz testet so die neuen Aspiranten. Das Theater Fact hat sich dieser Black Box der darstellenden Kunst jetzt angenommen und einen sehr persönlichen Show-Abend gestaltet. Motto: Hollywood ist in der kleinsten Hütte.

Nach einem faszinierenden Schattenspiel-Intro führt der Musiker Ron Uhlig durchs Programm. "Vorsprechen ist Fleißbeschau", so sein Mantra. Nach einer Eröffnung am Klavier holt er nach und nach die drei Fact-Schauspieler Bine Becker, Esther Sternad und Sascha Kiesewetter auf die Bühne, die nun von ihrem Freud und Leid der Castings berichten. Vom Gefühl der Ablehnung, von den Vorbereitungsprozeduren - zumeist müssen zwei bis drei Monologe und ein Lied präsentiert werden. Aber auch vom überraschenden Gefühl, es geschafft zu haben.

So etwa bei Sternad, die nach einem längeren Frankreich-Aufenthalt eher spontan nach Leipzig gekommen und geblieben ist, denn "es ist nicht übel hier". Bine Becker erzählt von einer Leipziger Absage: Die gebürtige Freibergerin wankte mit hohem Fieber zur Aufnahmeprüfung an der Leipziger Schauspielschule und kam nicht in die nächste Runde. Sascha Kiesewetter kontrastiert diese Geschichten schön durch seine Erfahrungen auf einer privaten Schauspielschule.

Und dann wird gespielt: die vorbereiteten Lieblingsmonologe. Es gibt Modernes, Klassisches und Abseitiges zu sehen. Kiesewetter liefert als Höhepunkt einen urkomischen Hamletmonolog, der zugleich alle Alptraumvisionen eines Vorsprechens vereint. Hier wird der Aufschluss der Black Box künstlerisch-witzig und zugleich nachvollziehbar vollzogen. Christiane Zehler, die in einem Running Gag als Lieferantin der Firma Treibholz mit einem Stuhl über die Bühne irrt, verwurstet diese Vorlage zu einem Shakespeare-Rap: "Einer stirbt, und alle sterben mit." Szenenapplaus.

Divenhaft sphärisch wandelt dann noch eine singende Katrin Liefke über die Bühne, die ansonsten als Regieassistentin am Haus wirkt. Alles Teil des Konzepts, denn Theaterchefin Ev Schreiber, ansonsten die Regiehand am Fact, hat ihrem Ensemble für diesen Abend freie Hand gelassen.

Neu an diesem Abend: Per Votum dürfen die Zuschauer einen Teil des Juni-Spielplans bestimmen, wo dann das von ihnen gewählte Saison-Highlight noch einmal auf die Bühne kommen soll. Ganz zum Schluss gibt es dann noch ein politisches, ein garstiges Lied. Zur Melodie des vergessenen Farbfilms intonieren die sechs Spieler: "Du hast das Fact ganz vergessen, mein Burkhard Jung." 10 000 Euro Förderung bekommt Leipzigs erstes Privattheater pro Jahr, was nur rund sechs Prozent des Gesamtbudgets sind. Auch dies ein Teil der Lebenswirklichkeit von Schauspielern, selbst wenn sie die Hürde des Vorsprechens genommen haben.

"Das große Vorsprechen", wieder Montag (mit Suppe), Dienstag, Freitag und Samstag, jeweils 20 Uhr, im Theater Fact (Hainstraße 1), Karten für 10 bis 19 Euro: 0341 9614080

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.04.2014
Torben Ibs

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