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"Schauspieler, Autor, Kosmopolit" - Mario Adorf wird 80

"Schauspieler, Autor, Kosmopolit" - Mario Adorf wird 80

München. Wenn die großen Stars aus Film und Fernsehen in die Jahre kommen, dann betonen sie oft, sie dächten gar nicht ans Aufhören und könnten nicht leben ohne Bühne und Scheinwerferlicht.

Der große Mario Adorf sagt das nicht. Am 8. September feiert er seinen 80. Geburtstag. Kurz vorher erklärte er: „Die Show muss nicht immer weitergehen.“ Man müsse sich auch einmal eine Pause gönnen. Und im Interview mit der Programmzeitschrift „TV Spielfilm“ fügte er hinzu: „Ich habe keinen Ehrgeiz, 100 zu werden und als Greis über die Bühne oder vor die Kamera zu tappen.“

So weit ist es freilich noch nicht. Seine Erscheinung ist auch im Alter imposant wie eh und je. Im vergangenen Jahr stand er in Lübeck für den ARD-Zweiteiler „Der letzte Patriarch“ vor der Kamera, in dem er den Lübecker Marzipanfabrikanten Konrad Hansen spielt. Am Freitag (10. September) wird der Film als Ganzes im Ersten ausgestrahlt. Und sein nächstes Projekt hat er auch schon in Angriff genommen: Er plant eine Komödie zur Wende.

Adorf, der 1930 als unehelicher Sohn einer Röntgenassistentin und eines Chirurgen aus dem italienischen Kalabrien geboren wurde, begann seine beeindruckende Schauspielkarriere schon während seines Studiums der Philosophie und Theaterwissenschaften in Mainz und Zürich - obwohl er eigentlich lange mit der Bildenden Kunst geliebäugelt hatte und gerne Bildhauer geworden wäre. Als nach dem Zweiten Weltkrieg das Geld für Pinsel, Farben und Leinwand knapp wurde, entschied er sich anders und ergatterte einen begehrten Platz an der Otto-Falckenberg- Schule in München. Dann bekam er ein festes Engagement bei den Münchner Kammerspielen.

Der große Durchbruch als Film-Schauspieler gelang ihm 1957 als brutaler Massenmörder in dem Film „Nachts, wenn der Teufel kam“ von US-Regisseur Robert Siodmak. Diese Rolle bescherte Adorf neben dem Bundesfilmpreis auch ein Image: Jahrelang war er auf die Darstellung von Schurken und Ganoven festgelegt. In „Winnetou I“ ermordete er in der Rolle des bösen Widersachers Winnetous Schwester Ntscho-Tschi.

Nachdem Adorf, der fließend Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch spricht, in den 60er Jahren vor allem in italienischen Filmen mitgespielt hatte, wandte er sich in den 70er Jahren wieder dem deutschen Film zu und stand unter anderem für Volker Schlöndorffs oscarprämierte „Blechtrommel“ vor der Kamera.

Im Fernsehen begeisterte er ein großes Publikum in Produktionen wie „Der große Bellheim“ von Regisseur Dieter Wedel oder der Münchner Schickeria-Serie „Kir Royal“ von Helmut Dietl, der ihn auch für die bitterböse Gesellschaftssatire „Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ vor die Kamera holte. Die meisten seiner Filme seien aber schon in Vergessenheit geraten, sagte Adorf einmal in einem Interview. „Wenn von den Filmen noch ein Dutzend übrig bleiben, wäre ich sehr zufrieden.“

Für viele dieser Streifen ist Adorf mit Ehrungen überhäuft worden. Es gibt kaum eine Auszeichnung der Branche, die er noch nicht bekommen hat. Bescheiden gibt er sich dennoch. Als er 2009 bei der Verleihung des Entertainment-Preises DIVA für sein Lebenswerk geehrt wurde und in die „Hall of Fame“ einzog, scherzte Adorf, der sich auf seiner Homepage als „Schauspieler, Autor, Kosmopolit“ beschreibt: „Das klingt für mich ein bisschen wie Wachsfigurenkabinett.“

Adorf, der 1995 und 2001 auch mit zwei ausverkauften Chanson- Tourneen große Erfolge feierte, bekam aber nicht nur unzählige Film- und Fernsehpreise. Im Jahr 2001 erhielt er auch noch das Große Bundesverdienstkreuz, 2008 den „Orden wider den tierischen Ernst“ des Aachener Karnevalsvereins. Außerdem wurde er in diesem Jahr zum Bartträger des Jahres ernannt. Die Jury urteilte: „Er ist ein Vorzeige-Bartträger par excellence, national und international.“

Vor wenigen Wochen verlieh ihm seine ehemalige Universität Mainz die Ehrendoktorwürde „für sein beeindruckendes Lebenswerk“. „Sie haben - um nur einige wenige Highlights herauszugreifen - die deutsche und europäische Filmgeschichte über Jahrzehnte entscheidend mit geprägt und in hohem Maße zum theaterkulturellen Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland beigetragen“, hieß es in dem Brief der Uni an Adorf, den er auf seiner Internetseite veröffentlichte.

Adorf, der heute mit seiner Frau in München lebt, ist sein Alter nicht anzumerken. Kraftvoll schreitet er auch heute noch über die roten Teppiche in München, mit Sport hat er sich stets fit gehalten. Jetzt macht er sich aber doch Gedanken über das Altwerden. In einem Interview der Fernsehzeitschrift „Hörzu“ sagte er: „Wenn es auf ein immer absehbareres Ende zugeht, ist das nicht berauschend.“

Von Britta Schultejans, dpa

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