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Scherzo und Scherze: Philharmonie Leipzig und Slam-Poeten im Bretschneider-Park

Wahrer Sommernachtstraum Scherzo und Scherze: Philharmonie Leipzig und Slam-Poeten im Bretschneider-Park

Nach Tschaikowskis Nussknacker nun Mendelssohn Bartholdys Sommernachtstraum: Philharmonie Leipzig und Livelyrix-Verein haben am Sonntag auf der Geyserhaus-Parkbühne Orchestermusik mit Slam-Poesie gemischt.

Auch die Orchestermusiker lauschen: Slam-Poet Julius Fischer und die Philharmonie Leipzig auf der Geyserhaus-Parkbühne.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Sommer oder Winter? Parkbühne Geyserhaus oder Peterskirche? Mendelssohn Bartholdys Sommernachtstraum oder Tschaikowskis Nussknacker? Seit Sonntagabend steht das Ergebnis fest: ein klares Unentschieden!

Nach dem erfolgreichen Auftakt, dem Nussknacker-Slam im Dezember in der zentralen Peterskirche, hatte der rührige Livelyrix-Verein diesmal die Bühne am Eutritzscher Geyserhaus für sein neuartiges Konzept eines Poetry Slams mit musikalischer Untermalung ausgewählt. Dabei spielt die Philharmonie Leipzig jeweils ein Stück aus einem bekannten Musikwerk, und die Slammer beziehen dieses dann in ihre poetischen Kostbarkeiten ein. Wie immer entscheidet das Publikum, das auch die Parkbühne zahlreich bevölkerte, über den Sieger, der eine Flasche Longhorn-Gin erhält.

Einziger modetechnischer Unterschied zum Nussknacker-Slam, den der Leipziger Tausendsassa Christian Meyer seinerzeit ebenfalls moderierte, stellt dessen gefährlich kurze Hose dar. Diesmal trägt er sie zu Hemd und Fliege (!). Die Philharmoniker werden nun von Chefdirigent Michael Köhler angeleitet, nachdem er in der Peterskirche noch von Christoph-Johannes Eichhorn von der Oper Leipzig vertreten wurde. Und der Maestro zeigt schon in der Ouvertüre des Sommernachtstraums seine ganze Erfahrung, die ebenso allegro daherkommt wie das folgende Scherzo.

Der erste Slammer, Meyers kongenialer The-Fuck-Hornisschen-Orchestra-Partner Julius Fischer, hat sich passend zur musikalischen Unterstützung einen Text namens „Der Geiger“ überlegt. Ebenfalls in gewagte Shorts gekleidet, erzählt der inzwischen auch mit Olaf Schubert televisionär erfolgreiche gebürtige Geraer von einer nervigen Person, die über seiner Wohnung im Waldstraßenviertel penetrant mit der Geige übt. Solche Probleme hätte man gerne.

Tanz der Rüpel

Es ist langsam dunkel geworden über dem Geyserhaus, und da bietet sich eine Nocturne an, die die Philharmoniker nun zum Besten geben. Mit Nora Gomringer tritt anschließend der unumstrittene Star des Slams auf die Bühne, schließlich hat die schweizerisch-deutsche Lyrikerin 2015 den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen und leitet das Internationale Künstlerhaus „Villa Concordia“ in Bamberg. Man hört den literarischen Profi sofort heraus, federleicht changiert Gomringer zwischen Shakespeare, Heine und eigenen Ergüssen hin und her. „Wenn wir doch könnten, wie wir wollten, sollten die Nächte Sommernachtsträume sein“, ist das wahrhaftige Fazit der 37-Jährigen, mit dem sie sich deutlich gegen Fischer durchsetzt.

Beim „Intermezzo“ aus dem Sommernachtstraum können auch die Besucher ein Zwischenspiel auf der Toilette einlegen, bevor Sebastian Krämer den „Tanz der Rüpel“ poetisch begleitet. Es ist der amüsanteste Auftritt des Abends, den der mehrfache deutsche Slam-Meister mit seinem Charlie-Chaplin-haften, deutlich zu großen Anzug noch unterstreicht. Es geht darin, kurz gesagt, um eine schlechte Hochzeitsrede beziehungsweise um ein Stück aus dem Stück aus dem Stück. Alles klar? Krämer nutzt sogar die Trommel der Philharmonie zum Wirbeln, müsste dafür zwar eigentlich disqualifiziert werden, gewinnt aber stattdessen sein Halbfinale gegen Andy Strauß, der mit einem klamaukigen Beitrag zum „Hochzeitsmarsch“ nicht wirklich überzeugen kann.

So kommt es also im Endspiel zum Kampf der Giganten Gomringer und Krämer. Erstere versucht es dort mit einer Anekdote über ihren Bruder, dessen Tochter an der Leipziger International School schon im Vorschulalter zweisprachig unterrichtet wird. „Dann kann er sie zweisprachig anschreien“, resümiert Gomringer. Krämer probiert sein Glück mit dem „Hauch des Todes“ – ebenso deutlich unterhaltender als seine Konkurrentin und damit auch verdient siegend. „Die Poesie hat heute gewonnen“, meint Christian Meyer zum Abschluss. Wie wahr!

Von Christian Dittmar

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